
Zweiter Rettungshubschrauber für Ostholstein?
Infolge der sich verändernden bundespolitischen Rahmenbedingungen sei der Druck auf den kommunalen Rettungsdienst gestiegen, hieß es in einer Pressemitteilung des Kreises. Deshalb hat der Verwaltungsrat der Rettungsdienst Holstein AöR (rdh) unter dem Vorsitz von Landrat Timo Gaarz und rdh-Vorstand Christian Kraft die bisherigen Planungen geprüft und weiterentwickelt.
Notarztstandort Fehmarn bleibt
Auf der Agenda stehen zusätzliche Rettungsmittel, neue Standorte, telemedizinische Unterstützung und ein noch gezielterer Einsatz hochqualifizierter Fachkräfte. Berücksichtigt wurden den Angaben zufolge die Entwicklung des Einsatzgeschehens, demografische und gesellschaftliche Veränderungen und die voraussichtlichen bundesrechtlichen Rahmenbedingungen. In Süsel, Stockelsdorf und Fargemiel seien zusätzliche Rettungswachen geplant. Neben drei Notarztstandorten auf dem Festland soll der Notarztstandort auf Fehmarn erhalten bleiben.

„Ein zweiter und dazu nachtflugfähiger Rettungshubschrauber ist für Ostholstein notwendig.“
„Wir investieren gezielt in eine starke und moderne Notfallversorgung. Mehr Rettungsmittel, neue Standorte und die Vernetzung unterschiedlicher medizinischer Kompetenzen erhöhen die Verfügbarkeit und schaffen ein belastbares System für die kommenden Jahre“, wurde Gaarz in der Mitteilung zitiert. Mit dieser Entscheidung werde insbesondere den Anforderungen der Insellage Rechnung getragen. Zugleich stehe der Kreis durch den Bau der Schienenanbindung der festen Fehmarnbeltquerung und weiteren Baumaßnahmen vor besonderen Herausforderungen.
Stationierung eines zweiten Rettungshubschraubers
Darüber hinaus fordert Gaarz die Stationierung eines zweiten Rettungshubschraubers im Kreis Ostholstein. „Ein zweiter und dazu nachtflugfähiger Rettungshubschrauber ist für Ostholstein notwendig. Er würde insbesondere den Norden des Kreises und die Insel Fehmarn besser absichern, zugleich aber die Notfallversorgung in der gesamten Region stärken“, wurde Gaarz in der Mitteilung zitiert. „Auch nach Einschätzung der Fachleute brauchen wir diese zusätzliche Luftrettung, um bei Verkehrsbehinderungen und in Notfällen schnelle Hilfe sicherzustellen.“
Gesundheitsministerium prüft Optionen
Wie steht das Ministerium für Justiz und Gesundheit zu dieser Forderung eines fünften Rettungshubschraubers für das Bundesland? Auf Nachfrage des Schleswig-Holsteinischen Ärzteblattes hieß es, das Ministerium begrüße, „dass der Kreis den Rettungsdienst mit verschiedenen Maßnahmen stärken möchte“. Im Austausch auch mit Akteuren des Kreises werde dabei geprüft, wie die Versorgung von Notfallpatientinnen und -patienten langfristig gewährleistet werden könne und ob dazu perspektivisch ergänzende Lösungen, beispielsweise durch den Ausbau der Luftrettung, erforderlich würden.
Mehr Rettungswagen und Telemedizin
Im Zuge der Neuplanung sollen zusätzliche Rettungswagen und Krankentransportwagen in Dienst gestellt sowie weitere Rettungsdienststandorte eingerichtet werden, hieß es in der Mitteilung. Stationierungen von Rettungswagen in Fargemiel und Stockelsdorf würden geprüft.
Ergänzt wird das Konzept durch Telemedizin. Künftig könne die Besatzung jedes Rettungswagens im Kreis Ostholstein bei Bedarf unmittelbar einen Telenotarzt hinzuziehen, der bei Diagnostik, Therapieentscheidungen und heilkundlichen Maßnahmen unterstützt. Bei Einsätzen, die eine Ärztin oder einen Arzt vor Ort erfordern, werde weiterhin die boden- oder luftgebundene Notfallmedizin eingesetzt.
Notärztliche Versorgung weiterhin flächendeckend
Wer aufgrund eines schweren oder komplexen Notfalls ärztliche Hilfe am Einsatzort benötigt, erhält diese auch künftig. Geplant sind die bodengebundenen Notarztstandorte
- Süsel
- Bad Schwartau
- Oldenburg in Holstein
- Burg auf Fehmarn.
Auf der Wunschliste: spezielle Fahrzeuge
Mit speziell ausgestatteten Akut-Krankenwagen (A-KTW) und Rettungseinsatzfahrzeugen (REF), die mit speziell ausgebildeten Rettungskräften besetzt sind, soll das Einsatzspektrum des rdh erweitert werden. Sie kommen vor allem bei akuten, aber nicht lebensbedrohlichen Hilfeersuchen zum Einsatz. So sollen Rettungswagen gezielt für schwere und lebensbedrohliche Notfälle verfügbar bleiben, während auch andere Hilfesuchende schnell und bedarfsgerecht versorgt werden.
Plan: hauptamtliche Leitende Notärzte ab 2027
Ab dem 1. Januar 2027 ist vorgesehen, die medizinische Führung im Kreis Ostholstein weiter auszubauen. In diesem Zusammenhang wird die Einführung hauptamtlicher Leitender Notärztinnen und Notärzte geprüft. Diese könnten rund um die Uhr das Notarzteinsatzfahrzeug in Oldenburg/Holstein besetzen und bei Bedarf für größere Schadenslagen, besondere Einsatzsituationen und komplexe medizinische Führungsaufgaben zur Verfügung stehen.





