Mann mittleren Alters in dunklem Sacko und weißem Hemd steht frontal zum Betrachter mit verschränkten Armen.
Prof. Jan-Thorsten Gräsner ©privat
Prof. Jan-Thorsten Gräsner ©privat

Nachsorgeprogramm hilft Überlebenden nach Herzstillstand

Mehr Lebensqualität nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand hat das Projekt „CAROL: Cardialer Arrest – Rückkehr zum optimalen Leben“ zum Ziel. Das unter Leitung des Instituts für Rettungs- und Notfallmedizin (IRuN) am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) entwickelte Projekt wurde nun vom Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) zur Förderung ausgewählt - rund 5,9 Millionen Euro fließen in den kommenden vier Jahren den Aufbau eines bundesweiten, strukturierten Nachsorgeprogramms.

Das Nachsorgeprogramm soll erstmals medizinische, psychologische, soziale und genetische Aspekte systematisch miteinander verbinden. Nötig ist das, weil selbst bei erfolgreicher Reanimation nach einem Herzstillstand der Weg zurück in den Alltag von Unsicherheiten geprägt ist: Viele Betroffene leiden an kognitiven Einschränkungen, Ängsten oder Depressionen. Auch Angehörige sind oft traumatisiert und stark belastet.

Nachsorge beginnt auf der Intensivstation
Mit CAROL beginnt die Nachsorge bereits auf der Intensivstation und wird über ein Jahr hinweg fortgeführt. Im Zentrum steht die  PRA-Nurse – eine spezialisierte Fachkraft, die als konstante Ansprechperson durch alle Phasen der Behandlung begleitet. Die PRA-Nurse koordiniert Untersuchungen und Therapien, organisiert psychokardiologische Screenings sowie genetische Abklärungen und stellt bei Bedarf den Kontakt zu sozialen Hilfsangeboten her. Die psychokardiologische Versorgung im Rahmen des Projekts übernimmt die Abteilung für Psychokardiologie der Kerckhoff-Klinik GmbH unter der Leitung von Prof. Dr. Bettina Hamann. Die Kontaktaufnahme erfolgt bereits während des Klinikaufenthalts, später finden vier strukturierte Nachsorgetermine statt – inklusive neurokognitiver Tests, individueller Interventionsplanung und Patientenschulungen.

Patienten unter 50 im Fokus
Ein besonderes Augenmerk gilt Patientinnen und Patienten unter 50 Jahren: Bei ihnen wird im Rahmen des Projekts eine genetische Diagnostik durchgeführt – auch im Falle eines Todesfalls mit anschließender Beratung der Angehörigen. Die genetische Abklärung wird dabei vom Zentrum für plötzlichen Herztod und Kardiogenetik der Goethe-Universität Frankfurt unter der Leitung von Prof. Dr. Silke Kauferstein verantwortet. Damit trägt CAROL nicht nur zur Stabilisierung der Betroffenen bei, sondern hilft auch, erblich bedingte Risiken in Familien frühzeitig zu erkennen und potenziell lebensbedrohliche Ereignisse zu verhindern.

Projekt wird bundesweit umgesetzt
CAROL wird an insgesamt 15 spezialisierten Cardiac Arrest Centern in ganz Deutschland umgesetzt, darunter auch am UKSH in Kiel. Das Projekt richtet sich an gesetzlich versicherte Patientinnen und Patienten zwischen 18 und 80 Jahren, die einen außerklinischen Herz-Kreislauf-Stillstand überlebt haben und nicht dauerhaft pflegebedürftig sind. Auch ihre Angehörigen sind einbezogen: Sie erhalten Schulungen, psychologische Begleitung und ein Reanimationstraining für den Notfall zu Hause.

136.000 Betroffene bundesweit
Trotz klarer Empfehlungen in internationalen Leitlinien existieren laut einer Mitteilung des UKSH in Deutschland bislang keine standardisierten Strukturen für eine solche umfassende Nachsorge, obwohl jedes 136.000 Menschen bundesweit einen plötzlichen Herzstillstand außerhalb eines Krankenhauses erleiden. Diese Versorgungslücke soll mit CAROL, das voraussichtlich Ende 2026 starten wird, geschlossen werden. Prof. Jan-Thorsten Gräsner, Projektleiter und Direktor des Instituts für Rettungs- und Notfallmedizin, sprach nach der G-BA-Zusage von einem „Meilenstein für das IRuN". „Erstmals übernimmt unser Institut die Konsortialführung in einem Innovationsfondsprojekt. Gemeinsam mit starken Partnern aus Medizin, Forschung und Versorgung – darunter die Techniker Krankenkasse, die Barmer, mehrere Universitätskliniken sowie spezialisierte Forschungseinrichtungen – wollen wir die Versorgung von Menschen nach einem außerklinischen Herz-Kreislauf-Stillstand systematisch verbessern“, wurde Gräsner in einer Mitteilung des UKSH zitiert. (PM/RED)

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