
Kollege Roboter und die OP mit der Smartbrille
Eine Ballerina, deren amputierte Arme und Beine durch Pflanzenfasern ersetzt werden. Ein Vorgespräch vor einem Eingriff, zu dem sich Arzt, Pflegekraft und die Familie des Patienten mit einem Roboter zusammensetzen – und Gott schaut ihnen über die Schultern. DNA-Stränge vor farbigem Hintergrund oder als Element in einem Wimmelbild: Fast 150 Bilder, Zeichnungen und Collagen reichten Hobbykünstlerinnen und -künstler aus Kiel und Umgebung im Rahmen des Wettbewerbs „Kiel malt“ bis Ende Juli ein.
„Es geht um die kreative Auseinandersetzung mit unserer Arbeit und der Zukunft der Medizin“, sagte Johann Philipp Lubinus, Geschäftsführer der Lubinus Kliniken, bei einer Veranstaltung zum dreifachen Jubiläum der Klinikfamilie, das den Anlass für die Aktion „Kiel malt“ bietet.
Breites Spektrum an Kunstwerken
Gerd Rapior, der als Sprecher der Lubinus Kliniken den Wettbewerb konzipiert hat, freut sich über das breite Spektrum an Kunstwerken, die eingereicht wurden. Mit dabei sind Zeichnungen, Tuschebilder, Aquarelle, Collagen und Werke in Mischtechniken. Mitmachen durften Personen aus Kiel und den Nachbargemeinden der Landeshauptstadt. Das Mindestalter betrug 16 Jahre. Angesprochen fühlten sich offenbar alle Altersgruppen: Der jüngste Teilnehmer ist 16 Jahre alt, die Älteste bereits 89.
Bekannt gemacht wurde der Wettbewerb über Artikel in den „Kieler Nachrichten“, die als Medienpartner gewonnen werden konnten, per Social Media und mit Plakaten in der Stadt. „Für mich ganz unerwartet haben die meisten erzählt, dass sie vor allem durch die Plakate aufmerksam geworden sind“, berichtete Rapior.
Pop-up-Pavillon wird zur Galerie
Den Sommer über hängen ausgewählte Bilder des Wettbewerbs im Pop-up-Pavillon auf dem Alten Markt in Kiel. Die Räumlichkeiten stellt die Stadt Kiel zur Verfügung, die ebenfalls zu den Partnern des Wettbewerbs zählt. Auch diese Idee, das eigene Werk im öffentlichen Raum präsentieren zu dürfen, scheint viele Menschen motiviert zu haben, sich an dem Wettbewerb zu beteiligen. Rapior erzählt von einer jungen Frau, die ihr noch tuschefeuchtes Bild persönlich im Pavillon abgab, damit es einen Platz in der Ausstellung erhielt.
Siegerbild wird auf Kieler Stadtbus gedruckt
Von Ende Juli bis Ende September schließt sich eine weitere Ausstellung im Lubinus Clinicum im Steenbeker Weg 25 in Kiel an. Darüber hinaus sind alle Werke in einer Online-Galerie auf der Homepage der Lubinus Kliniken zu sehen. Dort, aber auch in den Ausstellungen vor Ort, können Bürgerinnen und Bürger aus Kiel und den beteiligten Nachbargemeinden an einer Abstimmung teilnehmen. Das Bild, das dabei die meisten Stimmen erhält, wird auf besondere Weise geehrt: Es wird großflächig auf einen Bus der Kieler Verkehrsbetriebe gedruckt und fährt mehrere Wochen lang durch Kiel – mit dem Namen der Künstlerin oder des Künstlers. Zudem wird ein Preisgeld von 1.000 Euro für den ersten, 750 Euro für den zweiten und 500 Euro für den dritten Preis ausgelobt.
Hohe künstlerische Qualität
„Ich bin begeistert von der künstlerischen Qualität vieler Arbeiten, aber auch von dem breiten inhaltlichen Spektrum“, sagte Rapior. So ist die menschliche Seite der Medizin ein wichtiger Bestandteil vieler Werke. Anne-Katrin Schön etwa spielt in ihrer Collage „Verbundensein“ mit dem doppelten Sinn dieses Begriffs und integriert eine Schleife aus Verbandsmull in ein abstraktes Bild in Blautönen. Ramo Scherihan zeichnet eine Szene am Krankenbett, bei der eine Pflegekraft liebevoll einen weißhaarigen Patienten betreut: „Ich kenn dich wieder“, lautet der Titel. „Positive Gedanken“ stellt Antje Scheidler in ihrem abstrakten Werk aus Grün- und Rottönen dar.
Auseinandersetzung mit KI-Medizin
Ein Großteil der eingereichten Bilder oder Collagen befasst sich aber mit den neuen technischen Möglichkeiten, die die Medizin in Zukunft vermutlich wird einsetzen können. So malte Kathrin Lange einen fröhlichen Roboter, der einen Maschinenarm und eine menschliche Hand hat – „Just twice as strong“, doppelt so stark, lautet der Titel. Nike Walloßek malte einen Arzt mit einer rosafarbenen Smartbrille, der ein Herz operiert. Suse Albrecht zeigt eine Ärztin mit einer ähnlichen Brille. „Tradition und Innovation“ nennt Christiane Timm ihr Bild, auf dem sich ein indigener Schamane und ein metallisch-glänzender Roboter die Hände schütteln. Mohamid Omar malte eine Ärztin, die das virtuelle Drei-D-Bild eines Patienten studiert, assistiert von einem Roboter, der ihr die Daten übermittelt. Einen ironischen Zugang wählt Marina Nowak mit ihrem Werbeplakat für die fiktive Firma „Gen-Scher“, die werdenden Eltern „Qualitätsbabys“ verspricht.
„Gesundheit ist ein Thema, das buchstäblich jede und jeden von uns angeht. Deshalb gibt es zu diesem Thema auch so unendlich viele Zugänge“, sagte Landtagspräsidentin Kristina Herbst. Die CDU-Politikerin ist Schirmherrin des Malwettbewerbs. Sie findet es spannend, dass dieses Projekt eine neuartige und kreative Herangehensweise an das Thema gewählt habe.





