
UKSH: Durchbruch bei der Therapie von Hochrisiko-Leukämie im Kindesalter
Für die Betroffenen eröffnen sich dadurch einer Pressemitteilung des UKSH zufolge bessere Heilungschancen: Die Zahl der Rückfälle sei nahezu um die Hälfte zurückgegangen, zugleich seien weniger schwere Nebenwirkungen aufgetreten. Die Ergebnisse der von der Deutschen Krebshilfe mit rund 4,2 Millionen Euro geförderten Studie wurden jetzt im New England Journal of Medicine (NEJM) veröffentlicht.
„Diese Ergebnisse stellen einen Durchbruch in der Therapie von Kindern mit akuter lymphatischer Leukämie dar“, wurde Prof. Martin Schrappe, Leiter der Studie und Professor an der Kieler Christian-Albrechts-Universität (CAU), in der Mitteilung zitiert. „Wir konnten erstmals zeigen, dass eine Immuntherapie in der Erstbehandlung der ALL nicht nur zusätzlich zur Chemotherapie helfen kann, sondern besonders belastende Chemotherapie auch ersetzen kann.“
Prof. Gunnar Cario, Leiter des ALL-BFM-Studienzentrums und Direktor der Kieler UKSH-Klinik für Kinderonkologie und -rheumatologie, ergänzte der Mitteilung zufolge: „Unser Ziel ist es, auch bei weiteren Patientengruppen Chemotherapien durch wirksamere und besser verträgliche Immuntherapien zu ersetzen. Eine entsprechende Studie wird noch in diesem Jahr starten.“
Häufigste Krebserkrankung bei Kindern und Jugendlichen
Die akute lymphatische Leukämie, kurz ALL, ist die häufigste Krebserkrankung bei Kindern und Jugendlichen. In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 550 bis 600 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren neu daran. Mit intensiver Chemotherapie können heute etwa 90 Prozent der betroffenen Kinder langfristig geheilt werden. Etwa jedes fünfte Kind mit ALL gehört jedoch zur Gruppe der Hochrisikopatientinnen und -patienten. Bei ihnen ist die Gefahr sehr groß, dass die Krankheit zurückkehrt. Sie erhalten deshalb bislang eine besonders starke Chemotherapie. Diese soll Rückfälle verhindern, kann aber schwere und zum Teil lebensbedrohliche Nebenwirkungen auslösen.
An der Studie unter Leitung des ALL-BFM-Studienzentrums (Acute Lymphoblastic Leukemia Berlin-Frankfurt-Münster) der Klinik für Kinderonkologie und -rheumatologie am UKSH beteiligten sich mehr als 100 Studienzentren in acht Ländern. Ein Teil der Kinder erhielt die bisher beste Standardtherapie. Bei den anderen Kindern wurden zwei besonders intensive Chemotherapie-Blöcke durch Blinatumomab ersetzt. Die Zuteilung zu den Gruppen erfolgte nach dem Zufallsprinzip.
Immuntherapie eröffnet neue Perspektiven
„Die Kinderonkologie hat in den vergangenen Jahrzehnten gewaltige Fortschritte gemacht: Heutzutage werden vier von fünf an Krebs erkrankte Kinder wieder gesund“, wurde Gerd Nettekoven, Vorstand der Deutschen Krebshilfe, zitiert. Die Studie zeige, „dass wir mit solchen wichtigen klinischen Forschungsprojekten immer weiter vorankommen“.
Das Projekt ist eingebettet in die Forschungsaktivitäten des Kiel Oncology Network (KON) der Medizinischen Fakultät der CAU und des Universitären Cancer Centers Schleswig-Holstein (UCCSH), dem Zusammenschluss aller onkologischen Einrichtungen des UKSH sowie der Universitäten in Kiel und Lübeck. (PM/RED)





