
Mentale Gesundheit von Ärztinnen und Ärzten im Fokus
Hohe Verantwortung, Zeitdruck, Personalmangel, Bürokratie und emotionale Ausnahmesituationen gehören für viele Ärztinnen und Ärzte zum Berufsalltag. Zugleich hält sich in der Medizin die Erwartung, auch unter hoher Belastung dauerhaft funktionieren zu müssen. Mit der Initiative Ment.in.med rückt der Marburger Bund (MB) Schleswig-Holstein die mentale Gesundheit von Ärztinnen und Ärzten stärker in den Mittelpunkt.
Offener Umgang mit mentaler Gesundheit in der Medizin
Ziel der Initiative ist es, psychische Belastungen im ärztlichen Berufsalltag sichtbarer zu machen, Stigmatisierung abzubauen und einen offeneren Umgang mit mentaler Gesundheit in der Medizin zu fördern. Dabei geht es ausdrücklich nicht allein um die individuelle Belastbarkeit einzelner Ärztinnen und Ärzte. Auch Arbeitsbedingungen, Führungskultur, Teamkommunikation und strukturelle Rahmenbedingungen entscheiden darüber, ob gesundes Arbeiten im Gesundheitswesen langfristig möglich ist.
„Ärztinnen und Ärzte erleben, dass sie funktionieren müssen"
„Mit Ment.in.med wollen wir das Thema aus der Tabuzone holen und dauerhaft auf die Agenda setzen. Wer täglich Verantwortung für andere übernimmt, braucht selbst gesunde Arbeitsbedingungen und einen offenen Umgang mit psychischer Belastung“, wurde Dr. Victoria Witt, Vorstandsmitglied des MB sowie der Ärztekammer Schleswig-Holstein und Fachärztin für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, in einer Mitteilung des MB zitiert.
Auch Dr. Sylvia Hakimpour-Zern, ebenfalls Vorstandsmitglied des MB im Norden und Ärztin für Öffentliches Gesundheitswesen, sieht Handlungsbedarf. „Viele Ärztinnen und Ärzte erleben, dass sie funktionieren müssen, oft über die eigenen Grenzen hinaus. Gleichzeitig fehlt es vielerorts noch an einer offenen Kultur, in der Belastung angesprochen werden kann. Genau hier möchten wir ansetzen“, sagte Hakimpour-Zern.
Auch berufspolitische Diskussion soll forciert werden
Seelische Gesundheit sei nicht nur eine individuelle Frage, sondern eine wichtige Voraussetzung für langfristige Berufsbiografien, gute medizinische Versorgung und Patientensicherheit. Der MB will mit seiner Initiative den fachlichen Austausch und die berufspolitische Diskussion über gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen voranbringen. (PM/RED)
Digitale Veranstaltung am 7. Oktober
Am 7. Oktober 2026 findet von 19:00 bis 20:30 Uhr die kostenfreie, digitale Veranstaltung „Mentale Gesundheit von Ärztinnen und Ärzten: Belastung, Stigma und Wege zur Unterstützung“ statt.
Geplant sind drei Fachimpulse:
- Dr. Maxi Braun, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Supervisorin, ordnet aktuelle Studienergebnisse zur psychischen Belastung im Arztberuf ein und zeigt Zusammenhänge zwischen Perfektionismus, Berufswahl und psychischer Vulnerabilität auf.
- Dr. Astrid Freisen, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Buchautorin und im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Bipolare Störungen, spricht aus eigener Betroffenenperspektive über Stigma und Schweigekultur in der Medizin.
- Dr. Andreas Schießl, Facharzt für Anästhesiologie mit Zusatzbezeichnung Notfallmedizin und Vorstandsmitglied von PSU Akut, stellt konkrete Unterstützungsangebote wie die PSU Helpline vor.
Die Veranstaltung richtet sich an Ärztinnen und Ärzte aller Fachrichtungen und Karrierestufen, Medizinstudierende sowie weitere Akteurinnen und Akteure im Gesundheitswesen. Willkommen sind sowohl Mitglieder des Marburger Bundes als auch Nichtmitglieder. Weitere Informationen und Anmeldung online unter www.marburger-bund.de/schleswig-holstein/themen/mentale-gesundheit





