Dr. Arjen Teetzmann und seine Mitarbeiterin Maria Meyer
Dr. Arjen Teetzmann und MFA Maria Meyer ©Dirk Schnack
Dr. Arjen Teetzmann und MFA Maria Meyer ©Dirk Schnack

„Ohne MFA gäbe es keine Arztpraxis“

MFA ausbilden, auch wenn keine zusätzliche Kraft in der eigenen Praxis benötigt wird? Für Dr. Arjen Teetzmann ist das kein Widerspruch. Der Allgemeinmediziner aus Mölln hat fast ständig eine Auszubildende, weil er von der Bedeutung des Berufs überzeugt ist.

Dirk Schnack

Sechs MFA in Voll- und Teilzeit beschäftigt der Allgemeinmediziner in seiner Praxis in der Möllner Innenstadt. Sein Team, zu dem auch eineinhalb angestellte Fachärzte und ein Arzt in Weiterbildung zählen, ist damit gut aufgestellt. Eine neue Auszubildende wäre nicht unbedingt erforderlich, dennoch hat er gerade zum ersten August eine eingestellt und auch für das kommende Jahr kann er sich vorstellen, dass er erneut eine Ausbildung anbietet.

Teetzmann schließt nicht aus, dass er die Nachwuchskräfte in ein paar Jahren übernehmen könnte, um eventuell altersbedingte Abgänge im Team auszugleichen. Sicher ist das aber nicht. Seit 2011 ist Teetzmann niedergelassen und hat seitdem fast permanent eine Auszubildende in der Praxis. Übernommen hat er eine Auszubildende aber erst zweimal - weil sein Team meist keine Abgänge zu verzeichnen hatte und keine Notwendigkeit bestand, dieses zu erweitern. Eine der beiden hat die Praxis nach einem Jahr wieder verlassen, um ein Studium zu beginnen und Berufsschullehrerin zu werden, die andere arbeitet nach wie vor in der Praxis.

Teetzmann bildet trotzdem aus. Er weiß, dass die ausgebildeten Kräfte auf dem Arbeitsmarkt begehrt sind – in anderen Praxen, aber auch in den Krankenhäusern. Er bildet auch aus, weil ihm die Bedeutung des MFA-Berufs für ein funktionierendes Gesundheitssystem bewusst ist. „Ohne MFA gäbe es keine Arztpraxis“, sagt Teetzmann. Er hat es ausprobiert: Als er aus einer Gemeinschaftspraxis ausstieg und kurzzeitig mit nur einer MFA auskommen musste. Die wurde im Labor gebraucht, sein angestellter Kollege im Sprechzimmer und Teetzmann selbst saß am Tresen – eine Erfahrung, die er allen Kolleginnen und Kollegen empfiehlt, die den Beruf geringschätzen.

Diese Gefahr besteht bei Teetzmann nicht. Er betrachtet MFA vielmehr als Kolleginnen in einem Team, in dem alle Akteure unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Von einer MFA am Tresen erwartet er u.a. Offenheit und Freundlichkeit. „Der Tresen ist unser Aushängeschild. Die Patienten sollen sich willkommen fühlen. Wer das an dieser Stelle nicht vermitteln kann, ist hier falsch eingesetzt. Außerdem wäre das geschäftsschädigend“, steht für ihn fest.

Der Tresen ist ein Einsatzort, den auch seine MFA Maria Meyer schätzt. Sie hat gerne mit Menschen zu tun und genau deshalb diesen Beruf gewählt. Sie interessiert sich aber auch für Medizin – das war der zweite Grund für ihre Berufswahl. An ihrer Arbeit gefallen ihr aber auch die Vielseitigkeit und die Abwechslung. Sie wird wechselnd am Tresen, zum Impfen und in vielen anderen Tätigkeitsbereichen eingesetzt. Perspektivisch könnte sie sich eine Weiterqualifizierung zur Wundmanagerin vorstellen. Wichtig sind ihr vor allem Patientenkontakt und Zusammenarbeit im Team. Und die Wertschätzung? In Mölln bekommt sie die vom Praxischef und von den Patienten. Dass das keineswegs selbstverständlich ist, hat sie zuvor in mehreren Praxen in Hamburg erlebt. Patienten und Arbeitgeber dort hat sie deutlich ungeduldiger erlebt. Für beide schien sie nur ein „Hilfsmittel“ zu deren Zielerreichung darzustellen.

„Dort hatte ich weniger Zeit für die Patienten“, berichtet Meyer. Teetzmann dagegen lässt ihr die Zeit, die sie braucht. „Ich weiß, dass hier jede und jeder seine Aufgabe gut ausfüllt. Wenn es dafür mehr Zeit braucht, hat das seinen Grund“, stellt Teetzmann klar. Seinen Mitarbeitenden nicht zu vertrauen oder auf ein schnelleres Arbeiten zu drängeln für Aufgaben, für die diese besser ausgebildet sind als er selbst, hält er für unangebracht.

Dass Meyer und ihre Kolleginnen in Teetzmanns Praxis anders behandelt werden, ist auch ihrem Berufsverständnis und ihrem Verantwortungsgefühl geschuldet. Beides ist nicht bei jeder MFA-Auszubildenden so ausgeprägt, wie Teetzmann sich das wünscht. Als Prüfer in Bad Segeberg erlebt er, dass manche ihre spätere Rolle nicht ernst genug nehmen und sich nicht ausreichend vorbereiten. „Es ärgert mich, wenn Auszubildenden das Verständnis für die Verantwortung, die sie als MFA in der Praxis tragen sollen, nicht bewusst ist“, sagt Teetzmann. Dieses fehlende Verantwortungsgefühl führt nach seiner Wahrnehmung dazu, dass die Durchfallquote höher ist als früher. Als schulische Voraussetzung für die Ausbildung empfiehlt er mindestens den mittleren Schulabschluss.

Obwohl MFA der beliebteste Ausbildungsberuf unter jungen Frauen ist, spürt Teetzmann in den vergangenen Jahren einen geringeren Andrang auf Ausbildungsstellen. Für die aktuell besetzte Stelle musste er sich an die Arbeitsagentur wenden, um Bewerbungen zu erhalten. Stattdessen nehmen Anfragen von Vermittlungsagenturen, die Kräfte aus Ländern wie etwa Thailand, Iran und Afghanistan vermitteln, zu.

Was könnte man tun, damit es auch mal wieder Initiativbewerbungen in den Praxen gibt? Teetzmann kann sich eine höhere Attraktivität des Berufs vorstellen, wenn Praxen von Bürokratie entlastet würden. Die steigenden Vorschriften belasten schließlich nicht nur die Praxisinhaber, sondern auch deren Mitarbeiter. Für Maria Meyer wäre das auf jeden Fall ein Grund mehr, den Beruf weiter zu empfehlen: „Dann hätte man mehr Zeit für die Patienten.“

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