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Christian Götze, Geschäftsführer des IÄQSH: ein etwa 40-Jähriger schlanker Mann mit Bart steht lächelnd vor einem braun verschalten Gebäude.
Christian Götze ©Eike Ina Lamberty
Christian Götze ©Eike Ina Lamberty

Zehn Jahre IÄQSH: Hausärztliche Versorgung dominiert Symposium

Zehn Jahre nach seiner Gründung hat sich das Institut für ärztliche Qualität in Schleswig-Holstein (IÄQSH) fest in der Gesundheitslandschaft im nördlichsten Bundesland etabliert. Beim Symposium zum Jubiläum der bundesweit einzigartigen Institution stand vor allem die allgemeinärztliche Fachweiterbildung im Fokus.

Eike Ina Lamberty

Das Fachwissen und die langjährige Erfahrung im Qualitätsmanagement aller drei Träger für die schleswig-holsteinische Versorgungslandschaft bei einem Dienstleister pragmatisch zusammenzubringen – auf dieser Grundidee basiert das IÄQSH. „Wir sind stolz darauf, dass wir aus einer gemeinsamen Idee heraus ein Institut geschaffen haben, das jetzt bereits zehn Jahre besteht“, sagte IÄQSH-Geschäftsführer Christian Götze bei der Begrüßung. Zehn Jahre enger Zusammenarbeit mit Krankenhausgesellschaft (KGSH), Kassenärztlicher Vereinigung (KVSH) und Ärztekammer Schleswig-Holstein als Partnern im Gesundheitswesen sei längst nicht selbstverständlich, auch wenn es sich im täglichen Miteinander so anfühle, sagte Götze. 

Prof. Hanna Kaduszkiewicz, eine blonde Frau mit Brille, ca. 45 Jahre alt, steht vor der Akadamie der Ärztekammer in Bad Segeberg.
Prof. Hanna Kaduszkiewicz ©Eike Ina Lamberty

„Die hausärztliche Versorgung der Zukunft wird zu zwei Dritteln weiblich sein.“

Prof. Hanna Kaduszkiewicz

In ihrem Beitrag über Karriereverläufe von Ärztinnen und Ärzten während der fachärztlichen Weiterbildung (KarMed-Studie) in Deutschland beleuchtete Prof. Hanna Kaduszkiewicz, Direktorin des Instituts für Allgemeinmedizin der Universität Kiel, insbesondere den Facharzt für Allgemeinmedizin. Der ist für die Versorgung der Bevölkerung im ländlichen Raum wichtig. Anders als im in dieser Hinsicht gut aufgestellten Schleswig-Holstein streben deutschlandweit von den befragten Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung (ÄiW) nur 7,1 Prozent diesen Facharzttitel an, so Kaduszkiewicz, darunter vor allem Frauen. Ihre Prognose: „Die hausärztliche Versorgung der Zukunft wird zu zwei Dritteln weiblich sein.“ Sie bedauerte, dass die geplante Änderung der Approbationsordnung, in der die Allgemeinmedizin breiteren Raum eingenommen hätte, gescheitert ist. „Wir brauchen die Unterstützung von Kammer, KV, KG und Politik“, sagte Kaduszkiewicz. Und: „Familie und Beruf müssen besser vereinbar werden, da muss sich etwas verändern.“

Beispiel Ostholstein: haus- und fachärztliche Versorgung pragmatisch verzahnen
Einen neuen und pragmatischen Ansatz, um mehr Nachwuchs für die hausärztliche Versorgung auf dem Land zu gewinnen und die hausärztlich-fachärztlich Versorgung enger zu verzahnen, erläuterte Anne Schluck, niedergelassene Internistin mit Praxis in Eutin und Mitglied im Vorstand der Ärztekammer Schleswig-Holstein. Das Weiterbildungsnetzwerk Ostholstein, ein Projekt des Ärztenetzwerks Eutin-Malente (ÄNEM), bietet Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung die Möglichkeit, während ihrer Fachweiterbildung in Allgemeinmedizin tageweise in gynäkologischen, orthopädischen, HNO- oder weiteren regionalen Facharztpraxen nach Wahl zu hospitieren. „Wir wollen Synergien schaffen, die Sektoren verknüpfen und die Versorgungssituation insgesamt verbessern“, sagte Schluck. Von den wöchentlichen Hospitationen kämen die Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung durchweg begeistert zurück. Und: Deren praktische Einblicke und persönlichen Kontakte kämen auch der Ausbildungspraxis zugute.

