Mann mit grauen Haaren und im kurzen weißen Shirt steht im Freien und schaut frontal in die Kamera.
Dr. Georg Hillebrand © Dirk Schnack
Dr. Georg Hillebrand © Dirk Schnack

Klinikum Itzehoe: Versorgung wichtiger als Rendite

Was reizt Ärztinnen und Ärzte an der Arbeit in einem Klinikum, das mit einem Zweckverband einen besonderen Träger hat? Der ärztliche Direktor Dr. Georg Hillebrand beschreibt im Gespräch mit dem Schleswig-Holsteinischen Ärzteblatt seine Eindrücke aus dem Klinikum Itzehoe und berichtet, warum er das Haus gut aufgestellt sieht für die Zukunft.

Dirk Schnack

Das Klinikum Itzehoe besteht seit 50 Jahren, Sie selbst sind seit 13 Jahren im Haus. Was hat Sie so lange hier gehalten? 

Die Arbeitsbedingungen waren immer gut und ich hoffe, dass Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung und die Oberärztinnen und Oberärzte das genauso empfinden. Nach meiner Wahrnehmung zeichnen Kollegialität, flache Hierarchien und ein offener Dialog unsere Arbeit aus. Als wohltuend empfinde ich, dass dies auch in Richtung Träger geht. Wir bekommen die Möglichkeit, Versorgung für die Region zu gestalten und an stetigen Verbesserungen zu arbeiten. 

Wie zeigt sich das konkret in der täglichen Arbeit? 

Zum Beispiel an der Etablierung des Sozialpädiatrischen Zentrums. Das konnten wir 2017 gründen, um Patientinnen und Patienten unter 18 Jahren ambulant zu betreuen. Kernaufgabe ist die Betreuung von Menschen, die von Behinderung bedroht oder betroffen sind. Wir schauen dort zunächst, warum ein Kind sich nicht altersgerecht entwickelt und starten dann mit akribischer Diagnostik. Das ist aufwendig und war mit erheblichen Investitionen verbunden. Die Bereitschaft zu diesen Investitionen und dazu, nicht schon in den ersten Jahren schwarze Zahlen zu erwarten, ist nicht selbstverständlich. Ich betrachte das als Besonderheit, die zeigt, wie wichtig unserem Träger die Versorgungsgestaltung ist. 

Ihr Träger ist ein Zweckverband aus dem Kreis Steinburg und der Stadt 
Itzehoe. Was bedeutet diese spezielle Konstellation für das Klinikum? 

Der Verband ist zu dem Zweck gegründet worden, die Krankenversorgung der Menschen in Stadt und Landkreis sicherzustellen, und zwar durch stationären Klinikbetrieb, aber auch durch teil, vor- und nachstationäre Leistungen. Auch Pflegeleistungen durch das Seniorenzentrum Itzehoe gehören zu den Aufgaben des Zweckverbandes. Für den Verband stehen diese Aufgaben im Vordergrund und sind in der Satzung klar geregelt. Das ist für mich der wichtigste Unterschied zu einem privaten Träger, der eine gewisse Rendite erwartet. Für unseren Träger nehme ich wahr, dass er die Verantwortung für eine gute medizinische und pflegerische Versorgung in der Region ernst nimmt. Das färbt ab auf die Einstellung der hier Beschäftigten. Wir fühlen uns verantwortlich und stellen die Versorgung in den Mittelpunkt, das Zusammengehörigkeitsgefühl ist groß und wir haben eine geringe Fluktuation.

Das klingt gut, aber auch das Klinikum Itzehoe schreibt derzeit rote Zahlen. Das kann sich auch ein Zweckverband nicht lange leisten. Wie groß ist die Geduld des Zweckverbands? 

Es ist richtig, dass auch Itzehoe – wie rund 80 Prozent aller Krankenhäuser – zuletzt nicht in der Gewinnzone war. Wir haben deshalb vor zwei Jahren Veränderungsprozesse in Gang gesetzt, die bereits Erfolge zeigen. Dabei ging es im Schwerpunkt nicht um Personaleinsparungen, sondern um eine Optimierung der Prozesse. Wir haben uns zum Beispiel intensiv mit Verweildauern und deren Steuerung beschäftigt. Die Wiedereröffnung geschlossener stationärer Kapazitäten und OP-Säle hat wesentlich zu einem verbesserten wirtschaftlichen Ergebnis geführt. 
Außerdem haben wir durch kluge Zusammenlegung von Stationen einen hohen Anteil an Leiharbeit in der Pflege reduziert. Das sind nur einige von mehreren Maßnahmen, die wir ergriffen haben. Im vergangenen Jahr haben wir das im Ergebnis schon gespürt, ohne schon schwarze Zahlen zu schreiben. Aber wir haben den Turnaround geschafft und in diesem Jahr wird es nach meiner Einschätzung noch einmal besser. 

