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Übergriffiges Verhalten auf dem Deutschen Ärztetag

Machtmissbrauch und Übergriffe gegenüber Frauen im deutschen Gesundheitswesen werden zunehmend thematisiert. Dass junge Ärztinnen und Medizinstudierende solche Versuche auf dem diesjährigen Deutschen Ärztetag erleben mussten, machte viele Delegierte fassungslos.

Dirk Schnack

Freitagnachmittag auf dem Deutschen Ärztetag - die Zeit, in der die Konzentration bei vielen Delegierten bröckelt. Beim diesjährigen Ärztetag war dies anders: Eine Gruppe weiblicher Medizinstudierender trat ans Rednerpult und berichtete, was ihnen in den vergangenen Tagen im Rahmen des Ärztetages an Übergriffen passiert war. Die Vorkommnisse schockierten die Versammlung, die sich zunächst mit Standing Ovations für den Mut, damit ans Rednerpult zu treten, bedankte. 

Täter sollen benannt werden
„Fassungslos" war das am häufigsten verwendete Wort in der folgenden Zeit, in der intensiv über die Vorfälle diskutiert wurde. BÄK-Vizepräsidentin Dr. Susanne Johna stellte klar, dass Übergriffe und Gewalt kein Randphänomen sind und verhindert gehören. Für Mecklenburg-Vorpommerns Kammerpräsident Dr. Jens Placke gehören „die Delegierten, die das getan haben, nicht in dieses Plenum." Schleswig-Holsteins Vizepräsidentin Prof. Doreen Richardt bat die betroffenen Frauen, dem Vorstand die Namen zu nennen, die sich fehlverhalten haben. Sie verwies darauf, dass übergriffige Täter bislang auf  vielen Ebenen geschützt werden. „Es passiert nichts - bislang." Richardt berichtete auch von der Anlaufstelle in der Ärztekammer Schleswig-Holstein, die zu diesem Thema eingerichtet wurde. 

Kernthema auf dem nächsten Deutschen Ärztetag
Die schleswig-holsteinische Delegierte Franziska Fick appellierte an die Kolleginnen, für ihre Rechte einzustehen: „Es geht um Integrität und Würde.”  Zahlreiche Redner forderten, sich mit dem Thema Übergriffe gegen Frauen im Gesundheitswesen zum Kernthema des kommenden Ärztetages in Wiesbaden zu machen. Auch der Vorschlag, sich sofort damit im Rahmen der Berufsordnung zu befassen, wurde gemacht. 
Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, zeigte sich „zutiefst erschüttert” und nannte die Vorfälle „verstörend”. Er versicherte den Betroffenen breite Unterstützung von Seiten der Bundesärztekammer. Reinhardt sprach von einer Zäsur und rief dazu auf, den Umgang miteinander zu überdenken. In zahlreichen Anträgen, die vorher formuliert worden waren, beschäftigten sich die Delegierten im weiteren Verlauf des Schlusstages des Deutschen Ärztetages mit dem Thema Gewalt und Übergriffe.  Schleswig-Holstein hat wie berichtet einen Runden Tisch zum Thema Gewalt im Gesundheitswesen eingerichtet, in dessen Rahmen auch über übergriffiges Verhalten gegenüber Ärztinnen und Patientinnen gesprochen wird.
 

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