Frau mit offenen, brunetten Haaren trägt einen weißen Kittel. Sie steht neben einem Laborgerät und lächelt in die Kamera.
Prof. Christine Klein vom Institut für Neurogenetik der Universität zu Lübeck hat die weltweit größte Studie zur genetischen Vielfalt bei Parkinson mit geleitet. © Anja Staehle, Universität zu Lübeck
Prof. Christine Klein vom Institut für Neurogenetik der Universität zu Lübeck hat die weltweit größte Studie zur genetischen Vielfalt bei Parkinson mit geleitet. © Anja Staehle, Universität zu Lübeck

Lübecker Studie liefert neue Erkenntnisse zu Parkinson

Ein internationales Forschungsteam unter Leitung von Dr. Lara M. Lange und Prof. Christine Klein vom Institut für Neurogenetik der Lübecker Universität hat die bislang größte genetische Untersuchung zu Parkinson vorgelegt. Die Studie zeigt, dass krankheitsauslösende genetische Veränderungen je nach Herkunft sehr unterschiedlich häufig auftreten.

Parkinson ist nach Alzheimer die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung weltweit und zählt laut Weltgesundheitsorganisation zu den am schnellsten zunehmenden neurologischen Erkrankungen. Die genetische Forschung dazu stützte sich bislang fast ausschließlich auf Menschen europäischer Abstammung. Dies ist ein Problem – denn welche genetischen Ursachen hinter der Erkrankung stecken, hängt laut Lübecker Universität stark davon ab, woher ein Mensch stammt.

Internationales Konsortium ermöglicht Einbindung zahlreicher Kohorten
Die Lübecker Arbeit ist Teil des Global Parkinson’s Genetics Program (GP2), eines internationalen Konsortiums, das genetische Daten von Menschen mit Parkinson aus aller Welt zusammenführt, um Diagnostik und Präzisionsmedizin weiterzuentwickeln. „GP2 ermöglicht die Einbindung zahlreicher Kohorten aus unterschiedlichen Weltregionen und damit eine bislang unerreichte Breite und Tiefe der genetischen Analysen. Ohne die enge Zusammenarbeit mit den zahlreichen GP2-Partnerzentren und deren Kohorten wäre eine Studie dieser Größe und Vielfalt nicht möglich gewesen“, wurde Prof. Christine Klein in einer Mitteilung der Universität zitiert. 

Große regionale Unterschiede in der Häufigkeit von Genvarianten
Im Mittelpunkt stehen zwei Gene, GBA1 und LRRK2, die bereits Ziel neuer Medikamente sind. Beide liefern Bauanleitungen für Enzyme, die für die „Müllentsorgung“ in Nervenzellen zuständig sind. Funktionieren sie nicht richtig, können sich schädliche Eiweißablagerungen anhäufen und somit zur Entstehung von Parkinson führen. Die Studie zeigt: Diese Gene sind zwar weltweit von Bedeutung, doch welche Veränderungen wo auftreten, unterscheidet sich von Region zu Region teils erheblich.

Regionen einbezogen, die bislang kaum berücksichtigt wurden
Für die Untersuchung wertete das Team genetische Daten von fast 100.000 Menschen aus elf Weltregionen aus. Knapp ein Drittel stammt davon aus Bevölkerungsgruppen, die in der bisherigen Forschung kaum vorkamen, etwa aus Afrika, Lateinamerika und Asien. Das Ergebnis hat unmittelbare Folgen, denn wird die genetische Diagnostik nur auf die in Europa bekannten Varianten ausgerichtet, bleiben Krankheitsursachen bei Menschen anderer Herkunft oft unentdeckt. Sie fallen damit auch durch das Raster, wenn es um neue, genetisch gezielte Therapien geht – die bislang fast ausschließlich in Europa und Nordamerika erprobt werden.

Frau mit langen, offenen Haaren trägt ein schwarzes Shirt und schaut frontal in die Kamera.
Dr. Lara M. Lange © privat

„Unsere Studie ist ein wichtiger erster Schritt hin zu einer wirklich globalen Präzisionsmedizin bei Parkinson."

Dr. Lara M. Lange

Schritt zur globalen Präzisionsmedizin
„Unsere Studie ist ein wichtiger erster Schritt hin zu einer wirklich globalen Präzisionsmedizin bei Parkinson. Bevor wir genetisch zielgerichtete Therapien weltweit verfügbar machen können, müssen wir verstehen, welche genetischen Ursachen in verschiedenen Bevölkerungsgruppen eine Rolle spielen und wo sich potenziell für zukünftige genetisch stratifizierte klinische Studien geeignete Patientinnen und Patienten befinden“, wurde Dr. Lara M. Lange in der Mitteilung zitiert. 

Lübecker Beteiligung
Aus Lübeck flossen Daten aus eigenen Patientenkohorten in die Analysen ein. Darüber hinaus leitet Klein vom Institut für Neurogenetik das Monogenic Network innerhalb von GP2, über das genetisch besonders gut charakterisierte Parkinson-Fälle aus vielen internationalen Kohorten in die Studie eingebracht wurden. Lange war bereits als Postdoktorandin am Institut für Neurogenetik in Lübeck am Aufbau dieses Monogenic Network beteiligt und hat dessen Struktur und wissenschaftliche Ausrichtung mitgeprägt. GP2 und die Vielzahl der beteiligten Kohorten bilden so die Basis dafür, dass die Studie die genetische Vielfalt von Parkinson über elf Bevölkerungsgruppen hinweg sichtbar machen konnte. (PM/RED)

Originalveröffentlichung:
Lange L, Fang Z, Makarious M et al. Parkinson's disease genetics across diverse ancestries: an observational genetic study of causal and risk variants with translational implications. The Lancet Neurology, 25, 741-754. https://doi.org/10.1016/S1474-4422(26)00198-5

 

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