
Regionalkonferenz Süd: Klinikreform wirft Fragen auf
Zum Auftakt der Regionalkonferenzen waren Vertreter von Kliniken, Kostenträgern und Kommunen gekommen. Auch Gesundheitspolitiker aus dem Landtag und KV-Chefin Dr. Bettina Schultz verfolgten die Konferenz im Lübecker Rathaus. Landesgesundheitsministerin Prof. Kerstin von der Decken (CDU) stellte zu Beginn klar, das noch keine Entscheidung endgültig getroffen sei – die Anhörungsphase habe schließlich erst an diesem 21. September begonnen. Und sie versprach: „Wir werden unseren Ermessensspielraum nutzen.” Deutlich wurde, dass sich vieles von dem am 1.7.2026 veröffentlichten Stand verfestigt hat.
Rund 124.000 stationäre Behandlungsfälle in der Versorgungsregion
Das bedeutet jedoch nicht, dass alles beim Alten bleiben kann. „Komplexe, elektive und damit planbare Eingriffe sollen in spezialisierten Zentren gebündelt werden. Die Grund- und Notfallversorgung in der Fläche soll unter Einbeziehung kleinerer Krankenhäuser und sektorenübergreifende Versorgungszentren sichergestellt werden. Und ganz wesentlich: Die Leistungserbringung in den Krankenhäusern ist fortan an strenge Qualitätskriterien geknüpft“––, sagte von der Decken. Damit ist klar: An vielen der insgesamt zwölf Standorte in der Versorgungsregion wird sich etwas ändern. Die rund 124.000 stationären Behandlungsfälle pro Jahr in der Hansestadt Lübeck sowie den Kreisen Stormarn und Herzogtum-Lauenburg werden sich in Zukunft anders auf die Standorte verteilen. Am deutlichsten zeigt sich dies bei den kleineren Klinikstandorten, denen zum Teil erhebliche Veränderungen bevorstehen.
Praxisklinik Travemünde braucht ein neues Konzept
Die Praxisklinik Travemünde wird in der bisherigen Form nicht bestehen bleiben können. Die vom Gesetzgeber festgelegten Voraussetzungen für die Leistungsgruppen erfüllt das Haus bei den bislang angebotenen Leistungen nicht. Diese Leistungen sollen von anderen Klinikstandorten aufgefangen werden. Wie sich die Praxisklinik neu aufstellen könnte, deutete Aenn Hachmeyer, Referatsleiterin Krankenhausplanung im Ministerium, an: „Der Standort Travemünde würde gemeinsam mit den dort spezialisierten niedergelassenen Praxen und der Kassenärztlichen Vereinigung zu einem ambulanten OP-Zentrum oder zu einem medizinischen Versorgungszentrum weiterentwickelt werden. Der Bund hat mit seiner Reform genau dies gefordert: Konzentration und Spezialisierung." Insbesondere Lübecker Politikerinnen kritisierten, dass die Praxisklinik in ihrer bisherigen Form nicht weiter bestehen kann. Allerdings federt das Land den Übergang ab. Die Neuausrichtung soll erst zum Jahresende 2027 und nicht zum Inkrafttreten der bundesweiten Klinikreform zu Jahresbeginn 2027 erfolgen.
Geriatrie: Nicht jeder Standort kann eine Fachklinik sein
Hachmeyer stellte klar, dass das Krankenhaus des Roten Kreuzes – Marli – in Lübeck gestärkt aus der Reform hervorgehen soll. Grund: Es ist die größte geriatrische Fachklinik des Landes und versorgt nicht nur Menschen aus Lübeck, sondern ist auch überregional mit seinem geriatrisch-internistischem Leistungsspektrum von Bedeutung. Was aber wird aus dem geriatrischen Angeboten in in Bad Oldesloe, Geesthacht und Ratzeburg? Hachmeyer verwies darauf, dass diese Strukturen zum Teil erst kurzfristig entstanden seien. Ob sie alle den vom Bund vorgesehenen Status einer Fachklinik erfüllen, müsse geprüft werden. Die Referatsleiterin ließ durchblicken, dass sie sich dort auch eine sektorenübergreifende Versorgung vorstellen könnte – allerdings liege erst seit rund einem Monat die geeinte Vergütungsstruktur der Selbstverwaltungspartner für diese Einrichtungen vor.
