
Zellen im Tumorgewebe verraten, welche Patienten besonders gute Heilungschancen haben
Wenn Immunzellen im Tumorgewebe untersucht werden, blickt die Forschung meist dorthin, wo die Zellen den Tumor tatsächlich angreifen. Eine Studie unter Leitung von PD Dr. Sebastian Marwitz vom Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum (FZB), zeigt, dass auch die Zellen der Immunabwehr, die es nicht bis zu den Tumorzellen schaffen und stattdessen im umgebenden Bindegewebe – dem Stroma – verbleiben, entscheidende Informationen über den Krankheitsverlauf tragen.
Für die Studie wurden mehr als sechs Millionen einzelne Zellen erfasst
Für die im European Journal of Cancer veröffentlichte Studie wurden Gewebeproben von 674 Patientinnen und Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) aus Deutschland und Schweden untersucht. Mithilfe bildgebender Verfahren, der Multiplex-Immunfluoreszenz, wurden mehr als sechs Millionen einzelne Zellen erfasst und danach klassifiziert, um welchen Immunzelltyp es sich handelt und wo genau diese im Gewebe sitzen.
Neuer, bislang nicht beschriebener Zusammenhang
Das Team fand fünf wiederkehrende Muster, wie sich Immunzellen im Stroma zusammensetzen, sowie drei unterschiedliche räumliche Anordnungen. Entscheidend war dabei nicht nur, welche und wie viele Zellen im Stroma vorhanden waren, sondern auch, wie sie zueinander angeordnet sind: Die räumliche Architektur der ausgeschlossenen Immunzellen übte einen eigenständigen, deutlich messbaren Effekt auf das Überleben aus – ein Zusammenhang, der in dieser Form bislang nicht beschrieben war.
Entscheidend sind Häufigkeit und Nachbarschaft der Zelltypen
„Dies verdeutlicht, dass sich Erkrankungen komplexer verhalten als bisher gedacht und es nicht nur darauf ankommt, welcher Zelltyp wie häufig vorkommt, sondern eher, mit wem er eher eine Nachbarschaft eingeht. Dieser Forschungsansatz ist ein zentraler Bestandteil unserer Arbeiten am Forschungszentrum und im Deutschen Zentrum für Lungenforschung“, wurde Marwitz vom FZB in einer Mitteilung zitiert. Die entscheidende Kombination: Patientinnen und Patienten, deren Stroma B-Zellen in hoher Dichte aufwies und bei denen Helfer-T-Zellen räumlich nah an regulatorischen T-Zellen lagen, hatten ein deutlich besseres Langzeit-Überleben.
Test mit geringerem technischen Aufwand wäre möglich
Klinisch relevant sei vor allem, dass sich das Muster auf drei gut etablierte Marker reduzieren ließ – B-Zellen, Helfer-T-Zellen und regulatorische T-Zellen. Ein solcher Test wäre mit deutlich geringerem technischem Aufwand umsetzbar als die hochauflösenden Multiplex-Verfahren, die für die Grundlagenforschung nötig waren. Ob sich das Signatur-Muster auch bei fortgeschrittenem oder metastasiertem Lungenkrebs sowie bei Patientinnen und Patienten unter Immuntherapie bestätigt, soll in Folgestudien geprüft werden.
Internationale Zusammenarbeit
Die Studie ist Teil der Forschung des Airway Research Center North (ARCN) im Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL) und entstand in Zusammenarbeit mit der Universität Uppsala sowie der Lungenclinic Grosshansdorf. Prof. Dr. Torsten Goldmann, Leiter der Histologie am FZB, betonte, dass die Umsetzung des Projektes nur durch die gebündelte Expertise und die Zusammenarbeit mehrerer Partner weltweit möglich gewesen sei. „Eine solche wissenschaftliche Leistung entsteht nicht im Alleingang – sie ist das Ergebnis einer starken internationalen Gemeinschaft“, sagte Goldmann laut Mitteilung. (PM/RED)
Publikation:
Marwitz S., Brunnström H., Gulyas M., et al. Left behind but not left alone: Excluded cell populations in the non-small cell lung cancer stroma predict superior long-term overall survival. European Journal of Cancer 2026 Jun 9:244:116868. DOI: 10.1016/j.ejca.2026.116868





