
Krankenhausreform: Kliniken im Norden bereiten sich vor
Leistungskonzentration lautet eines der Ziele von Krankenhausreform auf Bundesebene und Krankenhausplanung auf Landesebene. Bestimmte Leistungen sollen von weniger Kliniken in höherer Fallzahl erbracht werden. Viele Gesundheitsexperten halten diese Konzentration für erforderlich - aus Qualitäts- und aus Kostengründen. Welche Klinik in Schleswig-Holstein welche Leistung im kommenden Jahr noch abrechnen kann, steht zwar nicht fest. In den sechs Versorgungsregionen des Landes zeichnen sich aber die ersten Änderungen ab. Standorte, die ihr Leistungsspektrum ändern müssen, arbeiten an neuen Lösungen. Zwei Beispiele:
Nordfriesland
In der Inselklinik Föhr/Amrum stehen 18 Betten - so wenig wie in keinem anderen deutschen Akutkrankenhaus. Grund ist die besondere Lage in Wyk auf Föhr. Die bundesweiten Vorgaben berücksichtigen solche Besonderheiten jedoch nicht. Für die Zentrale Notaufnahme etwa ist eine Intensivstation mit sechs Betten gefordert, was für die Insel illusorisch ist. Immer schwieriger wird es auch, noch Mitarbeitende für das Haus zu finden. Die Reform ist deshalb Anlass, über neue Konzepte nachzudenken. Stephan W. Unger, Geschäftsführer des Klinikums Nordfriesland, denkt deshalb intensiv über die sektorübergreifende Versorgung am Standort Föhr nach.
„Ohne den Ergebnissen des Landeskrankenhausplans, der unter Umständen auch Ausnahmeregelungen enthalten könnte, vorgreifen zu wollen, stellen wir Überlegungen an, wie eine sektorübergreifende Versorgung auf der Insel aussehen könnte. Immer mit dem Ziel vor Augen, Föhr und Amrum auch in Zukunft eine bestmögliche medizinische Versorgung bieten zu können“, sagte Unger. Ein „Erstkonzept" existiere bereits, nun stünden Gespräche mit den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten auf der Insel, mit der KV und dem Rettungsdienst darüber an, wie dieses Konzept weiterentwickelt werden müsse. Unger: „Die Herausforderung liegt in der 24/7 Notfallversorgung – auch bei Nebel oder Sturm." Diese erfordere eine enge und interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Klinik und den niedergelassenen Ärzten auf der Insel. Die Klinik selbst würde weiterhin über stationäre Betten verfügen.
Kreis Segeberg
Zwei private Träger kooperieren hier künftig in der kardiologischen Versorgung. Sie wollen erreichen, dass eine wohnortnahe Versorgung gesichert bleibt, zugleich aber auch ein Zugang zu hochspezialisierter Versorgung besteht. Dafür haben sich die Segeberger Kliniken und die Paracelsus Klinik Henstedt-Ulzburg für den südlichen Teil des Kreises auf ein Konzept verständigt, das nach ihrer Darstellung auch vom Landesgesundheitsministerium begrüßt wird.
Es sieht vor, die stationäre interventionelle Kardiologie künftig am Standort Henstedt-Ulzburg gebündelt wird. Ergänzt wird es um ein ambulantes und gegebenenfalls tagesklinisches Angebot am Standort Norderstedt. Henstedt-Ulzburg versorgt mit dem Herzkatheterlabor kardiologische Notfallpatienten aus dem gesamten südlichen Kreis Segeberg und dem Raum Norderstedt. Patienten, die eine weiterführende spezialisierte Versorgung benötigen – etwa bei komplexen Herzrhythmusstörungen, Herzklappenerkrankungen oder herzchirurgischen Eingriffen – sollen am Herzzentrum der Segeberger Kliniken in Bad Segeberg weiterbehandelt werden. Ziel ist eine durchgängige kardiologische Versorgungskette innerhalb Schleswig-Holsteins.
„Unser Standort Norderstedt wird sich mit zukunftsweisenden ambulanten Versorgungsformen weiterentwickeln, und über die Kooperation mit der Paracelsus-Klinik schaffen wir für die Region eine Versorgungsqualität, die kein Haus alleine in dieser Breite abbilden könnte", wurde Segebergs Geschäftsführer Andreas Mönnig in einer gemeinsamen Mitteilung beider Träger zitiert.
Planungsprozess läuft auch in andere Regionen
In weiteren Regionen wird derzeit über Anpassungen in der Krankenhauslandschaft gesprochen. „Der Planungsprozess geht in die heiße Phase“, sagte KGSH-Geschäftsführer Patrick Reimund. Nach seinen Angaben wissen die meisten Kliniken, wie die Vorstellungen des Ministeriums aussehen. „Es ist damit zu rechnen, dass nicht alle Standorte weiter als Krankenhaus betrieben werden können und nicht alle Träger werden damit einverstanden sein“, sagte Reimund dem Schleswig-Holsteinischen Ärzteblatt. Das bedeutet: Juristische Auseinandersetzungen sind im Nachgang nicht auszuschließen.
Wie auf Föhr werden zum Teil klassische Akutkrankenhäuser in Einrichtungen der sektorenübergreifenden Versorgung überführt werden. „Man muss abwarten, ob das Konzept für diese Einrichtungen aus Versorgungsgesichtspunkten heraus und finanziell überhaupt tragfähig sein wird“, so Reimund.





