Die Behandlung richtet sich an Menschen mit ventrikulären Tachykardien, also schweren Herzrhythmusstörungen aus den Herzkammern. Diese können zum plötzlichen Herztod führen und sind mit wiederkehrenden Eingriffen des implantierten Defibrillators, Krankenhausaufenthalten und einer stark eingeschränkten Lebensqualität verbunden. Die in der Studie erfassten Patientinnen und Patienten hatten trotz leitliniengerechter Behandlung weiter anhaltende Rhythmusstörungen und kamen für eine weitere medikamentöse Behandlung oder einen Eingriff mit einem Herzkatheter (Katheterablation) nicht mehr infrage.
Deutlich weniger Rhythmusstörungen nach der Behandlung
In der jetzt veröffentlichten Zwischenanalyse wurden einer Pressemitteilung des UKSH zufolge die Daten von 193 Patientinnen und Patienten aus 28 Zentren in Europa ausgewertet. Damit liefere die Studie erstmals ein größeres europäisches Bild zu dieser bislang nur an vergleichsweise kleinen Fallzahlen untersuchten Behandlung, hieß es weiter. Auf Basis der Auswertung der Daten von 107 Personen mit einer Nachbeobachtungszeit von mindestens sechs Monaten verringerte sich die Zahl der gefährlichen Ereignisse mit Herzrasen aus den Herzkammern nach der Behandlung im Durchschnitt um 80 Prozent im Vergleich zu den sechs Monaten davor. Von den Patientinnen und Patienten, die mindestens sechs Monate überlebten, blieben 72 Prozent nach der Behandlung frei von Schocks durch ihren implantierten Defibrillator.
„Für eine Patientengruppe mit fortgeschrittener Herzerkrankung und sehr begrenzten Behandlungsmöglichkeiten sind das wichtige Ergebnisse“, wurde PD Dr. Oliver Blanck, Koordinator des „Stopstorm“-Konsortiums an der Klinik für Strahlentherapie des UKSH, Campus Kiel, in der Mitteilung zitiert. „Wir sehen, dass die Zahl der gefährlichen Rhythmusstörungen und auch die Zahl belastender Defibrillator-Schocks nach der Behandlung deutlich zurückgehen kann.“
Hinweise auf ein beherrschbares Sicherheitsprofil
Auch die Sicherheit der Behandlung wurde untersucht. In der gesamten Kohorte von 193 Patientinnen und Patienten wurden zwölf schwerwiegende Nebenwirkungen als möglicherweise oder wahrscheinlich behandlungsbedingt eingestuft. Behandlungsbedingte Todesfälle wurden nicht beobachtet. Zugleich betonen die Autorinnen und Autoren der Studie, dass es sich um eine sehr schwer erkrankte Patientengruppe mit insgesamt hoher Sterblichkeit handelt.
Enge Zusammenarbeit von Kardiologie, Rhythmologie und Strahlentherapie
STAR ist eine nicht-invasive Behandlungsoption. Dabei erfolgt der Eingriff nicht über einen Katheter im Herzen, sondern mithilfe einer einmaligen hochpräzisen Bestrahlung des krankheitsauslösenden Areals. Dafür arbeiten Kardiologie und Strahlentherapie besonders eng zusammen. „Stopstorm“ gebe auch der Zusammenarbeit bislang eher getrennter Fachgebiete neue Impulse, sagte Blanck der Mitteilung zufolge. „Kardiologie, Rhythmologie und Strahlentherapie entwickeln hier gemeinsam eine neue Option für Menschen mit sonst kaum beherrschbaren Herzrhythmusstörungen.“
Für ausgewählte Patientinnen und Patienten, die von einer medikamentösen Therapie und Verödungstherapie nicht mehr profitierten, sei diese neuartige Behandlung eine hervorragende Alternative, wurde Prof. Dr. Roland Tilz, Direktor der Klinik für Rhythmologie, Campus Lübeck, zitiert. „Die Ergebnisse sind ein wichtiger Schritt, aber noch nicht der Endpunkt der Entwicklung“, sagte Prof. Dr. David Krug, Direktor der Klinik für Strahlentherapie des UKSH, Campus Kiel, der Mitteilung zufolge. „Wir wollen besser verstehen, welche Patientengruppen besonders profitieren, wie dauerhaft der Effekt ist und wie sich die Behandlung langfristig auf Sicherheit und Krankheitsverlauf auswirkt.“
Studie läuft weiter
Das „Stopstorm“-Konsortium soll Auswahl, Zieldefinition, Behandlungsabläufe und Auswertung der Ergebnisse europaweit besser vereinheitlichen. In dem Register sind bislang mehr als 350 retrospektive und prospektive Fälle erfasst. Die Rekrutierung und die Nachbeobachtung laufen weiter.






