
Mindestmengen verändern die Krankenhauslandschaft
Tom Ackermann, Vorstandschef der AOK Nordwest, begrüßte den Konzentrationsprozess. „Die Daten des Qualitätsmonitors belegen, dass Mindestmengen Krankenhausleistungen gezielt an erfahrenen Standorten bündeln. Das stärkt die Versorgungsqualität und erhöht die Patientensicherheit bei komplexen Operationen“, wurde Ackermann in einer Mitteilung seiner Krankenkasse zitiert. Er erwartet, dass sich der Konzentrationsprozess bei einer weiteren Anhebung der Mindestmengen fortsetzen wird. Allerdings ist die Entwicklung nicht bei allen komplexen Leistungen einheitlich.
Brustkrebs-OPs an weniger Standorten
Von einem „Stagnations-Effekt“ berichtet die AOK bei den Brustkrebs-Operationen in Schleswig-Holstein. Im Jahr 2020 waren noch 555 Frauen mit Brustkrebs (22,3 Prozent aller Fälle) in Kliniken mit weniger als 100 Fällen pro Jahr operiert worden. 2024 waren es insgesamt 589 Frauen (22,1 Prozent aller Fälle). Allerdings erhöhte sich die durchschnittliche jährliche Fallzahl je Klinik von 113 (2020) auf 148 (2024), die Zahl der an der Versorgung beteiligten Kliniken sank in diesem Zeitraum um mehr als 18 Prozent (von 22 auf 18 Kliniken). Für Brustkrebs-Operationen ist vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) 2024 eine Mindestmenge von 50 Fällen pro Jahr eingeführt worden, die 2025 auf 100 Fälle pro Jahr angehoben worden ist.
Klare Entwicklung bei Lungenkrebs-OPs
Bei Lungenkrebs-Operationen, für die seit 2024 eine Mindestmenge von 40 Fällen pro Jahr und seit 2025 von 75 Fällen pro Jahr gilt, ist in Schleswig-Holstein ein Konzentrationsprozess zu erkennen. 2020 wurden noch über 40 Prozent aller Fälle (340 Patientinnen und Patienten) an Klinikstandorten operiert, die weniger als 75 Lungenkrebs-Fälle pro Jahr vorweisen konnten. 2024 waren dies nur noch 17 Prozent (140 Patientinnen und Patienten). Die durchschnittliche Fallzahl je Klinik stieg von 2020 bis 2024 deutlich von 50 auf 69 Fälle pro Jahr, die Zahl der operierenden Kliniken sank von 16 Standorten im Jahr 2020 auf zwölf im Jahr 2024.
Komplexe Operationen an der Bauchspeicheldrüse
Ähnliche Effekte zeigen sich in Schleswig-Holstein bei komplexen Operationen an der Bauchspeicheldrüse, für die über viele Jahre eine Mindestmenge von zehn Eingriffen pro Jahr galt, die 2024 auf 15 und 2025 auf 20 Operationen pro Jahr angehoben worden ist. Die Durchschnittszahl der Fälle je Klinik stieg von 24 im Jahr 2020 auf 32 im Jahr 2024. Auch bei dieser Indikation sank die Zahl der an der Versorgung beteiligten Kliniken zuletzt deutlich um ein Viertel (von 16 Standorten im Jahr 2020 auf zwölf Standorte im Jahr 2024).
Komplexe Operationen an der Speiseröhre
Bei komplexen Operationen an der Speiseröhre ist die langjährig geltende Mindestmenge von zehn Eingriffen pro Jahr bereits 2023 auf 26 Eingriffe pro Jahr angehoben worden. Hier sind in Schleswig-Holstein deutliche Veränderungen zu erkennen: Die durchschnittliche Fallzahl je Klinik hat sich zwischen 2020 und 2024 von 19 auf 28 Fälle pro Jahr erhöht. Im gleichen Zeitraum hat sich die Zahl der an der Versorgung dieser komplexen Eingriffe beteiligten Krankenhäuser mehr als halbiert: Sie sank von neun auf vier Standorte.
Zertifizierte Krebszentren
Bewegung gibt es in Schleswig-Holstein laut Qualitätsmonitor bei der Steuerung von Krebsfällen in Krankenhäuser, die als Krebszentren zertifiziert sind. Der Anteil der Operationen bei Brustkrebs in nicht-zertifizierten Krankenhäusern ist im Vergleich zu den Vorjahren deutlich von 22 Prozent auf 13 Prozent in 2023 gesunken. 2024 ist er jedoch wieder auf 16 Prozent angestiegen. 2024 wurden insgesamt 429 Patientinnen mit Brustkrebs in nicht-zertifizierten Zentren operiert.
Bei den Lungenkrebs-Operationen liegt der Anteil der Fälle, die in Zentren operiert werden, deutlich niedriger als beim Brustkrebs. So wurden 2024 insgesamt 73 Prozent der Behandlungsfälle (611 Fälle) in Lungenkrebszentren operiert, die von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert worden sind. Im Vergleich zu 2020 (57 Prozent beziehungsweise 455 Fälle) ist jedoch ein deutlicher Trend nach oben zu verzeichnen. (PM/RED)





