
Krankenhausreform: Das plant das Ministerium
„Wir wollen die wohnortnahen Leistungen der Grund- und Basisnotfallversorgung möglichst stärken und komplexe, personalintensive Leistungen dort bündeln, wo sie auch dauerhaft routiniert und in der hierfür erforderlichen Qualität erbracht werden können“, sagte von der Decken. Sie kündigte „Anpassungen und eine stärkere Spezialisierung und Schwerpunktbildung“ an. Verbindliche Bescheide über die jeweilige Zuweisung der Leistungsgruppen sollen den Angaben zufolge im Dezember 2026 an die Kliniken übermittelt werden.
Damit ist die erste Runde der Regionalgespräche mit den Kliniken abgeschlossen. Die Kliniken hatten Ende 2025 rund 850 Anträge auf Zuweisung von Leistungsgruppen gestellt. Bis Ende Juli 2026 prüft der Medizinische Dienst Nord (MD Nord), ob die Kliniken die durch den Bund festgelegten Voraussetzungen für die Erfüllung der einzelnen Leistungsgruppen erfüllen. Die Ergebnisse werden anschließend vom Ministerium unter Berücksichtigung der Leistungsdaten der Kliniken aus dem Jahr 2025 weiter geprüft und die begonnenen Gespräche mit den Kliniken in einer zweiten Runde von Regionalgesprächen fortgeführt. Der Austausch mit den Kliniken wird ergänzt um Gespräche mit den Landesverbänden der Kranken- und Ersatzkassen.

„Wir wollen die wohnortnahen Leistungen der Grund- und Basisnotfallversorgung stärken und komplexe Leistungen dort bündeln, wo sie dauerhaft routiniert und in der erforderlichen Qualität erbracht werden können.“
In Regionalkonferenzen sollen ab Herbst 2026 die bis dahin vorliegenden Ergebnisse mit weiteren Beteiligten auch aus den Kommunen in den sechs Versorgungsregionen vorgestellt und erläutert werden. Aber auch zu diesem Zeitpunkt werde das Verfahren sowohl inhaltlich als auch formell noch nicht abgeschlossen sein, betonte die Ministerin. Die Bescheide über eine Zuweisung beantragter Leistungsgruppen würden den Kliniken im Dezember 2026 übermittelt.
Mögliche Übergangsregelungen für Standorte, denen künftig keine Leistungsgruppe oder aber nicht alle beantragten Leistungsgruppen zugewiesen werden können, sollen in gemeinsamen Gesprächen u.a. mit den Landesverbänden der Kranken- und Ersatzkassen geklärt werden und werden daraufhin individuell beschlossen. Dabei könne es zu Übergangszeiten von bis zu einem Jahr kommen.
Region West (Kreise Nordfriesland, Dithmarschen, Insel Helgoland)
- Das Westküstenklinikum (WKK) in Heide soll gezielt in seiner Rolle als medizinischer Schwerpunktstandort gestärkt werden und zentrale Aufgaben in der komplexen stationären Versorgung übernehmen. Der Standort Brunsbüttel soll als sektorenübergreifenden Versorger eine Brücke zum ambulanten Bereich und zur Pflege bauen.
- Das Klinikum Nordfriesland in Husum soll konsequent weiterentwickelt werden. Der geplante Klinikneubau biete dabei die Chance, moderne Versorgungsstrukturen zu schaffen.
- Die Kliniken Niebüll, Sylt und Föhr dienen der stationären regionalen Grundversorgung. Die Standorte auf Föhr und Helgoland sollen zu sektorenübergreifenden Versorgern werden.
Endoprothetik: Die Entscheidung zwischen dem Klinikum Nordfriesland, Standort Husum, und der Klinik Dr. Winkler steht aus.
Region Süd-West (Kreise Pinneberg, Steinburg, Stadt Norderstedt)
- Das Klinikum Itzehoe soll als zentraler Anker der medizinischen Versorgung in der Region langfristig gesichert und weiterentwickelt werden.
- Die Regio Kliniken in Pinneberg und Elmshorn: Mit dem in Pinneberg geplanten Zentralklinikum soll die gezielte Stärkung von Standorten fortgesetzt werden. Bis zur Realisierung dieses Zukunftsprojekts müssen beide Standorte verlässlich und leistungsfähig aufgestellt werden, insbesondere auch in der Notfallversorgung. Doppelstrukturen sollen abgebaut werden.
- Der Standort Norderstedt der Segeberger Kliniken (Kardiologische Klinik Norderstedt) soll Leistungen, die bislang stationär erbracht wurden, künftig ambulant anbieten. Die Kardiologische Klinik Norderstedt und die Paracelsus-Klinik in Henstedt-Ulzburg wollen kooperieren, um die stationäre kardiologische Versorgung der Region durch den Standort in Henstedt-Ulzburg zu sichern. Ein ergänzendes breites ambulantes oder tagesklinisches Angebot in Norderstedt ist in Planung.
Region Nord-Ost (Stadt Flensburg, Kreis Schleswig-Flensburg, Teile des Kreises Rendsburg-Eckernförde)
- Der geplante Krankenhausneubau Peelwatt (Fusion Malteser Fördeklinikum St. Katharina Waldstraße und Knuthstraße) dient als wichtiger regionaler Versorger.
- In der Schön Klinik Rendsburg wird eine breite und komplexere Versorgung inklusive Notfallversorgung verortet sein.
