Zwei Männer in weißen Arztkitteln sitzen an einem Labortisch und schauen in die Kamera.
Prof. Georg Griesinger (links), Leiter des Universitären Kinderwunschzentrums am UKSH, Campus Lübeck, und Studienleiter, und Erstautor Dr. Simon Graspeuntner im Labor des Kinderwunschzentrums. © UKSH
Prof. Georg Griesinger (links), Leiter des Universitären Kinderwunschzentrums am UKSH, Campus Lübeck, und Studienleiter, und Erstautor Dr. Simon Graspeuntner im Labor des Kinderwunschzentrums. © UKSH

Künstliche Befruchtung: neue Option für eine bessere Prognose

Gängige Tests, die den Erfolg einer künstlichen Befruchtung vorhersagen sollen, liegen oft falsch. Dies meldet das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), das gemeinsam mit der Lübecker Universität und dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) eine entsprechende Studie durchgeführt hat.

Bisherige Prognosemodelle untersuchen die bakterielle Besiedlung der Vagina und teilen diese in grobe Muster. Diese Klassifizierung, auf der auch kommerzielle Mikrobiom-Tests basieren, ist laut Studie jedoch nicht verlässlich. Stattdessen identifizierte das Forschungsteam zwei spezifische Bakterien, die den Behandlungserfolg negativ beeinflussten: Lactobacillus iners und Ureaplasma parvum. Bei Patientinnen, bei denen beide Keime gleichzeitig und in hoher Konzentration nachweisbar waren, sanken die Chancen auf eine erfolgreiche Einnistung des Embryos und eine Lebendgeburt drastisch.

Kritik an kommerziellen Angeboten
„Unsere Daten sprechen gegen die Annahme, dass die bloße Einteilung des vaginalen Mikrobioms in die bisher vorgeschlagenen bakteriellen Muster eine klinisch relevante Vorhersage über Schwangerschaftsraten erlaubt“, wurde Prof. Georg Griesinger, Leiter des Universitären Kinderwunschzentrums am UKSH in Lübeck und Studienleiter, in einer Mitteilung des UKSH zitiert. Er riet: „Paare sollten sich daher nicht auf die Prognosekraft von Analysen verlassen, die lediglich diese vereinfachenden Kategorien zugrunde legen.“ 
Studien-Co-Erstautorin Dr. Mariia Lupatsii sagte laut Mitteilung: „Die spezifische Bakterien-Signatur, die wir gefunden haben, könnte künftig ein deutlich präziserer Ansatzpunkt für die Diagnostik sein als die bisherigen Modelle.“

Junge Frau mit langen brunetten Haaren schaut den Betrachter direkt an
Dr. Mariia Lupatsii © Privat

„Die spezifische Bakterien-Signatur, die wir gefunden haben, könnte künftig ein deutlich präziserer Ansatzpunkt für die Diagnostik sein als die bisherigen Modelle.“

Dr. Mariia Lupatsii

Kinderwunsch erfüllt sich für viele Paare nicht
„Unsere Arbeit zeigt, dass wir weg von verallgemeinernden Mustern und hin zur Analyse spezifischer mikrobieller Interaktionen müssen“, sagte der weitere Erstautor Dr. Simon Graspeuntner laut Mitteilung. „Die Identifizierung klinisch valider Bakterienbesiedlungen könnte künftig helfen, die Zahl notwendiger Behandlungszyklen zu verringern und Paare vor falschen Erwartungen zu schützen.“
Unerfüllter Kinderwunsch betrifft viele Paare: Schätzungen zufolge sind in Deutschland 15 bis 20 Prozent aller Paare im fruchtbaren Alter im Laufe ihres Lebens davon betroffen. Die in der Fachzeitschrift Human Reproduction Open veröffentlichte Studie untersuchte 266 Patientinnen. Dabei zeigte sich, dass weder die Einteilung in bakterielle Muster – die sogenannten „Community-State-Types-Kategorien“– noch die Vielfalt der Bakterienarten (Alpha-Diversität) statistisch mit dem Eintreten einer Schwangerschaft oder einer Lebendgeburt korrelierten. (PM/RED)

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