Krankenhäuser müssen also nur ihre Hausaufgaben machen, dann sind sie auch wirtschaftlich zu betreiben?

Natürlich müssen auch die Rahmenbedingungen, die uns gestellt werden, stimmen. Für uns als Schwerpunktversorger erkenne ich in der Idee, die der Krankenhausreform mit einer stärkeren Konzentration von Leistungen zugrunde liegt, gute Ansätze. Wenn das vernünftig ausgestaltet wird, ist unser Haus gut aufgestellt für neue Rahmenbedingungen. Es ist kein konstruktiver Ansatz, wenn Krankenhäuser nur mehr Geld fordern. Wir müssen uns den Herausforderungen stellen.

Was sind denn die wichtigsten Herausforderungen? 

Sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie Medizin und Krankenhausversorgung künftig aussehen werden. Für mich ist gesetzt: Wir müssen zu einer engeren Zusammenarbeit und zu einem Austausch über die Frage kommen, ob wir uns getrennte Sektoren künftig noch leisten können. An diese Frage müssen wir dringend ran! Zugleich gilt es, das Potenzial der Hochleistungsmedizin und der Digitalisierung zu heben. Es muss uns gelingen, dass Digitalisierung und KI uns Zeit für unsere wesentlichen Aufgaben am Patienten verschaffen. 

In Schleswig-Holstein laufen die Gespräche zur neuen Krankenhausplanung. Erste Punkte sind öffentlich bekannt. Was kommt auf das Klinikum Itzehoe zu?  

Wir sind eines von drei Krankenhäusern in der Region Südwest, zusammen mit dem künftigen Zentralkrankenhaus des Kreises Pinneberg. Dort entsteht neben uns ein großes, leistungsfähiges Haus. Außerdem gibt es noch das deutlich kleinere Krankenhaus in Henstedt-Ulzburg. Wir sind mit unserer Größe und unserem Leistungsportfolio für diese Region unverzichtbar. Häuser vergleichbarer Größe sind rund 50 Kilometer entfernt. Wir haben viele Leistungsgruppen beantragt und ich bin optimistisch, dass unser Haus gestärkt aus der Planung hervorgehen wird.

Haben kleine Häuser keine Zukunft?  

Doch, unter anderen Bedingungen. Ich erwarte aber, dass die Kliniken in den kommenden Jahren eine gewisse Mindestgröße haben müssen, um zum Beispiel die Vorteile der Digitalisierung voll nutzen zu können. Aber auch, um mit interdisziplinärer Koordination und fachlicher Tiefe anspruchsvolle Medizin mit besten Ergebnissen zu erzielen. Das wird an kleineren Standorten immer schwieriger. Krankenhäuser mit einem breiten Leistungsportfolio sind beim ärztlichen Nachwuchs begehrt. Wir haben bis heute keine Probleme, junge Ärztinnen und Ärzte zu finden. Als akademisches Lehrkrankenhaus der Universitäten Kiel, Lübeck und Hamburg bewerben sich viele künftige Kolleginnen und Kollegen bei uns. Und für Ärzte, die in Hamburg leben, sind wir gut erreichbar. Das sind bessere Bedingungen als für viele andere Krankenhäuser.

Groß genug und gut erreichbar – reicht das, um sich keine Sorgen um den ärztlichen Nachwuchs zu machen?  

Nein. Ein Krankenhaus muss mehr bieten. Flache Hierarchien zum Beispiel sorgen dafür, dass junge Ärztinnen und Ärzte eher den Austausch suchen und mit Fragen zu den erfahrenen Kolleginnen und Kollegen gehen. Integrierte digitale Medien erleichtern die Informationsbeschaffung und das Lernen. Ich nehme wahr, dass unserem Haus das gelingt.

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