
Region Südwest: Itzehoe wird Maximalversorger
Aenn Hachmeyer, Referatsleiterin Krankenhausplanung im Gesundheitsministerium, skizzierte die geplante Struktur:
- Vier der fünf Klinikstandorte in der Versorgungsregion Südwest sollen erhalten bleiben.
- Die mit aktuell 13 Betten kleinste Einrichtung, die Kardiologische Klinik Norderstedt, wird voraussichtlich zu einer ambulanten Einrichtung, optional mit Tagesklinik, werden.
- Das Klinikum Itzehoe, mit 601 Betten das aktuell größte der Häuser, soll den Planungen des Gesundheitsministeriums zufolge als Maximalversorger als zentraler Anker der stationären Versorgung weiter ausgebaut werden.
- Die beiden Regio Kliniken in Elmshorn und Pinneberg sollen mit ihrem breiten Leistungsspektrum die Versorgung in der Fläche unterstützen, insbesondere in der Notfallversorgung. Die an den beiden Standorten bereits heute eng miteinander verflochtenen Strukturen sollen den Kieler Überlegungen zufolge noch besser aufeinander abgestimmt werden als bislang. Welche Rolle das Zentralklinikum spielen soll, ließ Hachmeyer mit Verweis auf gesetzliche Vorgaben offen. Es werde sich „kurzfristig herausstellen“, ob Pinneberg Maximal- oder Schwerpunktversorgung anbieten werde, antwortete sie auf eine Frage des Pinneberger Bürgermeisters Thomas Foerste. Und: „Wir sehen das Zentralklinikum in Pinneberg als DEN Versorgungsstandort in der Region.“
- Die Paracelsus-Klinik Henstedt-Ulzburg soll insbesondere auf dem Gebiet der Endoprothetik, der Kardiologie, der Chirurgie und der internistischen Medizin eine Rolle spielen. Das Haus soll – in Abstimmung mit den Segeberger Kliniken - die Versorgung von bislang in Norderstedt aufgenommenen stationären kardiologischen Patientinnen und Patienten sicherstellen.
- Helgoland, verwaltungstechnisch Teil des Kreises Pinneberg, haben die Planer wie die nordfriesischen Inseln der Versorgungsregion West zugeordnet.
Kaum Redebedarf
Das Interesse an der zweiten der sechs Regionalkonferenzen, mit denen das schleswig-holsteinische Gesundheitsministerium die Öffentlichkeit über die geplante künftige Versorgungsstruktur im dicht besiedelten Südwesten des Landes informierte, fiel deutlich geringer aus als beim Auftakt im Lübecker Rathaus. Redebedarf hatten die annähernd 30 Vertreterinnen und Vertreter der Kliniken, aus Politik und Verwaltung kaum.
Neben Foerste meldete sich auch Henstedt-Ulzburgs Bürgermeisterin Ulrike Schmidt zu Wort. Sie sorgte sich um die geburtshilfliche Versorgung vor Ort. Die Paracelsus-Klinik hatte die entsprechende Abteilung Ende 2022 geschlossen. „Wir können niemanden dazu zwingen, einen Versorgungsauftrag wiederaufzunehmen“, sagte Hachmeyer. Es sei die Entscheidung des Trägers gewesen, die Geburtshilfe zu schließen.
Was wird aus der Psychiatrie?
Hans-Peter Stahl, SPD-Fraktionschef im Pinneberger Kreistag, vermisste die psychiatrische Versorgung in den vorgestellten Planungen. Hachmeyer verwies auf Vorgaben aus Berlin. Der Bundesgesetzgeber habe darauf verzichtet, die Psychiatrie in die Reformen einzubinden. „Wir finden das falsch“, sagte sie. Das Land gehe hier deshalb einen eigenen Weg. Die Versorgung werde analog zu den künftigen Strukturen in den somatischen Fächern strukturiert. 2027 solle „gehört und geprüft“ werden, sodass zum 1. Januar 2028 eine entsprechende Struktur „scharf geschaltet“ werden könne.

Regionalkonferenz Süd: Klinikreform wirft Fragen auf
Start der Anhörungsphase für die Kliniken und für die Regionalgespräche: Für die Krankenhäuser in Schleswig-Holstein hat am 21. September die entscheidende Phase vor Inkrafttreten der Krankenhausreform begonnen. Die erste Regionalkonferenz für die Versorgungsregion Süd in Lübeck gab einen Vorgeschmack darauf, wie die Standortentscheidungen vor Ort ankommen.
Patienten am Hamburger Rand wandern ab
Wesentliche Grundlage der Planungen seien die Patientenströme, machte Gesundheitsministerin Prof. Kerstin von der Decken (CDU) deutlich. Die unterscheiden sich je nach Entfernung zu Hamburg erheblich, erläuterte Philipp Letzgus von der Planungsgesellschaft Lohfert & Lohfert: Je näher die Hansestadt liege, desto deutlicher sei die Präferenz der Einwohner für eine Versorgung in den dortigen Kliniken. Entsprechend ausgeprägt ist die regionale Nachfrage der Menschen im Kreis Steinburg für das Klinikum Itzehoe. Das Regio Klinikum Pinneberg dagegen spürt die Hamburger Konkurrenz deutlich. Insgesamt werde nur etwa die Hälfte der gut 100.000 Behandlungsfälle pro Jahr aus der Region und den angrenzenden Kreisen an den fünf Kliniken der Region versorgt.
Erneut betonte von der Decken, die vorgestellten Strukturen würden erst im November, nach Abschluss der Anhörungsphase, endgültig festgeklopft. Noch bis zum 31. Oktober können die Krankenhäuser nachweisen, dass sie Voraussetzungen für Leistungsgruppen erfüllen, die ihnen laut aktuellem Planungsstand nicht zugewiesen würden. „Die verbindliche Zuweisung erfolgt Ende des Jahres mit Wirkung zum 1. Januar 2027“, sagte sie. Wo eine Umstrukturierung erforderlich sei, würden den Krankenhäusern dafür Übergangszeiträume eingeräumt.






