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Mann im blauen Jackett, weißem Hemd und mit Krawatte steht draußen und lächelt frontal in die Kamera.
Karsten Brandstetter © KVSH
Karsten Brandstetter © KVSH

KVSH erhöht Verwaltungskostenumlage auf 3,25 Prozent

Nach 36 Millionen Euro Verlust bei den Kapitalanlagen entschied sich die Abgeordnetenversammlung der KV Schleswig-Holstein, die Verwaltungskostenumlage zu erhöhen. Der Hausärzteverband sprach von einem „bitteren Tag für die niedergelassene Medizin in Schleswig-Holstein".

Dirk Schnack

Die Mitglieder der KV Schleswig-Holstein zahlen ab dem ersten Quartal 2026 eine Verwaltungskostenumlage in Höhe von 3,25 Prozent. Die Umlage steigt damit um rund ein Prozent.  Formal gilt die Erhöhung als unbefristet und wurde von der Abgeordnetenversammlung am Mittwochabend mit großer Mehrheit (36 gegen drei Stimmen) beschlossen. Der stellvertretende KV-Vorstandsvorsitzende Karsten Brandstetter stellte aber noch vor der Entscheidung der Abgeordneten klar, dass der erhöhte Satz nicht auf Dauer gelten soll. Brandstetter rechnet für sieben Quartale mit dem erhöhten Finanzbedarf. Danach hält er eine Absenkung für möglich. Dies bekräftigte die KV heute auch in einem Pressestatement. Die Erhöhung sei „im Sinne einer Risikovorsorge" nötig, um Abschreibungen in Millionenhöhe auszugleichen.

Kapitalanlagen sorgen für Auf und Ab bei der Umlage
Die KVSH ist dringend auf zusätzliche Mittel angewiesen, nachdem sie, wie berichtet,  bei Kapitalanlagen im Immobilienbereich hohe Verluste erlitten hatte. 36 Millionen mussten daraufhin wertberichtigt werden. Dies ist aber nicht der einzige Grund für die Erhöhung: Schon vor Bekanntwerden der Verluste hatte Brandstetter in einer früheren Abgeordnetenversammlung angekündigt, dass eine Erhöhung der Umlage von 2,2 auf 2,7 Prozent erforderlich sei. Nach den Abschreibungen auf die Kapitalanlagen stieg der Finanzbedarf weiter und machte deshalb eine zusätzliche Erhöhung erforderlich.

Die Umlage hatte  in 2023 für zwei Quartale bei nur 1,0 Prozent gelegen, danach bei 2,2 Prozent. Möglich war dies u.a. durch hohe Erträge aus Kapitalanlagen. Laut Brandstetter hatte es im Laufe mehrerer Jahre unter dem alten, bis Mitte 2024 amtierenden Vorstand Kapitalerträge in einer Gesamthöhe von 22 Millionen Euro gegeben. Dies hatte ermöglicht, die Umlage damals in einem Bereich zu halten, der deutlich unter dem Bundesdurchschnitt lag.

Konsequenzen bleiben offen
Die Frage, ob dem alten Vorstand Konsequenzen aus den am Ende verlustreichen Kapitalanlagen erwachsen, bleibt auch nach der Abgeordnetenversammlung offen. Die Abgeordnetenversammlung entschied sich in geheimer Abstimmung einstimmig mit 40 zu null Stimmen, den alten Vorstand nicht zu entlasten und folgte damit einer Empfehlung des Finanzausschusses. Der amtierende Vorstand dagegen wurde mit 39 zu einer Stimme für das zweite Halbjahr 2024 entlastet. Die Entscheidung für die Kapitalanlagen hatte der bis Mitte 2024 amtierende Vorstand getroffen. Der neue Vorstand hatte im September öffentlich bekannt gegeben, dass er für Anlagen in Höhe von 36 Millionen Euro einen “Totalverlust” erwarte und deshalb eine entsprechende Wertberichtigung vorgenommen.
Der Finanzausschuss hatte laut Bericht seines Vorsitzenden Hans Irmer erstmals im Februar 2025 von möglichen Abschreibungen gehört und war einen Monat später konkreter informiert worden.