Statements zur ersten Regionalkonferenz
Was sagen Politiker aus dem Landtag und Akteure aus der Selbstverwaltung zu den vorgestellten Ergebnissen in Lübeck und zum Verlauf der Diskussion in der ersten Regionalkonferenz? Statements von Patrick Reimund, Dr. Bettina Schultz, Jasper Balke und Hauke Hansen. Hier geht es zu den Statements.
Spezialkliniken können aufatmen
Die Klinik Manhagen, die Lungenclinic Grosshansdorf, das Rote Kreuz Krankenhaus Lübeck und die Vitrea Kinderklinik Geesthacht können die weitere Entwicklung offenbar entspannter verfolgen. Mit ihnen verfüge Schleswig-Holstein über „leistungsfähige und überregional bedeutsame Versorgungsstandorte, die mit ihren jeweiligen fachlichen Schwerpunkten auch künftig als Fachkliniken einen erheblichen Beitrag zu einer hochwertigen und spezialisierten Versorgung leisten werden“, betonte Hachmeyer.
DRK Krankenhaus Mölln-Ratzeburg: Rolle wird geschärft
Die großen Häuser UKSH, Sana Klinik Lübeck und Krankenhaus Reinbek galten ohnehin als gesichert. Noch nicht entschieden ist jedoch, welcher dieser Standorte welche Leistungsgruppen zum Jahresende zugesprochen bekommt. Fest steht dagegen, dass die Rolle des DRK Krankenhauses Mölln-Ratzeburg mit Sicherung einer grund- und notfallversorgenden Struktur und mit einem breiten internistisch-chirurgischen Leistungsspektrum geschärft werden soll. „Insbesondere die kardiologische sowie gefäßmedizinische Versorgung sollen als erkennbare Schwerpunkte des Standorts weiterentwickelt und durch eine leistungsfähige intensivmedizinische Versorgung ergänzt werden“, sagte Hachmeyer.
Kommunalpolitiker in Sorge
Die Wortmeldungen zeigten, dass auch in der Kommunalpolitik noch viel Überzeugungsarbeit für diesen Weg geleistet werden muss. Der Stormarner Landrat Dr. Henning Görtz (CDU) sprach von einem teils „harten Einschnitt“. Für Geesthacht fragte Bürgermeister Olaf Schulze (SPD), wie viele Betten denn am Standort verbleiben würden. Die Lübecker Sozialausschussvorsitzende Renate Prüß (SPD) wiederum führte die Stimmung in Travemünde und Kücknitz ins Feld – die Menschen in diesen Stadtteilen fühlten sich durch die anstehenden Veränderungen in der Praxisklinik „gebeutelt“. Sie rief dazu auf, die dortige Versorgung zumindest in Teilen aufrecht zu erhalten.
Termine der weiteren Regionalkonferenzen
Regionalkonferenz Süd-West: Dienstag, 29. September 2026, 15.30 - 17.30 Uhr in Itzehoe
Regionalkonferenz Nord-Ost: Mittwoch, 30. September 2026, 16.30 - 18.30 Uhr in Schleswig
Regionalkonferenz West: Donnerstag, 1. Oktober 2026, 09.30 - 11.30 Uhr in Husum
Regionalkonferenz Mitte: Montag, 5. Oktober 2026, 12.00 - 14.00 Uhr in Kiel
Regionalkonferenz Ost: Dienstag, 6. Oktober 2026, 18.00 - 20.00 Uhr in Eutin





