
Lungenkrebs: Screening braucht noch Strukturen
Wer zwischen 50 und 75 Jahre alt ist und mindestens 15 Jahre lang mindestens 20 Zigaretten pro Tag konsumiert hat, hat seit dem 1. April 2026 Anspruch, einmal jährlich auf Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung eine Vorsorgeuntersuchung auf Lungenkrebs durchführen zu lassen. Ziel der neuen Leistung ist es, Lungenkrebs mit Hilfe einer Niedrigdosis-Computertomografie (LDCT) deutlich früher zu entdecken und dadurch die Behandlungschancen erheblich zu verbessern. Lungenkrebs ist in Deutschland weiterhin die häufigste krebsbedingte Todesursache. Jährlich erkranken rund 58.000 Menschen neu, etwa 45.000 sterben an den Folgen.
„Meilenstein der Präventionsmedizin”
„Dieser Beschluss ist ein Meilenstein der Präventionsmedizin und ein guter Tag für die betroffene Risikogruppe sowie für alle, die sich an der Einführung dieser Maßnahme in Deutschland beteiligt haben“, sagte Prof. Jörg Barkhausen, Direktor des Instituts für Radiologie und Nuklearmedizin am UKSH-Campus Lübeck, bei einer virtuellen Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP).
„Dieser Beschluss ist ein Meilenstein der Präventionsmedizin und ein guter Tag für die betroffene Risikogruppe sowie für alle, die sich an der Einführung dieser Maßnahme in Deutschland beteiligt haben.“
Studie mit 5.000 Teilnehmenden
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat im Juni 2025 den Weg für ein bundesweites Lungenkrebs-Screening freigemacht. Maßgeblich dafür waren wissenschaftliche Erkenntnisse aus Deutschland, insbesondere aus der HANSE-Studie, wie Barkhausen betonte. „Dabei handelt es sich um die größte deutsche Studie zur Lungenkrebsfrüherkennung mit mehr als 5.000 Teilnehmenden.“ Neben dem UKSH-Campus Lübeck sind auch die Lungenklinik Großhansdorf, die Medizinische Hochschule Hannover und die Berliner Charité an der Studie beteiligt. Erste Ergebnisse der 2021 initiierten Studie wurden im vergangenen Jahr veröffentlicht.
So läuft das Screening ab
Teilnehmende, die die Eingangskriterien erfüllen, werden vom Hausarzt oder Internisten zu einem qualifizierten Radiologen überwiesen, der ein LDCT durchführt. „Die Untersuchung dauert mit Vor- und Nachbereitung zehn Minuten; die eigentliche CT-Messung nur wenige Sekunden, in denen knapp 1000 Schichtaufnahmen der Lunge angefertigt werden“, so Barkhausen. Anschließend werden die Bilder vom Radiologen zunächst ohne, dann mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) analysiert. „Die KI hilft, keine Befunde zu übersehen und vorhandene Befunde genauestens zu vermessen.“
Zweitbefundung nach Auffälligkeiten
Aus der HANSE-Studie wisse man, dass von 1.000 Teilnehmenden nach der ersten Untersuchung etwa 900 die gute Nachricht erhalten, dass alles in Ordnung sei. Bei den restlichen 100 gebe es Auffälligkeiten und deren Bilder werden in zertifizierten Lungenkrebszentren zweitbefundet. Die meisten von ihnen unterziehen sich nach drei bis sechs Monaten einer Verlaufskontrolle, die übrigen werden zur weiteren Abklärung in ein Lungenkrebszentrum überwiesen, so Barkhausen.
Strukturen müssen noch geschaffen werden
Start am 1. April heißt jedoch nicht, dass alle benötigten Strukturen für das Screening bereits aufgebaut sind. Start heißt, dass jetzt, da die gesetzlichen Grundlagen in Kraft getreten sind, diese benötigten Strukturen geschaffen werden können. So sei für jedes einzelne CT-Gerät eine Genehmigung für die Teilnahme am Lungenkrebsscreening erforderlich, auch stehe die Genehmigung für die Abrechnung mit den KVen noch aus, so der Lübecker Radiologe. „Das dauert noch ein paar Wochen bis Monate.“ Interessierte Raucherinnen und Raucher müssten sich in aller Regel also noch etwas gedulden.
Entdeckung bislang meist in späten Stadien
Lungenkrebs ist bei Frauen die dritthäufigste und bei Männern die zweithäufigste Krebsart. Hauptursache ist das Rauchen: Je länger und intensiver eine Person geraucht hat, desto höher ist ihr Risiko, Lungenkrebs zu entwickeln. Da die Erkrankung oft erst spät Symptome verursacht, wird sie häufig in fortgeschrittenen Stadien entdeckt – mit entsprechend schlechteren Behandlungsmöglichkeiten. Wird Lungenkrebs hingegen früh erkannt, bestehen durch operative Eingriffe sowie Immun- und Chemotherapien deutlich bessere Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung.