- Am Helios Klinikum Schleswig soll die gemeinsam mit dem Klinikum Nordfriesland betriebene TeleStroke-Unit als wichtige Versorgungsform für die zeitkritische Schlaganfallversorgung sichergestellt werden.
- In der Fläche an Ostsee und Schlei sollen niedrigschwellige Standorte, wie beispielsweise in Kappeln, zu sektorenübergreifenden Versorgern werden.
- Die geriatrische Versorgung soll weiterentwickelt werden, z. B. am Standort Eckernförde.
Region Mitte (Städte Kiel, Neumünster, Teile der Kreise Rendsburg-Eckernförde. Plön und Segeberg)
- Das UKSH, Campus Kiel, das Städtische Krankenhaus Kiel und das Friedrich-Ebert-Krankenhaus Neumünster nehmen eine tragende Rolle für die stationäre Versorgung, inklusive der Notfallversorgung ein. Die Profile dieser Standorte sollen geschärft werden.
- Das Klinikum Preetz wird seine Rolle in der Grund- und Basisnotfallversorgung mit Schwerpunkt Geratrie weiter festigen.
- Hochspezialisierte Fachkliniken, z. B. das Norddeutsche Epilepsiezentrum, die Schmerzklinik Kiel, die Augenklinik Bellevue oder das Lubinus Clinicum, ergänzen das regionale sowie überregionale Leistungsangebot in besonderer Weise. Weitere sehr spezialisierte Einrichtungen der Versorgungsregion Mitte, wie zum Beispiel die Park Klinik in Kiel in der Mamma-Chirurgie, sollen durch eine klare Konzentration auf ihre jeweiligen Kernkompetenzen ihre besondere Rolle innerhalb der Versorgungslandschaft nachhaltig stärken.
- Die Rollen der einzelnen Standorte sollen auf Grundlage der künftigen strukturellen und qualitativen Anforderungen der bundeseinheitlichen Leistungsgruppen klarer abgegrenzt werden. Diese würden nicht von allen Krankenhausstandorten erfüllt werden können. Aufgrund der räumlichen Nähe in der Region Kiel lasse sich auch nicht für jeden Standort ein eigenständiger und dauerhaft erforderlicher Versorgungsbedarf als Krankenhaus ableiten, so die Ministerin.
- Beispiel Endoprothetik: Es beabsichtigten mehr Standorte, diese Leistungen anzubieten, als es für die Anzahl der Patientinnen und Patienten notwendig sei. Diese Diskrepanz werde im Laufe des weiteren Verfahrens mit den Kliniken eine klare Profilschärfung der Standorte sowie eine konsequente Zuordnung der Leistungsgruppen entsprechend der jeweiligen Versorgungsrollen erforderlich machen.
- Gewachsene Strukturen (z. B. Praxisklinik Kronshagen und Klinik Klosterstraße Neumünster) könnten den Hauptteil ihres jetzigen Leistungsspektrums als ambulantes OP-Zentrum oder Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) fortführen. „Belegärztinnen und Belegärzte, die anstreben, auch weiterhin stationäre Fälle zu operieren, kann das Ministerium bei gemeinsamen Gesprächen mit anderen Krankenhausstandorten unterstützen“, so von der Decken.
Region Ost (Kreis Ostholstein, Teile der Kreise Plön und Segeberg)
- Eutin und Neustadt: Die jeweiligen Versorgungsrollen sollen geschärft werden.
- Die Segeberger Kliniken behalten ihre Schlüsselrolle in der kardiologischen Versorgung.
- Sicherstellung der Versorgung auf der Insel Fehmarn durch AMEOS Standort Oldenburg und ggf. ergänzende Lösungen, beispielsweise den Ausbau der Luftrettung
- Hochspezialisierte Fachkliniken (z. B. Sankt Elisabeth Krankenhaus Eutin, Kinderzentrum Pelzerhaken mit bundesweiter Bedeutung) haben besondere Bedeutung.
Region Süd (Kreise Herzogtum Lauenburg und Stormarn, Lübeck)
- Krankenhaus Geesthacht entspricht mit einem niedrigschwelligen Angebot in den Bereichen Innere Medizin, Geriatrie und Psychiatrie dem Leistungsspektrum eines sektorenübergreifenden Versorgers.
- St. Adolf Stift Reinbek hat eine besondere Rolle als Notfallversorger und in der Geburtshilfe. Mit der für Herbst 2026 geplanten Eröffnung des Integrierten Notfallzentrums und der Inbetriebnahme einer bereits vor zwei Jahren ausgewiesenen Neurologie wird dieser Standort gestärkt.
- Das UKSH, Campus Lübeck, und die Sana Kliniken Lübeck bleiben tragende Säule für die komplexe Notfallversorgung in der gesamten Region.
- Das Geriatriezentrum Rotes Kreuz Lübeck sowie die Kliniken für Geriatrie in Ratzeburg und in Bad Oldesloe sollen als Fachklinik künftig wohnortnah die geriatrische Versorgung sicherstellen.
- Die Praxisklinik Travemünde erfüllt die Voraussetzung für die Leistungsgruppen voraussichtlich nicht. Die ambulante wohnortnahe Versorgung soll dort künftig durch eine ambulante qualifizierte Facharztversorgung sichergestellt werden. Die stationäre Versorgung soll durch die Sana Kliniken Lübeck sichergestellt werden.
- Die orthopädischen Fachkliniken in Manhagen und die LungenClinic Grosshansdorf als eines der wenigen deutschlandweit G-BA-zertifizierten Lungenzentren sollen auch künftig überregional bedeutsam sein.





