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Sieben Personen, darunter vier Frauen, stehen neben- und hintereinander und schauen in die Kamera.
Die Teilnehmenden des Runden Tischs gegen Gewalt im Gesundheitswesen bei ihrem Treffen in der Ärztekammer Schleswig-Holstein. © Dirk Schnack
Die Teilnehmenden des Runden Tischs gegen Gewalt im Gesundheitswesen bei ihrem Treffen in der Ärztekammer Schleswig-Holstein. © Dirk Schnack

Runder Tisch gegen Gewalt: Das passiert 2026

Zweite Auflage für den Runden Tisch gegen Gewalt im Gesundheitswesen: Beim Treffen in der Ärztekammer Schleswig-Holstein wurden konkrete Maßnahmen beschlossen, die 2026 zur Sensibilisierung, Prävention und zum Schutz von Betroffenen beitragen sollen.

Dirk Schnack

Für die Teilnehmenden des Runden Tisches ist klar: Gewalt gegen Personal im Gesundheitswesen bleibt ein Thema, die zahlreichen Berichte hierzu haben nichts an Aktualität eingebüßt. Der im Sommer 2025 erstmals einberufene Runde Tisch gegen Gewalt in der Ärztekammer Schleswig-Holstein hat sich nun auf Maßnahmen verständigt, um darauf zu reagieren. Zugleich diskutierten die Teilnehmenden kurz vor Weihnachten über die Ursachen der Gewalt.

Unterschiedliche Ursachen für Gewalt
Deutlich wurde: Es gibt verschiedene Gründe, weshalb Menschen in unterschiedlicher Form unangemessen, übergriffig oder gewalttätig reagieren. Rahmenbedingungen wie der zunehmende Druck - erzeugt durch knappe Ressourcen - gehören ebenso dazu wie überzogene Ansprüche oder fehlende Steuerung von Patienten. Dr. Eva Schulze Heuling aus der Notaufnahme des UKSH machte in Zusammenhang mit diesen Rahmenbedingungen deutlich: „Da können wir nicht gegen an arbeiten.” 
Deshalb fokussierte sich die Runde diesmal auf konkrete Maßnahmen, die im kommenden Jahr ergriffen werden sollen. Ziel müsse es sein, zu sensibilisieren und Veränderungsprozesse in medizinischen Einrichtungen anzustoßen, schlug Kammerpräsident Prof. Henrik Herrmann vor. 

Geplante Maßnahmen
Schon beim nächsten Treffen am ersten April soll es um die Ausgestaltung und Planung eines Fachtages gegen Gewalt im Gesundheitswesen in Bad Segeberg gehen, der in 2026 stattfinden soll. Dabei kann es um Sensibilisierung, aber auch um Prävention, Schutz und Sanktionsmöglichkeiten gehen. Eine weitere Maßnahme, die beschlossen wurde: Die Ärztekammer Schleswig-Holstein plant die Bereitstellung gebündelter Informationen auf ihrer Homepage. Betroffene sollen Ansprechpartner, Hilfe- und Anlaufstellen genannt bekommen. Medizinischen Einrichtungen, die sich um Schutz- und Präventionskonzepte bemühen, soll hier weitergeholfen werden. Geplant sind auch Handreichungen mit Hilfeadressen und Schulungen vor Ort. Es soll der Kontakt zu anderen Organisationen wie etwa Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (bgw) gesucht und eine Ombudsstelle eingerichtet werden. 

Bundesweites Meldeportal
Wichtig ist den Mitgliedern, dass Täter sanktioniert werden und dass auch die Politik den Fokus stärker auf das Thema richtet. Hilfreich dafür könnte ein Meldeportal sein, das sich aktuell auf Bundesebene in der Konzeptphase befindet. Wie die ärztliche Kammergeschäftsführerin Dr. Gisa Andresen berichtete, seien derzeit keine belastbaren Statistiken erhältlich. Auszugehen sei von einer erheblichen Untererfassung und einer hohen Dunkelziffer. Damit fehlten Entscheidungsgrundlagen für Arbeitgeber, Behörden und Gesundheitseinrichtungen, die Grundlagen für die Öffentlichkeitsarbeit seien spärlich und gezielte Prävention erschwert. Aktuell existiert als Meldeportal nur ein interner Prototyp, Erfahrungen sollen demnächst in einzelnen Regionen gesammelt werden. In der Runde wurde das Vorhaben begrüßt. 

Die Mitglieder des Rundes Tisches
Die Mitglieder des interdisziplinären Runden Tisches gegen Gewalt treffen sich auf Initiative der Ärztekammer Schleswig-Holstein in Bad Segeberg. Dem Runden Tisch gehören an:

  • Kammerpräsident Prof. Henrik Herrmann
  • Vize-Präsidentin Prof. Doreen Richardt (beim aktuellen Treffen verhindert)
  • Die ärztliche Geschäftsführerin Dr. Gisa Andresen
  • Ärztin Dr.  Eva Schulze Heuling aus dem UKSH
  • Ärztin Dr. Katharina Kolbe aus dem WKK Heide
  • Anna Dammermann (Sektion Pflege an der Uni Lübeck)
  • Pflegewissenschaftler Marco Sander (Forschungsgruppe Geriatrie Lübeck – Geriatriezentrum Krankenhaus Rotes Kreuz)
  • Sören Schmidt-Bodenstein (Leiter der TK-Landesvertretung und Vorsitzender der Landesvereinigung für Gesundheitsförderung Schleswig-Holstein)
Prof. Doreen Richardt: Unsere Mittel gegen Gewalt

Gewalt im Gesundheitswesen wird medial immer mehr zum Thema. Die Ärztekammer Schleswig-Holstein arbeitet mit anderen Akteuren an präventiven Lösungen und bietet Vernetzung. Warum das wichtig ist und was außerdem helfen könnte, beantwortete Vizepräsidentin Prof. Doreen Richardt im Oktober 2025 im Podcast des Schleswig-Holsteinischen Ärzteblattes.

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