
Neues Brustzentrum in Lübeck – trotz Klinikreform?
Den Initiatoren ist bewusst, dass die Etablierung eines neuen Brustzentrums unter den Bedingungen der Klinikreform nicht einfacher geworden ist. Die Leistungsgruppe Senologie 41 ist für das neue Zentrum beantragt. „Das Brustzentrum erfüllt die aktuellen Kriterien und wir hoffen sehr, dass diesem Antrag zugestimmt wird“, sagte die Leiterin der Sektion Mammachirurgie und Senologie an den Lübecker Sana Kliniken, Dr. Andrea Hasse.
Enge interdisziplinäre Abstimmung
Beim Aufbau des Zentrums wird sie von der früheren Leiterin des Brustzentrums Ostholstein, Dr. Uta Fenske, unterstützt. Sie verwies darauf, dass bis zur Schließung des Marienkrankenhauses in Lübeck dort jährlich durchschnittlich rund 120 Patientinnen an einem Mammakarzinom operiert und im interdisziplinären Setting behandelt wurden. Fachrichtungen wie Gynäkologie, Onkologie, Radiologie, Strahlentherapie, plastische Chirurgie, Palliativ- und Hospizeinrichtungen sowie die Psychoonkologie gewährleisten im NOZ (Netzwerk Onkologischer Zentren in Schleswig-Holstein) eine enge Abstimmung. „Diese jahrelang gewachsene Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Einrichtungen zur Versorgung von Patientinnen mit Brustkrebs sollte auf keinen Fall verloren gehen“, sagte Fenske, die das Brustzentrum Ostholstein aufgebaut vor mehr als 20 Jahren aufgebaut hatte.
Argumente für ein weiteres Zentrum
In Lübeck halten Expertinnen und Experten ein weiteres Brustzentrum für wichtig, damit die jährlich 600 neu erkrankten Menschen (davon 1 % männlich) in der Hansestadt auf hohem Niveau und zeitnah versorgt werden können. Zudem hält Fenske eine kleinere Alternative zum UKSH für sinnvoll. „Kurze Wartezeiten und Wege entlasten die Seele, mindern den Stress und erhöhen die Qualität der Behandlung. Daher fühlen sich viele Menschen in kleineren Einrichtungen besser aufgehoben“, sagte sie. Kleinere Abteilungen könnten oft flexibel auf Veränderungen in der Patientenversorgung reagieren und innovative Ansätze zur Behandlung und Betreuung entwickeln. Fenske verwies zudem auf das Beispiel Kiel, wo neben dem UKSH auch die Park-Klinik Mamma-Ca-Eingriffe vornimmt.
Zertifizierung angestrebt
In der derzeitigen Aufbauphase verzeichnet das Brustzentrum Lübeck Süd wachsende Patientenzahlen, mehr als 120 im Jahre 2025. Aktuell ist es mit vier Gynäkologinnen besetzt. Eine Zertifizierung des Zentrums wird für das Jahr 2027 angestrebt. Neben der medizinischen Behandlung sollen im Brustzentrum auch genetische Beratung, Unterstützung bei familiären Krebserkrankungen, psychoonkologische und soziale Betreuung geleistet werden. Mit dem Brustzentrum des UKSH ist eine Kooperation angedacht, um Patientinnen z.B. die Möglichkeit anzubieten, an wissenschaftlichen Studien teilzunehmen und Synergien zwischen beiden Bereichen zur besseren Versorgung zu erreichen.
Berufsverband begrüßt die Initiative
Susanne Bechert, Vorsitzende des Berufsverbandes der Frauenärzte und Frauenärztinnen in Schleswig-Holstein, begrüßt die Initiative für eine weiteres Brustzentrum. "Nach der Schließung des Brustzentrums im Marienkrankenhaus in Lübeck ist eine Unterversorgung von an Brustkrebs erkrankten Frauen in Lübeck entstanden, die sich in längeren Wartezeiten auf Untersuchungen und Termine bemerkbar gemacht hat. Vor diesem Hintergrund ist es eine gute Nachricht, dass nun das neue Brustzentrum Lübeck Süd die Arbeit aufgenommen hat", sagte Bechert.
Lücke ist „völlig inakzeptabel"
Dr. Dirk Uthgenannt, Onkologische Schwerpunktpraxis Lübeck, verwies auf den Wegfall des Brustzentrums Herzogtum-Lauenburg. Damit sei im Süden Lübecks eine Lücke entstanden. „Dies ist völlig inakzeptabel und insofern schließt sich jetzt mit dem Brustzentrum Lübeck Süd hier hoffentlich eine erhebliche Lücke.“
Info
Zu den zertifizierten Brustkrebszentren in Schleswig-Holstein gehören das UKSH (Kiel und Lübeck), das Brustzentrum Ostholstein (Ameos Eutin), das Holsteinische Brustzentrum (Schön Klinik Rendsburg (angestrebt), WKK Heide, Regio Kliniken, Klinikum Itzehoe, FEK Neumünster sowie das Mammazentrum Schleswig-Holstein (Park Klinik Kiel und Flensburg).





