
Kooperation der Register soll verbessert werden
Wie können internationale Reanimationsregister noch enger zusammenarbeiten, Daten besser vergleichbar machen und neue wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in die Versorgung übertragen? Mit diesen Fragen haben sich 35 Expertinnen und Experten aus Europa, Nordamerika, Asien und Australien beim Treffen des Global Out-of-hospital-Cardiac-Arrest-Registry Network (GOHCAR) in Kiel befasst. Gastgeber waren die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI) über das Deutsche Reanimationsregister sowie das Institut für Rettungs- und Notfallmedizin (IRuN) des UKSH.
Gemeinsame Projekte vorbereitet
Im Mittelpunkt des zweitägigen Treffens standen der internationale Wissensaustausch, die Vernetzung der beteiligten Register und die Vorbereitung gemeinsamer Projekte zur Verbesserung der Reanimationsversorgung. Die vertretenen Netzwerke stellten aktuelle Daten, wissenschaftliche Ergebnisse, Publikationen und laufende Forschungsvorhaben vor. Beteiligt waren unter anderem Vertreterinnen und Vertreter aus dem europäischen EuReCa-Netzwerk des European Resuscitation Council (ERC), dem US-amerikanischen CARES-Register, PAROS aus Asien, Aus-ROC aus Australien und Neuseeland, CanROC aus Kanada sowie BASIC aus China.
Versorgung weltweit messbar
„Das Treffen war fachlich und menschlich herausragend. Der intensive persönliche Austausch zeigt, wie groß das gemeinsame Interesse ist, voneinander zu lernen und die internationale Registerforschung konsequent weiterzuentwickeln“, sagte IRuN-Direktor Prof. Jan-Thorsten Gräsner, der auch Sprecher des Deutschen Reanimationsregisters ist, anschließend. „Unser gemeinsames Ziel ist es, die Versorgung nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand weltweit messbar zu verbessern.“
Die Schwerpunkte der Tagung
Ein Schwerpunkt der Beratungen lag auf der internationalen Harmonisierung der Datenerhebung. In einem Workshop diskutierten die Teilnehmenden die Entwicklung eines gemeinsamen Datenwörterbuchs, eines international abgestimmten Kerndatensatzes und eines regelmäßigen Benchmarking-Berichts. Einheitliche Falldefinitionen und Kodierungen sollen dazu beitragen, Unterschiede zwischen Versorgungssystemen präziser zu analysieren und erfolgreiche Strategien besser zu identifizieren.
Diskutiert wurde auch der Umgang mit Fällen, in denen Wiederbelebungsmaßnahmen vorzeitig beendet wurden. Eine möglichst einheitliche Erfassung solcher Situationen ist für die wissenschaftliche Interpretation von Registerdaten von besonderer Bedeutung. Ergänzend wurden Ergebnisse einer internationalen Konsensumfrage zu Einschlusskriterien und zur Kodierung von Wiederbelebungsmaßnahmen vorgestellt.
KI-Einsatz in der Datenerhebung
Ein weiterer zentraler Themenblock war die Nutzung Künstlicher Intelligenz. Die Teilnehmenden diskutierten, wie KI künftig zur intelligenten Datenerhebung, zur strukturierten Auswertung großer Datenmengen und zur Qualitätssicherung eingesetzt werden kann. Ein besonderes Augenmerk galt der Frage, wie Unterschiede bei der Anwendung und Interpretation der sogenannten Utstein-Definitionen automatisiert erkannt und analysiert werden können.
Die Utstein-Empfehlungen bilden eine international anerkannte Grundlage für die standardisierte Dokumentation und den Vergleich von Reanimationsdaten. Eine konsistentere Umsetzung könnte die Aussagekraft internationaler Studien weiter erhöhen.
Kooperationsnetzwerk pediRES-Q
Darüber hinaus wurde die systematische Erfassung von Beatmungsdaten in Reanimationsregistern vorgestellt und erörtert. Solche Daten können künftig dazu beitragen, die Qualität der Wiederbelebungsmaßnahmen noch differenzierter zu bewerten.
Mit dem internationalen Kooperationsnetzwerk pediRES-Q wurde zudem eine Initiative zur Qualitätssicherung bei der Wiederbelebung von Kindern vorgestellt. Ziel des Netzwerks ist es, durch Forschung, Wissenstransfer und die Verbreitung optimaler Behandlungsstrategien die Überlebenschancen von Kindern nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand zu verbessern — sowohl im Krankenhaus als auch im präklinischen Umfeld.
Digitale Treffen unterjährig, in Präsenz 2027 in Vancouver
Die Teilnehmenden vereinbarten, die besprochenen Themen in unterjährigen digitalen Treffen weiterzuentwickeln und konkrete gemeinsame Forschungsprojekte vorzubereiten. Damit soll die internationale Zusammenarbeit kontinuierlich fortgeführt werden. „Registerdaten entfalten ihren größten Nutzen, wenn sie nicht isoliert betrachtet werden, sondern wenn wir sie international vergleichen und gemeinsam interpretieren“, betonte Gräsner. „Gerade durch die Kombination aus wissenschaftlicher Zusammenarbeit, gemeinsamen Standards und neuen digitalen Möglichkeiten können wir entscheidende Fortschritte erzielen.“
Das nächste GOHCAR-Präsenztreffen ist für das kommende Jahr im kanadischen Vancouver geplant. (PM/RED)




