Frau mit kurzen grauen Haaren trägt eine bedruckte Bluse und schaut den Betrachter lächelnd an.
Susanne Bechert © privat
Susanne Bechert © privat

Umweltfaktoren beeinträchtigen die Frauengesundheit

Klimawandel und Umweltfaktoren haben Einfluss auf zentrale Bereiche der sexuellen und reproduktiven Gesundheit. Der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte sensibilisiert zum „Earth Day" am 22. April für den Zusammenhang.

Von der ersten Menstruation über Schwangerschaft und fetale Entwicklung bis hin zur Menopause: Umweltverschmutzung und  Klimawandel wirken sich auf zentrale Bereiche der sexuellen und reproduktiven Gesundheit aus, genauso auf die langfristige Gesundheit nachfolgender Generationen. Anlässlich des „Earth Days“ am 22. April erinnerte der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte (BVF) daran, dass Schwangere, Neugeborene und Kleinkinder aufgrund eingeschränkter Anpassungsmöglichkeiten besonders vulnerable Gruppen sind. 

Die wichtigsten Folgen der Umweltbelastung
Es sei wissenschaftlich belegt, so der Berufsverband, dass durch Hitzestress und Feinstaubbelastung aus Verbrennung fossiler Energieträger Schwangerschaftskomplikationen wie Tot- und Frühgeburten sowie Plazentationsstörungen mit fetaler Wachstumsrestriktion vermehrt auftreten. Folgende Aussagen traf der Verband:

  • Für Mitteleuropa und Deutschland konnte ein Anstieg der Frühgeburtlichkeit um bis zu 16 % nachgewiesen werden.
  • Hitzeexposition in der Frühschwangerschaft kann zu vermehrten Fehlbildungen, insbesondere zu kardialen Anomalien führen. 
  • Feinstaubablagerungen können in der Plazenta sowie fetalen Organen wie Lunge, Leber und Gehirn nachgewiesen werden und hier vermutlich zellschädigende und entzündliche Prozesse auslösen.

Susanne Bechert verweist auf den Zeitdruck
Frauenärztin Susanne Bechert, BVF-Landesvorsitzende in Schleswig-Holstein und Mitglied der Arbeitsgemeinschaften „Gynäkologie“ und „Rund um die Geburt“ der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG), wurde in der Mitteilung des BVF zu dem Thema zitiert. .„Eine Schwangerschaft ist eine der sensibelsten Phasen im Leben einer Frau. Dass ausgerechnet in dieser Zeit Umweltbelastungen besonders wirksam werden können, macht deutlich, wie dringend wir dieses Thema angehen müssen“, so Bechert. 

Breites Spektrum an umweltbelastenden Faktoren
Der Verband verwies außerdem darauf, dass Gesundheitsbelastungen durch ein breites Spektrum an Umweltfaktoren wie etwa Feinstaub, Mikroplastik, Pestiziden, Strahlenbelastung, Lärm und psychischem Stress entstehen. Als „besonders problematisch" stufte der Verband die Summierung vieler kleiner Einzelbelastungen über längere Zeit ein. Frauenärztliche Praxen seien ein „Schlüsselort für Umwelt- und Klimaprävention – niedrigschwellig, vertrauensvoll und lebensphasengerecht". Frauenärztinnen und -ärzte seien wegen ihrer langjährigen Patientinnenbegleitung oft die ersten, die umweltbedingte Gesundheitsrisiken erkennen würden. 

Neue Prioritäten in Gesundheit und Gesellschaft
Der BVF will erreichen, dass Umwelt- und Gesundheitsaspekte politisch und gesellschaftlich enger verknüpft werden. Als Grundlage dafür soll die gezielte Förderung von Forschung zu den Auswirkungen von Umweltfaktoren auf die reproduktive Gesundheit dienen. „Nur auf dieser Basis lassen sich wirksame Maßnahmen entwickeln, um Umweltbelastungen nachhaltig zu reduzieren. Dazu gehört auch die konsequente Einhaltung der gesetzlichen Klimaziele für 2030 und 2040", hieß es in der Mitteilung. Maßnahmen wie die Verbesserung der Luftqualität, Schutz vor Hitze und Lärm, die Reduktion von Umweltgiften sowie soziale Unterstützung zur Stärkung der psychischen Gesundheit seien umzusetzen. „Neue Prioritäten im Gesundheitsbereich und in der Gesellschaft zu schaffen, erfordert Mut und Ausdauer. Aber nur so können wir gemeinsam der Bedrohung durch die Klimakrise wirksam entgegentreten“, wurde Bechert zitiert. 

Weltweiter Umweltaktionstag
Der „Earth Day“ am 22. April ist ein weltweiter Umweltaktionstag. Seit seiner Gründung vor mehr als 50 Jahren in den USA hat er sich zu einer globalen Bewegung in 168 Ländern entwickelt. Getragen wird er von dem Aufruf, nicht nur einmal im Jahr, sondern im Alltag für Umwelt und Klima aktiv zu werden.  (PM/RED)

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