KV-Vorstand Karsten Brandstetter zu den Verlusten bei den Kapitalanlagen

Die KV Schleswig-Holstein musste Kapitalanlagen im Wert von 36 Mio. Euro abschreiben und wird deshalb die Verwaltungskostenumlage deutlich erhöhen. Wie will die KV aus dieser Krise herauskommen und was kommt auf die Mitglieder zu? Der stellvertretende KV-Vorstandsvorsitzende Karsten Brandstetter beantwortet Fragen im Podcast.

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Hausärzteverband: “Bitterer Tag für die niedergelassene Medizin”
Unter den anwesenden ärztlichen Gästen war wenig Verständnis für die Anhebung der Verwaltungskostenumlage zu spüren. Der bei der Versammlung anwesende Vorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, Dr. Jens Lassen, machte das Unverständnis am Donnerstag in Form einer Pressemitteilung öffentlich. Er nannte die neue Umlage „eine der höchsten Abgaben bundesweit". Die Mitglieder müssten damit finanziell einstehen für ein hausgemachtes Immobilien- und Steuerungsproblem innerhalb der KVSH.
Er verwies darauf, dass zugleich andere, für die Versorgung relevante Leistungen gekürzt würden. In der Mitteilung hieß es wörtlich: „Neben den finanziellen Konsequenzen markiert vor allem das erschütterte Vertrauensverhältnis zwischen den Ärztinnen und Ärzten und ihrer Selbstverwaltung eine echte Zäsur. Die KVSH kann das verlorene Vertrauen nur zurückgewinnen durch vollständige Transparenz, eine umfassende und nachvollziehbare Aufarbeitung der offensichtlichen Fehlwirtschaft und eine klare Ausrichtung ihrer Arbeit am Wohl ihrer Mitglieder, also der Arztpraxen."

Kammerpräsident: Belastungen müssen fair verteilt werden
Kammerpräsident Prof. Henrik Herrmann nannte die von der KV getroffene Entscheidung zur Anhebung der Verwaltungsumlage eine „nachvollziehbare – wenn auch sicherlich keine erfreuliche – Maßnahme, um die wirtschaftliche Stabilität rasch wiederherzustellen."  Hermann betonte: „Wir halten es für wichtig, dass die Belastungen fair verteilt werden und insbesondere junge Ärztinnen und Ärzte nicht dauerhaft benachteiligt werden. Eine zügige Sanierung erscheint deshalb im Interesse der gesamten Ärzteschaft."
Herrmann begrüßte, dass der neue Vorstand der KV frühzeitig auf Transparenz gesetzt und die Hintergründe der aktuellen Situation offen dargestellt habe. „Dieses Vorgehen stärkt aus unserer Sicht das Vertrauen in die zukünftige Arbeit der KV und zeigt die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und die Ereignisse konsequent aufzuarbeiten." Positiv bewertete er, dass die Diskussionen in der Ärzteschaft in einem konstruktiven und friedlichen Rahmen verlaufen sind: „Dies zeigt, dass der gemeinsame Wille besteht, die ambulante Versorgung in Schleswig-Holstein gemeinsam und verantwortungsbewusst weiterzuentwickeln.“

KV bedauert Belastung für die Mitglieder
Die KV betonte am Tag nach der Entscheidung: „Am stärksten bekommen unsere Mitglieder die drohenden Verluste zu spüren, obwohl sie die Situation nicht zu verantworten haben. Dass sie die Leidtragenden sind, bedauern wir sehr.“ Die Erhöhung der Verwaltungskostenumlage sei jedoch alternativlos, da die KVSH über keine wesentlichen anderen Finanzierungsquellen verfüge. Aufgelöste Rücklagen der KVSH und bereits identifizierte Einsparpotenziale im Verwaltungshaushalt allein reichten nicht aus, die Verluste auszugleichen.

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