Nur der rechte Teil des Rumpfes eines Mannes ist zu sehen. Er trägt Jeans und einen blauen Pullover. Seine Hand hat er zu einer Faustgeballt
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Ombudsstelle zu Gewalt im Gesundheitswesen startet 2027

Die Einrichtung einer Ombudsstelle der Ärztekammer Schleswig-Holstein für Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte, die von Gewalt im Gesundheitswesen betroffen sind, nimmt konkrete Formen an. 2027 soll sie an den Start gehen.

Eike Ina Lamberty

Der Aufbau einer solchen Anlaufstelle war eines der zentralen Themen beim dritten Treffen des Runden Tisches zum Thema Gewalt im Gesundheitswesen in der Ärztekammer. Der Wunsch nach Implementierung einer vertraulichen, niedrigschwelligen und neutralen Ombudsstelle, möglichst besetzt mit als Mediatoren geschulten Ärztinnen und Ärzten, zählte zu den Ergebnissen des vorangegangenen Treffens der Gruppe im Dezember 2025. Vorbild könne die Ombudsstelle des Landesärztekammer Mecklenburg-Vorpommern sein, sagte Dr. Gisa Andresen, ärztliche Geschäftsführerin der Kammer.

Zielgruppe ist definiert
Mit diesem Angebot wolle man sich an diejenigen Mitglieder der Ärzteschaft wenden, die Mobbing, verbale physische oder psychische Gewalt oder Diskriminierung am Arbeitsplatz erlebten, sagte sie. Ebenso richte das Angebot sich an diejenigen, die Konflikte im Team oder mit Vorgesetzten haben.

Andere Landesärztekammern sammeln bereits Erfahrungen
In ihrem kurzen Referat verwies Andresen auf weitere gute Beispiele aus anderen Landesärztekammern. So stellten die hessischen Kollegen mit dem Meldebogen „Gewalt gegen Ärzteschaft und Team“ auf ihrer Website ein inzwischen gut etabliertes und bundesweit genutztes Instrument zur Verfügung. Baden-Württemberg punkte ebenfalls mit einer Meldestelle und mit einem praxisorientierten Leitfaden zur Deeskalation und zu Unterstützungsmöglichkeiten bei erlittener Gewalt. Niedersachsens Ärztekammer gebe den Mitarbeitenden im Gesundheitswesen mit der Broschüre „Übergriffe gegen Praxisteams“ eine pragmatische Unterstützung. Die dort angebotenen Fortbildungen zu Deeskalation am Tresen und am Telefon seien ausgebucht.

Weiterführende Struktur nach den Meldestellen
Deutlich wurde, dass es bereits eine Vielzahl an Meldestellen für Vorfälle gibt. Dr. Katharina Kolbe, Ärztin im Westküstenklinikum Heide, hatte eine entsprechende Liste erstellt. Doch eine weiterführende Struktur fehle, sagte Marco Sander, Pflegewissenschaftler am Geriatriezentrum des Krankenhauses Rotes Kreuz Lübeck. „Meistens geht es über das Melden nicht hinaus“, stimmte Andresen zu.

Positionierung der Ärztekammer erwünscht
Während die Gewalt von Patienten gegen Ärzte und Pflegende mittlerweile thematisiert werde, bleibe gewaltsames Verhalten von der Teammitglieder untereinander für viele ein Tabu, sagte Sander: „Das fassen nur wenige an.“ Er wünschte sich deshalb ein Angebot der Ärztekammer zum Thema „Ärztliche Haltung“. Auch Kolbe würde es begrüßen, wenn die Kammer sich klar positioniere, um den Betroffenen auch gegen Führungskräfte den Rücken zu stärken. Allerdings, so die Erfahrung von Vizepräsidentin Prof. Doreen Richardt, verfange Kritik bei manchen von ihnen nicht einmal dann, wenn sie aus der Ärztekammer komme.

Fachtag ist in Planung
Mit einem Fachtag, voraussichtlich noch in diesem Jahr, wollen die Teilnehmenden des Runden Tisches das Thema stärker in die Öffentlichkeit rücken. Dazu sollen Referenten aus der Praxis eingeladen werden, beispielsweise von der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (bgw), vom bayerischen Verein PSU aktiv und von der Ombudsstelle der Landesärztekammer Hessen. Vor allem soll es viel Raum für Diskussion geben. „Wir möchten erfahren, was die Ärzteschaft bewegt“, sagte Andresen. Die Feinabstimmung des Fachtags steht beim nächsten Treffen des Runden Tisches am 2. September auf der Agenda.

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