Mit Audio-beitrag
Anne Osterkamp und Anne-Schluck stehen vor dem Mikrofon und sprechen zum Thema Ärztenetze
Anne Osterkamp und Anne-Schluck ©Dirk Schnack
Anne Osterkamp und Anne-Schluck ©Dirk Schnack

Praxisnetze können aufatmen

Es gibt weiterhin Geld aus dem Strukturfonds der KV Schleswig-Holstein - vorerst. Nach der Neuregelung für den Strukturfonds kommen aber Änderungen auf die Netze zu.

 

Die Praxisnetze in Schleswig-Holstein zählen zu den wichtigsten Empfängern von Mitteln aus dem Strukturfonds. Rund 503.000 Euro betrug die Netzförderung zuletzt. Wie berichtet, hätten geplante Änderungen am Strukturfonds die Netze finanziell hart getroffen. Daraufhin hatten Netze, ihr Dachverband und die Ärztegenossenschaft Nord öffentlich Druck aufgebaut und mit einer Protestveranstaltung vor dem KV-Gebäude am Tag der Abgeordnetenversammlung gedroht.

Dieser Protest war schon vor Tagen, nach Gesprächen zwischen KV, Dachverband und Genossenschaft, abgesagt worden. In der Abgeordnetenversammlung legte die KV gestern einen Kompromiss vor, der von der Abgeordnetenversammlung weiter zugunsten der Ärztenetze verändert wurde. 

Stimmen zur Neuregelung
Für Maßnahmen zum Aufbau und Unterhalt effizienter Strukturen können im Jahr 2026 an ein Netz 20.000 Euro gezahlt werden. Weitere 20.000 Euro sind möglich, wenn nachgewiesen wird, dass Haus- und Fachärzte im Netz vertreten sind. Der Anteil der jeweiligen Gruppe soll mindestens ein Drittel der Mitglieder betragen. Im Jahr 2027 halbieren sich diese Beträge. Die ursprünglich angedachte komplette Streichung ab dem Jahr 2028 wurde nach geheimer Abstimmung und langer Diskussion wieder zurückgenommen.  

Deutlich wurde in der Diskussion, dass viele Ärztinnen und Ärzte nicht nachvollziehen können, warum die Gesamtheit der niedergelassenen Ärzteschaft Strukturen fördert, in denen nur 20 Prozent der Mitglieder vertreten sind. Der Abgeordnete Björn Steffensen aus Nordfriesland etwa äußerte sein Unverständnis darüber, dass die Finanzierung weiterhin durch die Gesamtheit der Ärzte geleistet werden soll. Auch Axel Kloetzing aus dem Keis Steinburg fragte, was die Netze denn substanziell zur Versorgung beisteuerten. 
Viele Abgeordnete halten die Netze aber für erhaltenswert und förderungswürdig. Ohne die Förderung, so ihre Befürchtung, könnten die bestehenden Strukturen zerschlagen werden und dauerhaft verloren gehen. Hausarzt Frank Reisenbüchler aus Meldorf und Gastroenterologe Sven Tetzlaff aus Büdelsdorf etwa sprachen sich für eine Förderung aus. „Es gibt keine vergleichbaren Organisationen", gab Tetzlaff zu bedenken. 

Anne Schluck und Anne Osterkamp: Neuer Schwung für Ärztenetze

Ein Dachverband der Ärztenetze? Den gibt es in Schleswig-Holstein schon seit Jahren. Was die neue Geschäftsführerin Anne Osterkamp und Anne Schluck aus dem ärztlichen Beirat planen, damit der Verband den Netzen noch mehr Unterstützung bieten kann und warum vernetztes Arbeiten sich nicht nur auf unregelmäßigen Austausch unter Kollegen und Kolleginnen beschränken sollte, verraten sie im Podcast.

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Zufriedenheit bei Netzvertreterin Anne Schluck
Anne Schluck aus dem Praxisnetz Eutin/Malente, die sich auch im Dachverband der Netze engagiert, bedankte sich für die konstruktive Diskussion über die Netze und für die Entscheidung. Sie räumte ein, dass für ein besseres Verständnis über den Mehrwert der Ärztenetze mehr Zahlen erforderlich seien. Für die anstehenden Reformen im Gesundheitswesen hält sie es für einen Vorteil, dass die Praxisnetze bestehen und man auf diesen Strukturen aufbauen könne. Sie bot allen Abgeordneten an, sich in den Netzen zu informieren.

Während für die Netze eine Neuregelung gefunden wurde, entfallen Förderungen an anderer Stelle ganz. Ein Beispiel: Der bislang gewährte Kinderbetreuungszuschuss für Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung wird künftig nicht mehr gezahlt. Die KV-Vorstandsvorsitzende Dr. Bettina Schultz verwies auf die in den vergangenen Jahren erhöhten Gehälter in der Weiterbildung, die inzwischen über 5.000 Euro betragen. Die Zuschussregelung stamme noch aus einer Zeit, in der Ärztinnen und Ärzte erheblich weniger verdient und deshalb auf den Zuschuss angewiesen waren. Für den bislang gewährten Zuschuss zahlte die KV zuletzt insgesamt rund 427.000 Euro. Auch die Zuschüsse für Umzugskosten und Teampraxen wurden gestrichen.  (di)

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