
Protesttag: Reaktionen aus der Ärzteschaft
Die Resonanz auf die Proteste war regional unterschiedlich. Mit Plakaten und klaren Botschaften gingen Medizinerinnen und Mediziner sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten aus dem Kreis Rendsburg-Eckernförde am 10. Juni auf die Straße. Sie forderten bei ihrer Kundgebung in Rendsburg ein Reform- und kein Spargesetz. Die geplanten Sparmaßnahmen werden nach ihrer Überzeugung zu Kürzungen führen, die direkte negative Auswirkungen auf die Versorgung von Patientinnen und Patienten haben werden.
Praxis suchte das Gespräch mit Patienten
Die Gemeinschaftspraxis Chirurgie Nord in Flensburg war eine der Praxen, die sich in der Grenzstadt am Protesttag beteiligten. Drei Stunden lang wurden Vormittags alle Leistungen, die das Gesetz zur Kürzung vorsieht, ausgesetzt. Für Notfälle blieb die Praxis offen. In dieser Zeit hielt sich das Praxisteam vor der Tür auf, verteilte Informationsmaterial und suchte das Gespräch mit den Patienten. „Das Interesse der Angesprochenen war groß. Negatives Feedback haben wir nicht bekommen - auch nicht von Patienten, die zur offenen Sprechstunde angestanden hatten oder von anderen, die nicht angenommen wurden", berichtete Chirurg und Durchgangsarzt Marc Behnke auf Anfrage.
Geringes Wissen über die Folgen des Gesetzes
In längeren Gesprächen mit Patienten und Pressevertretern sei schnell klar geworden, wie wenig die Öffentlichkeit über die Folgen des Gesetzes informiert ist. Die Gemeinschaftspraxis wusste von zwei weiteren Facharztpraxen und einer Hausarztpraxis, die am gleichen Tag die oben genannten Leistungen ebenfalls nicht angeboten und stattdessen die Öffentlichkeit informiert habe. Zu den Praxen, die am 10. Juni die Sprechstunde nicht anbot, gehörte auch die Hausarztpraxis Flensburg Weiche von Natalie Kapis. Stattdessen wurden gleich mehrere Fortbildungsthemen vom Praxisteam bearbeitet: Langzeit-Blutdruckmessung, HZV-Start und betriebliche Altersvorsorge standen auf der Tagesordnung. „Insgesamt aber leider wenig Feedback aus der Ärzteschaft und wenig Engagement, soweit wir es sehen konnten", bedauerte Behnke.
Kreisstellenvorsitzender hofft, dass Protest die Politik erreicht
Der Flensburg Kreisstellenvorsitzender Dr. Sebastian Gassner zeigte Verständnis für die Unzufriedenheit seiner niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen mit dem Entwurf des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes. „Mit der heutigen Aktion zeigen sie, dass die ambulante Versorgung in Schleswig-Holstein akut gefährdet ist. Eine Vergütungsbegrenzung muss mit einer Leistungsbegrenzung einhergehen. Ich hoffe, dass die Bundestagsabgeordneten in unserem Wahlkreis sehen, dass es Zeit für ein Moratorium ist, um tatsächliche Strukturreformen zu erarbeiten und umzusetzen", sagte Gassner. Das Moratorium hatte er als Landesvorsitzender des Hartmannbundes gemeinsam mit dem Virchowbund kürzlich gefordert.







