Artikel als Aufruf zur Militarisierung?
Mit Entsetzen habe ich die Juli/August-Ausgabe des Schleswig-Holsteinischen Ärzteblattes in die Hand genommen: ein lächelnder Soldat in Uniform auf dem Titelbild sieht den Betrachter an und in großen roten Buchstaben wird für den „Schulterschluss für den Ernstfall“ geworben! Der so beworbene Artikel auf den Seiten 16 und 17 des Blattes zeigt dann auch noch die Vizepräsidentin der Kammer im Schulterschluss mit dem Generalstabsarzt des Titelblattes. Meines Wissens ist der Begriff des „Schulterschlusses“ der Militärgeschichte entlehnt. Und militärisch ist auch das den Artikel einleitende „Szenario“: Russland greift uns an!
Der ganze Artikel scheint mir ein einziger Aufruf zur Militarisierung des Gesundheitswesens und der Gesellschaft zu sein. Kann es tatsächlich Aufgabe der Kammer, deren Pflichtmitglied ich bin, sein, derart einseitige politische Positionen zu beziehen oder sollte sie nicht eher einem Neutralitätsgebot verpflichtet sein? Ich habe meine Aufgabe als Arzt niemals auf dem Hauptverbandsplatz gesehen, sondern glaube, unsere Aufgabe als Ärzte sollte darin bestehen, alles für eine „friedenstüchtige“ und nicht für eine“ kriegstüchtige“ Medizin zu tun.
Dr. Doris Klein