Gute Kommunikation - eine bekannte Weisheit
„Shared Decision Making“ ist ein Prinzip, das zweifellos eine hohe Wichtigkeit in der medizinischen Arbeit hat – nicht erst, seit es diesen Begriff gibt.
Sollte es nicht eine Selbstverständlichkeit sein, Rat und Hilfe suchende, kranke Menschen gut zu informieren und ihre Wünsche und Lebensumstände als Richtschnur für Diagnostik- und Therapieplanung anzusehen? Brauchen wir dafür einen neuen, englischsprachigen Begriff (der dann auch erklärt werden muss), eine spezielle Schulung (sowohl im Medizin- und Pflegestudium als auch in der Pflegeausbildung sind Gesprächsführung und Patientenwohl meines Wissens Themen, die bereits gelehrt und eingeübt werden) oder brauchen wir nicht einfach mehr Fachpersonal, dass dann tatsächlich Zeit für die notwendige Patienteninteraktion hätte? Hausärzte, Fachärzte, Pflegende, Therapeuten: Alle Berufsgruppen stehen unter einem immensen Zeitdruck, der zu einem erheblichen Teil durch (wirklich notwendige?) Verwaltungs- und Dokumentationsarbeit verursacht wird.
Könnte nicht eine Reduktion dieser bürokratischen Pflichten und eine im Hinblick auf die "sprechende Medizin" ausgewogenere Honorierung mehr Vorteile für die Planung einer individuell angemessenen Diagnostik und Therapie bringen als ein Innovationsprojekt, das meines Erachtens eine bekannte Weisheit (guter Arzt-Patienten-Kontakt auf Augenhöhe ist die Voraussetzung für ein befriedigendes Therapieergebnis) in neue Worte kleidet?
Ich denke nicht, dass die meisten in Heilberufen Tätigen Nachhilfe in dieser Richtung benötigen: Das Wissen darum kann vorausgesetzt werden und den guten Willen unterstelle ich ebenfalls – die Rahmenbedingungen müssen sich ändern, damit auch danach gehandelt werden kann. (Das heißt z.B., dass eine kaufmännische Krankenhausleitung die Indikationsstellung für sämtliche im Hause verfügbaren Prozeduren nicht beeinflussen darf.)
Erst wenn das Projekt in diese Richtung wirkt, haben sich die 13,6 Millionen Euro aus meiner Sicht gelohnt.
Dr. Karen Heidbüchel