
Übergriffe auf dem Ärztetag: Wie geht es weiter?
Zur Erinnerung: Am Schlusstag des Ärztetages waren die Medizinstudentinnen überraschend an das Rednerpult getreten und hatten dem Plenum von den Übergriffen während des Ärztetages berichtet. Die tief betroffenen Delegierten hatten sich anschließend intensiv zum Thema ausgetauscht. Deutlich wurde in der Debatte, dass – wie bereits seit vielen Jahren bekannt – es sich nicht um Einzelfälle handelt und zahlreiche Ärztinnen und Ärzte in ihrem Berufsleben Übergriffen und Machtmissbrauch ausgesetzt sind. Auch deshalb wurde das Thema „Machtmissbrauch“ zum Leitthema des nächsten Deutschen Ärztetages in Wiesbaden gewählt.
Bitte um Namensnennung
Eine der zahlreichen Rednerinnen zum Thema in Hannover war Schleswig-Holsteins Vizepräsidentin Prof. Doreen Richardt, die die Betroffenen noch vor Ort bat, dem Vorstand der Bundesärztekammer die Namen der übergriffigen Personen zu nennen, um in dem geschützten Rahmen des Bundesärztekammervorstandes Konsequenzen in die Wege leiten zu können.
Austausch zwischen Bundesärztekammer und Medizinstudierenden
Die Bundesärztekammer (BÄK) hatte sich anschließend in einem Gespräch mit der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) über die Berichte von Grenzverletzungen und sexualisierten Übergriffen in Hannover ausgetauscht. An dem Gespräch nahmen auch die Medizinstudentinnen teil, die über die Grenzverletzungen und Übergriffe berichtet hatten. Im Mittelpunkt standen der verbesserte Schutz von Teilnehmenden künftiger Veranstaltungen sowie die dringende Notwendigkeit der Prävention und Sanktionierung von Machtmissbrauch und Übergriffigkeit im Gesundheitswesen insgesamt. Die Beteiligten waren sich einig, dass es baldmöglichst klare Regeln, verlässliche Strukturen und wirksame Präventionsmaßnahmen brauche, um Grenzüberschreitungen wirksam zu begegnen.
Erste Maßnahmen sind bereits eingeleitet
Die Bundesärztekammer berichtete außerdem, dass Maßnahmen angestoßen worden seien, um eigene Veranstaltung künftig sicherer zu gestalten. Das bedeutet:
Bestehende Regelwerke sollen systematisch überprüft und gezielt weiterentwickelt werden, etwa verbindliche Verhaltenskodizes für Teilnehmende von Veranstaltungen, die Verankerung entsprechender Vorgaben in Satzungen und Geschäftsordnungen, Awareness-Konzepte für den Deutschen Ärztetag und andere Veranstaltungen sowie unabhängige Vertrauenspersonen als niedrigschwellige Anlaufstellen für Betroffene. Laut einer gemeinsamen Mitteilung von BÄK und bvmd begrüßten die Studierenden diese Entwicklungen ausdrücklich und sagten zu, diesen Prozess weiterhin konstruktiv begleiten zu wollen.
Auch Machtmissbrauch wurde thematisiert
Auch über strukturelle Fragen von Machtmissbrauch im Gesundheitswesen sei gesprochen worden. Die Teilnehmenden hätten geschildert, dass sich Machtmissbrauch u.a. durch einen respektlosen Umgangston, Mobbing, öffentliche Bloßstellung oder die unbegründete Infragestellung fachlicher Kompetenz äußere. Auch sexualisierte Belästigung sowie Übergriffe im Behandlungsverhältnis seien als gravierende Problembereiche benannt worden. Meldestellen und Verhaltenskodizes müssten allgemein bekannt sein und nach einheitlichen und transparenten Vorgehensweisen operieren. Es müsse außerdem ein Kulturwandel stattfinden, der es zur Norm mache, Machtmissbrauch zu benennen, individuelles Verhalten zu reflektieren und sich gegenseitig zu verantwortungsvollem Verhalten anzuhalten.




