
Gute MFA in der Praxis halten: mit Vertrauen und Qualifizierung
Nicole Moser ist seit 2011 im Beruf, durchlief seit ihrer Ausbildung bei der Bundeswehr zahlreiche Stationen in unterschiedlichen Facharztpraxen und ist seit einigen Jahren in der Altstadtpraxis in Bad Segeberg tätig. Nach Fortbildungen zur Fachwirtin für ambulante medizinische Versorgung und zur Nichtärztlichen Praxisassistentin (NäPa) ist die Mutter von drei Kindern inzwischen leitende MFA in der Praxis. Sie macht Abrechnung, Hausbesuche, Dienstplanung – alles in regelmäßiger Abstimmung mit ihrer Chefin Dr. Ilka Petersen-Vollmar und ihrem Chef Dr. Jens Stegemann. Außerdem hat sie einen ständigen Blick auf die Auszubildenden – die Praxis beschäftigt jeweils eine pro Ausbildungsjahr.
Auszubildende bringen veränderte Einstellung mit
Auffällig ist für sie, dass sich die Einstellung vieler Berufsanfänger in den 15 Jahren ihrer Berufstätigkeit gewandelt hat. „In den Bewerbungsunterlagen fehlen zum Teil substanzielle Informationen“, berichtet Moser. Auch könne längst nicht jede Bewerberin deutlich machen, weshalb sie sich eine Ausbildung in diesem Beruf gut vorstellen könnte. Hinzu kommt, dass viele Bewerberinnen die gewünschten Voraussetzungen wie etwa Lust am Umgang mit Menschen nur in Ansätzen mitbringen. Umso wichtiger ist es, dass passende Interessentinnen auch tatsächlich für eine Ausbildung in der Praxis gewonnen – und dann auch gehalten werden.
„Wenn Beschäftigte spüren, dass sich die anderen für sie als Menschen interessieren, verbessert das das Arbeitsklima.“
Das ist heute weniger selbstverständlich als noch vor einigen Jahren. Moser nannte im Gespräch mit dem Schleswig-Holsteinischen Ärzteblatt vier Punkte, die dazu beitragen, dass MFA-Auszubildende bei der Stange bleiben:
- 1. Auszubildende müssen erkennen, dass sie Fortschritte machen. Damit die möglich sind, rät Moser dazu, die Auszubildenden mit eigenständigen Aufgaben – unter Aufsicht – zu betrauen. „Auszubildende begreifen das als eine Form der Wertschätzung“, so die Erfahrung Mosers.
- 2. Feedback: Auszubildende müssen vom Praxisteam und von den Praxischefinnen und -chefs hören, wie die von ihnen geleistete Arbeit eingeschätzt wird. „Fehlende Resonanz verunsichert die Auszubildenden“, sagte Moser. Als Neulinge im Beruf könnten sie nicht einschätzen, ob sie eine Aufgabe gut bewältigt haben. In kleinen Praxisteams gibt es dieses Feedback oft schnell nebenbei. Für größere Teams rät Moser zu einer strukturierten Feedback-Kultur.
- 3. Perspektiven aufzeigen: Vielen hilft es, schon in der Ausbildung mit Informationen über mögliche Weiterqualifizierungen versorgt zu werden. „Gute Auszubildende kann das motivieren, nach der Prüfung im Beruf zu bleiben. „Wer diese Perspektive nicht bekommt gerät in Versuchung, sich umzuorientieren“, so Moser.
- 4. Soziales Miteinander: Die wenigsten Mitarbeitenden kommen nur deshalb in die Praxis, weil sie dort einem Job nachgehen, mit dem sie Geld verdienen. Für die meisten Mitarbeiter ist das Soziale wichtig. Das sollten auch die Praxisinhaber berücksichtigen und z.B. Team-Events anbieten. „Es ist wichtig, dass die Chefs mehr als nur den Namen ihrer Mitarbeitenden kennen. Wenn Beschäftigte spüren, dass sich die anderen für sie als Menschen interessieren, verbessert das das Arbeitsklima“, sagte Moser.
Vertrauen zahlt sich aus
Ihr ist bewusst, dass die Bemühungen der Inhaber und der Teams nicht alles auffangen können. Nach ihrer Erfahrung sollten MFA idealerweise ein gehöriges Maß an Stressresistenz, Lernbereitschaft, Empathie und Offenheit für Menschen mitbringen. Viele Auszubildende hätten das aber nicht von Beginn an, sondern würden mit ihren Aufgaben wachsen. Das Vertrauen, das dies möglich ist, sollte den Auszubildenden entgegengebracht werden – auch wenn dies manchmal Geduld erfordere.





