Medizinische Fachangestellte telefoniert

MFA: Beliebter Beruf mit hohen Anforderungen

Medizinische Fachangestellte (MFA) sind begehrt: Arztpraxen und Krankenhäuser fragen MFA in unterschiedlichen Qualifikationsstufen nach. Der Ausbildung kommt damit eine hohe Bedeutung bei. Erfreulich ist, dass der Beruf bundesweit bei jungen Menschen beliebt ist.

Dirk Schnack

Er galt früher als der klassische Frauenberuf: Empathie, Kommunikation, Serviceorientierung und Teamfähigkeit zählen zu den immer wieder genannten Voraussetzungen für den Berufsstart von MFA. Unter jungen Frauen steht der Beruf tatsächlich seit Jahren in der Spitzengruppe der am häufigsten abgeschlossenen Ausbildungsverträge. Zum Stichtag 30. September 2025 schlossen bundesweit 16.680 junge Frauen einen Ausbildungsvertrag für diesen Beruf ab – das sind noch einmal 1.248 mehr als im Vorjahr. Damit war MFA der beliebteste Ausbildungsberuf knapp vor der Zahnmedizinischen Fachangestellten.

Junge Männer zeigen sich zunehmend aufgeschlossener
Damit nicht genug: Auch unter jungen Männern wird der Beruf immer beliebter. Mit 1.146 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen in 2025 gab es im Vergleich zu 837 Verträgen im Jahr zuvor den stärksten Zuwachs bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen. „Im Zeitraum 2009 bis 2025 sind die Zahlen von Männern in diesem weiblich dominierten Beruf nahezu kontinuierlich gestiegen“, teilte das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hierzu kürzlich mit. In der Rangliste der beliebtesten Ausbildungsberufe von jungen Männern rückte MFA um 17 Plätze nach vorn.

In Schleswig-Holstein zeigt der Trend für den Ausbildungsberuf ebenfalls seit Jahren nach oben – zur Freude von Praxisinhabern wie Allgemeinmediziner Dr. Jens Lassen aus Leck, für den die Ausbildung von MFA zum Selbstverständnis einer Hausarztpraxis dazugehört. „Wenn wir heute nicht ausbilden, wird uns morgen das qualifizierte Personal fehlen. Gleichzeitig ist es eine große Chance, junge Menschen für einen vielseitigen, verantwortungsvollen und sinnstiftenden Beruf zu begeistern“, sagte Lassen, der auch Landesvorsitzender seines Berufsverbandes ist, dem Schleswig-Holsteinischen Ärzteblatt. Er betonte, dass insbesondere Hausarztpraxen Auszubildenden ein außergewöhnlich breites Spektrum bieten – vom direkten Kontakt mit Patientinnen und Patienten über Prävention und Diagnostik bis hin zum Praxismanagement.

Hohe Anforderungen stehen nicht nur auf dem Papier
Doch der Ausbildungsbeginn ist nur ein Zwischenschritt für qualifizierte MFA in Kliniken und Praxen. Die Anforderungen an den Beruf steigen – und damit auch die Zahlen der Ausbildungsabbrecher oder derjenigen, die die Prüfung nicht bestehen. Denn die oben erwähnten Voraussetzungen stehen nicht nur auf dem Papier, sondern sind im Arbeitsalltag dringend benötigte Fähigkeiten. Und es kommen zahlreiche weitere hinzu: Zuverlässigkeit, Gewissenhaftigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Verschwiegenheit, Organisationstalent, gutes Zeitmanagement, man sollte frei von Berührungsängsten mit menschlichen Körpern sein und natürlich Interesse an Medizin und Gesundheit haben.

Das alles trauen sich zwar viele zu, aber nicht alle sind dem gewachsen. Eine Langzeitbetrachtung der Akademie der Ärztekammer zeigt steigende Zahlen für den Start der Ausbildung, nicht aber für die Folgejahre der Ausbildung. Ein Beispiel: Von 482 Ausbildungsstartern im Jahr 2012 gingen 444 in die Abschlussprüfungen – 7,8 Prozent waren zwischendurch ausgeschieden. Dieser Anteil stieg über die Jahre. Von den 634 Ausbildungsstartern im Jahr 2023 gingen nur noch 497 im dritten Lehrjahr in die Prüfung  – eine Lücke von mehr als 21 Prozent. Anders ausgedrückt: Für rund zwölf Prozent mehr Prüflinge in diesem Beruf mussten sich die ausbildenden Praxen um 31 Prozent mehr Ausbildungsstarter bemühen.

Ausbildung ist für die Praxen kein Selbstgänger
Für die ausbildenden Praxen ist dies problematisch: Sie investieren Zeit und Geld in die Ausbildung, die häufiger nicht zum Abschluss führt. Denn die qualifizierten Kräfte werden auch von den Praxen umworben, die nicht ausbilden und außerdem von Krankenhäusern, die MFA deutlich seltener ausbilden.

