
Nepal: Eine Krankenstation auf dem Dach der Welt
Wie baut man ein Haus in 2.000 Metern Höhe am Rande eines nepalesischen Urwaldes? Das klingt abenteuerlich – und das ist es auch.
Die Idee entstand 2015, als schwere Erdbeben viele Regionen in Nepal nahezu vollständig zerstört hatten. In dem Dorf Jhule wurden 90 Prozent der Steinhäuser zerstört. Die Menschen hatten von einem Tag auf den anderen buchstäblich kein Dach mehr über dem Kopf.
Der größte Wunsch: ein Gemeindehaus mit Krankenstation
Spontan gründete eine Gruppe von Ärzten und Lehrern aus Schleswig-Holstein den Verein VIA CORDIUM mit Sitz in Lübeck, um gemeinsam mit einer nepalesischen Hilfsorganisation den Betroffenen vor Ort zu helfen. Sie fragten die Dorfbewohner, was ihnen nach Übergabe von Nahrung, Kleidung, Wellblechdächern und Bau von Toiletten am meisten helfen würde. Die Antwort: ein Gemeindehaus mit Krankenstation. In dem Gemeindehaus könnte der Dorfrat und Frauengemeinschaft zusammenkommen, Hochzeiten und Kinderfeste könnten dort gefeiert werden. Und da das Dorf sehr abgelegen und nur schwer zu erreichen ist, sei eine Krankenstation eine große Hilfe. In Nepal gibt es keine Krankenversicherung und die Menschen im Dorf sind arm. Das selbst angebaute Gemüse reicht gerade für die eigene Grundversorgung und die nächste Krankenstation ist viele Kilometer weit entfernt. Gesagt, getan – doch wie baut man eine Krankenstation auf dem Dach der Welt?
Viele Ärztinnen und Ärzte engagieren sich bei Hilfsorganisationen weltweit. Eine davon ist der 2015 von Lübecker Ärzten und Lehrern gegründete Verein VIA CORDIUM e. V. Im Gespräch mit dem Schleswig-Holsteinischen Ärzteblatt erläutern die dort aktiven Ärztinnen Anna-Maria Kirschbaum und Dr. Laura Tomala, wie die Unterstützung sich bei einem ostafrikanischen Projekt konkret gestaltet.
Der Ort, an dem das Haus entstehen sollte, liegt an einem Terrassenfeld. Es musste daher zunächst der Hang mühevoll abgetragen und durch eine spezielle Mauer aus Steinen und Draht stabilisiert werden. Erst im nächsten Schritt konnten die Helfer mit dem eigentlichen Bau des Hauses beginnen. Damit das Gebäude weiteren Erdbeben standhält, wurden Backsteine verwendet, die mit stabilen Drahtstangen untereinander verbunden werden.
Während der Bau zehn Jahre lang langsam voranschritt, konnten auch die Helfer bei den jährlichen Hilfseinsätzen viel lernen. Bei Untersuchungen der Dorfbewohner gemeinsam mit nepalesischen Ärzten fanden sie heraus, unter welchen Erkrankungen die Bewohner leiden und wie sich diese über die Jahre veränderten. So konnten die Schleswig-Holsteiner die Krankenstation gezielt ausstatten.
VIA CORDIUM will Unterstützung fortsetzen
Die neue Krankenstation mit direkter Anbindung zum nächstgelegenen Krankenhaus wird künftig dauerhaft mit Pflegekräften besetzt sein. Dank enger Kontakte zu der Partnerorganisation in Nepal sind die Versorgung und dauerhafte Unterstützung der Bewohner gesichert. Die Vereinsmitglieder planen weiterhin jährliche Besuche der Krankenstation mit Fortführung der medizinischen Check-ups und mit dem Angebot von gezielten Fortbildungen für das Personal vor Ort. Zudem möchten wir die Unterstützung der örtlichen Grundschule fortsetzen.
Weitere Information über die Lübecker Hilfsorganisation VIA CORDIUM e.V. finden Interessentinnen und Interessenten unter www.via-cordium.com.