Anne Schluck, niedergelassene Internistin aus Eutin, steht gestikulierend am Rednerpult beim Symposium de IÄQSH in Bad Segeberg.
Anne Schluck ©Eike Ina Lamberty

Wir wollen Synergien schaffen, die Sektoren verknüpfen und die Versorgungssituation insgesamt verbessern.“

Anne Schluck

Zu den Erfolgen des IÄQSH zählt die Implementierung des Kompetenzzentrums Weiterbildung Allgemeinmedizin (KWA) Schleswig-Holstein. Seit 2016 widmet sich das Zentrum als gemeinsames Projekt der Lehrstühle für Allgemeinmedizin der Universitäten Kiel und Lübeck sowie der IÄQSH-Gesellschafter der Aufgabe, Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung auf ihrem Weg zum Facharzttitel für Allgemeinmedizin oder Pädiatrie z. B. mit Schulungen und Mentoring gezielt zu unterstützen. Und das erfolgreich. Die Zahl der Teilnehmenden stieg von anfangs unter 70 auf 460 im Jahr 2024. „Wir erreichen mit unseren Angeboten 90 Prozent der Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung in Schleswig-Holstein“, sagte Prof. Jost Steinhäuser, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin der Universität zu Lübeck. In Relation zur Bevölkerung belege Schleswig-Holstein damit Platz eins unter den Bundesländern. In der Konsequenz gebe es nur 30 unbesetzte Facharztstellen im Land. „Das ist ein sehr guter Wert“, so Steinhäuser. „Das KWA Schleswig-Holstein ist ein absolutes Leuchtturmprojekt“, würdigte Prof. Henrik Herrmann, Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein, das erfolgreiche Engagement.

„Wir erreichen mit unseren Angeboten 90 Prozent der Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung in Schleswig-Holstein.“

Prof. Jost Steinhäuser

Künftig will das IÄQSH sich in einem weiteren Projekt der Ausbildung von Physician Assistants (PA) widmen. Seit 2020 können Menschen, die bereits über einen Berufsabschluss im Gesundheitswesen verfügen, dieses Berufsbild am Westküstenklinikum (WKK) Heide studieren. Das Bachelorstudium soll den Physician Assistant dazu befähigen, alle formalen Elemente des diagnostisch-therapeutischen Prozesses zu übernehmen und ihn dadurch zu entlasten. Herrmann stellte die bisherige Entwicklung dar und warb für eine offenere Haltung der Ärzteschaft dem neuen Berufsbild gegenüber. „Interprofessionelles Arbeiten im Team wird immer wichtiger“, sagte er. Der Physician Assistant sei durchaus etabliert in der Sicherstellung der Versorgung im ambulanten und stationären Bereich. „Er kann die Qualität der Versorgung steigern, weil der Arzt einfach wieder mehr Zeit hat, etwa für Weiterbildung.“

Physician Assistants: Studie prüft Nutzen für Hausarztpraxen
Ob und falls ja, inwiefern der Physician Assistant in einer niedergelassenen Hausarztpraxis effizient eingesetzt werden kann, wird derzeit in einer randomisierten, kontrollierten Studie des Instituts für Allgemeinmedizin (ifam) des Universitätsklinikums Essen untersucht, an dem auch das IÄQSH beteiligt ist. In regionalen Clustern werden jeweils zwei bis drei Kliniken mit und ohne Physician Assistant begleitet und verglichen. In Schleswig-Holstein beteiligen sich bislang drei Praxispaare: Reinfeld mit Wahlstedt, Elmshorn mit Hohenwestedt sowie Heide mit Hennstedt.

Zum Jubiläum des IÄQSH würdigten namhafte Vertreterinnen der IÄQSH-Gesellschafter die Erfolge des Instituts: Dr. Gisa Andresen, Ärztliche Geschäftsführerin der Ärztekammer, Dr. Cordelia Andreßen, stellvertretende Chefin der KGSH, und Dr. Bettina Schulz, Vorstandsvorsitzende der KVSH. Politische Grüße aus Kiel überbrachte Dr. Olaf Tauras, Staatssekretär im Kieler Ministeriums für Justiz und Gesundheit. 

Christian Götze und Henrik Herrmann: Dafür brauchen wir das IÄQSH

Das Institut für Ärztliche Qualität Schleswig-Holstein (IÄQSH) kennen noch nicht viele Ärztinnen und Ärzte – obwohl es seit 10 Jahren besteht. Woran das liegt, was das Institut schon erreicht und was noch möglich ist, berichten der Geschäftsführer des Instituts, Christian Götze und Prof. Henrik Herrmann, Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein.

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Wir sind stolz darauf, dass wir aus einer gemeinsamen Idee heraus ein Institut geschaffen haben, das jetzt bereits zehn Jahre besteht.“

Christian Götze
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