
Am Unfallort eine gemeinsame Sprache sprechen
Im Fokus der diesjährigen Podiumsdiskussion, mit der die AGNN an die Tradition der „Passatgespräche“ anknüpfte, standen den Worten ihren Vorsitzenden Dr. Florian Reifferscheid zufolge vor allem die interprofessionelle Zusammenarbeit als entscheidendes Kriterium für die optimale Versorgung der Patientinnen und Patienten. Deutlich wurde im Verlauf der Diskussion, wie wichtig eine möglichst bundeseinheitliche Standardisierung der Aus- und Fortbildung aller an der Rettungsmedizin Beteiligten ist, um dieses Ziel zu erreichen.
„Wir brauchen eine regelmäßige, interprofessionelle Fortbildung, damit klar ist, dass am Unfallort eine gemeinsame Sprache gesprochen wird“, sagte Dr. Juliane Rath, Ärztliche Leiterin Rettungsdienst im Kreis Herzogtum Lauenburg. Ebenso wie Dr. Sebastian Wirtz, Chefarzt der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin an der Asklepios Klinik Hamburg-Barmbek, forderte sie diese Fortbildung vor allem in den Modulen Reanimation, Traumaversorgung und Kinderreanimation.

„Es braucht das Anerkennen der gegenseitigen Kompetenzen, das realistische Einschätzen der eigenen Kompetenzen und die intrinsische Motivation, sich weiterzuentwickeln.“
Denn zu den größten Hürden für eine effiziente Versorgung gehörten die regional höchst unterschiedlichen Standards und Anforderungen, das hatte Wirtz in seinem kurzen Impulsreferat anschaulich erläutert. Er plädierte unter anderem für eine bessere Verzahnung von Praxis und Fortbildungen, einer Art Training „On the job“ nach kanadischem Vorbild.
Breiten Raum nahm die Frage ein, ob Training in Simulationsumgebungen die praktischen Ausbildungsabschnitte in der Klinik ersetzen oder ergänzen können. Lennart Meyer, Dozent an der Akademie der Rettungsdienstkooperation in Schleswig-Holstein (RKiSH) in Heide, plädierte für eine Ausweitung der klinischen Lehrinhalte. „Das Krankenhaus ist ein wichtiger Lernort“, sagte er. Dort ließen sich Maßnahmen, die in der Simulation nur unzureichend abgebildet werden könnten, in Echtzeit durchführen.
Simulation kann Klinikpraktikum ergänzen
Das Praktikum im Krankenhaus sei sehr hilfreich, um im geordneten Setting zu erlernen, komplexe Abläufe souverän durchzuführen, beispielsweise die Einleitung einer Notfallnarkose, sagte Notfallmediziner Wirtz. Rath plädierte wie Meyer für die Nutzung von Simulationsunterricht als Ergänzung und zum praktischen Erhalt von Kompetenzen nach der Ausbildung.
Applaus aus dem mit gut 100 Zuhörerinnen und Zuhörern eher spärlich besetzten Publikum bekam Gesundheitsökonom Meyer für seine These, Fortbildungen sollten Bestandteil der Berufsrealität sein, sie müssten sich auch interprofessionell im Arbeitsalltag immer wieder niederschlagen.
Teamgedanken im Gesetz verankern
Auch die Politik sehe die Zukunft der Notfallmedizin in der interprofessionellen Zusammenarbeit, sagte Dominik Völk, Abteilungsleiter im schleswig-holsteinischen Gesundheitsministerium. „Wir wollen den Teamgedanken im Gesetz verankern.“ Das Berufsbild des Notfallsanitäters solle gestärkt werden. „Der Notfallsanitäter ist nicht derjenige, der dem Notarzt nur etwas anreicht.“ Man habe sehr gute Erfahrungen mit dem gemeinsamen Training von Situationen gemacht.
Und was kann helfen, die Versorgung kurzfristig zu verbessern? Für Reifferscheidt ist klar: „Es braucht das Anerkennen der gegenseitigen Kompetenzen, das realistische Einschätzen der eigenen Kompetenzen und die intrinsische Motivation, sich weiterzuentwickeln.“