Zum finanziellen Aspekt: Damit der Ausbildungsberuf attraktiv bleibt, wurden die Ausbildungsvergütungen in den vergangenen Jahren angepasst. Die Vergütung im ersten Jahr beträgt im Jahr 2026 brutto 1.050 €, für jedes weitere Ausbildungsjahr sind es noch einmal 100 € mehr. Das ist für die ausbildenden Praxen aber nicht die größte Herausforderung, meint Lassen. Er sieht diese vielmehr darin, Ausbildung im laufenden Praxisbetrieb unter hohem Arbeitsdruck zu leisten. „Gute Ausbildung kostet Zeit – und Zeit ist in den Hausarztpraxen heute ein knappes Gut. Gleichzeitig steigen die bürokratischen Anforderungen stetig. Wer gute Fachkräfte ausbilden soll, braucht dafür ausreichend personelle und wirtschaftliche Spielräume. Ausbildung ist eine Investition in die Zukunft unseres Gesundheitswesens und darf nicht zusätzlich erschwert werden“, fordert Lassen.

Dr. Jens Lassen, Vorsitzender des Hausärzteverbands

„Ausbildung ist eine Investition in die Zukunft unseres Gesundheitswesens und darf nicht zusätzlich erschwert werden."

Dr. Jens Lassen, Vorsitzender des Hausärzteverbands Schleswig-Holstein

Wo bleiben die MFA nach der Ausbildung?
Die Ausbildung zur MFA geschieht in Schleswig-Holstein zu 71 Prozent in den Arztpraxen und zu 10 Prozent in MVZ. Krankenhäuser tragen 16 Prozent zur Ausbildung bei, Bundeswehr/Bundespolizei zwei Prozent, Labore ein Prozent, und Sonstige ein Prozent. Nach der Ausbildung bleiben aber nur 50 Prozent in den Praxen und sieben Prozent in MVZ. In Krankenhäusern arbeiten 22 Prozent der MFA, vier Prozent bei Sonstigen – und neun Prozent sind ohne Beschäftigung. Zu diesem hohen Anteil führen unterschiedliche Gründe: Elternzeit, Arbeitsunfähigkeit, Studium, Abitur, eine Übergangszeit zur Weiterbildung oder berufliche Umorientierung.

Auch die Gründe, einen anderen Berufsweg einzuschlagen, hat die Akademie der Ärztekammer, die für die überbetriebliche Ausbildung der MFA und für die komplette Überwachung der Ausbildung zur MFA verantwortlich und damit mit der Rolle der IHK für kaufmännische Berufe gleichzusetzen ist, abgefragt. Viele nennen „fehlende Perspektiven“, „zu niedriges Entgelt“, die Arbeitszeiten und Interessenwechsel. Zu den Gründen gehören aber auch mangelnde Wertschätzung und unfreundliche Patienten – Themen, die in den vergangenen Jahren stärker in den Fokus gerückt sind. Und es werden Gründe genannt, die die Praxen selbst beeinflussen könnten: schlechtes Arbeitsklima und monotone Praxisarbeit. Das zu niedrige Entgelt, das manche nennen, könnte von den MFA kommen, die untertariflich bezahlt werden. 72 Prozent der befragten MFA in Schleswig-Holstein gab an, dass sie nach Tarif bezahlt werden. Von den verbleibenden 28 Prozent wird etwas mehr als die Hälfte, 54 Prozent, übertariflich bezahlt.

Weiterqualifizierung als Schlüssel für Mitarbeiterbindung
Lassen ist sich bewusst, dass die Mitarbeiterbindung schon am ersten Tag der Ausbildung beginnt. Sein Credo lautet: „Wer sich fachlich gut begleitet fühlt, Verantwortung übernehmen darf und Teil eines funktionierenden Teams wird, bleibt häufig auch nach der Ausbildung gerne in der Praxis.“  Darüber hinaus bietet seine Praxis individuelle Entwicklungsmöglichkeiten, etwa Fortbildungen oder Qualifizierungen zur VERAH oder NäPA: „Wer Perspektiven hat und sich wertgeschätzt fühlt, entscheidet sich häufig bewusst für einen langfristigen Verbleib in der hausärztlichen Versorgung.“

Wie motiviert viele MFA sind, zeigen Antworten auf die Frage der Akademie nach weiteren Abschlüssen.15 Prozent der MFA streben nach der Prüfung eine weitere Berufsausbildung an, sechs Prozent wollen Medizin studieren, vier Prozent die Fachwirtin im Gesundheits- und Sozialwesen absolvieren und zwei die Fachwirtin ambulante medizinische Versorgung.

 

Dirk Schnack

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