Ein etwa 65-jähriger Mann mit Brille, weißem Vollbart und in weißem Hemd mit blauem Jackett steht hinter einem Pult.
©Jörg Wohlfromm
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PA im ambulanten Bereich: Finanzierung muss geklärt werden

Ist der Einsatz von Physician Assistants in Arztpraxen eine Lösung für die steigende Nachfrage nach ärztlichen Leistungen? Prof. Henrik Herrmann, Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein und einer der geistigen Väter des Modells, sieht im Gespräch mit Eike Ina Lamberty zumindest großes Potenzial in diesem noch wenig bekannten akademischen Berufsbild.

Als Professor für Physician Assistance leiten Sie das Bachelorstudium bundesweit und lehren als Dozent am Westküstenklinikum in Heide. Warum engagieren Sie sich so für das neue Berufsbild?

Prof. Henrik Herrmann: Mir ist es wichtig, ärztlicherseits die angehenden Physician Assistants bestmöglich auf ihren späteren Einsatz im ärztlichen Team vorzubereiten und ihnen akademisch die Kompetenzen zu vermitteln, die sie in der patientennahen Versorgung benötigen. Dies umfasst insbesondere klinische Aspekte und Handlungskompetenzen, aber auch grundlegende instrumentelle und technische Fertigkeiten.

Für welche niedergelassene ÄrztInnen lohnt es sich, eine(n) oder mehrere PA zu beschäftigen?

Herrmann: Das Einsatzfeld von Physician Assistants in der ambulanten Versorgung sehe ich im hausärztlichen Bereich in großen Versorgungspraxen gerade im ländlichen Bereich, in medizinischen Versorgungszentren oder in kommunalen Eigenbetrieben und auch in fachärztlichen Praxen. Darüber hinaus ist zu überlegen, ob im ländlichen Bereich eine Hausarztpraxis, die nicht nachbesetzt werden kann, entweder geschlossen bleibt und damit weite Wege in Kauf genommen werden müssen oder aber diese Praxis mit einer möglichst akademisch qualifizierten Gesundheitsfachkraft wie dem Physician Assistant zu besetzen, die telemedizisch an die nächstgelegene Hausarztpraxis angebunden ist.

PAs entlasten niedergelassene ÄrztInnen und ermöglichen eine qualitativ und quantitativ bessere medizinische Versorgung. Darin sind sich alle befragten Ärze und Ärztinnen einig. Doch abrechnen können ihre Arbeitgeber die Leistungen der PA nicht. Haben Sie eine Idee, wie sich dieses Problem lösen ließe?

Herrmann: Gesonderte Abrechnungsziffern für den Physician Assistant sehe ich nicht als sinnvoll an. Vielmehr könnte eine Fallzahl- und damit eine Budgeterhöhung, ein Zuschlag auf einzelne Pauschalen oder eine Strukturzulage zur Gegenfinanzierung genutzt werden. Auf jeden Fall ist diese Frage der Finanzierung des Physician Assistant im ambulanten Bereich zu klären, denn ansonsten wird es wenig der dringend notwendigen Entlastung in diesem Bereich geben, der perspektivisch am Wachsen ist.

Vielen Dank für das Gespräch.

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