
Kliniken an der Westküste: Millionenverluste durch GKV-Spargesetz
Wie die Westküstenkliniken (WKK) Heide und das Klinikum Nordfriesland diese Defizite ausgleichen sollen, wissen deren Geschäftsführer Dr. Martin Blümke (WKK) und Stephan W. Unger nicht. Nach ihrer Ansicht gibt es nur zwei Optionen:
- Die Träger – Landkreise und Kommunen – müssen die Millionen zusätzlich aus ihren Haushalten schultern.
- Die Leistungen in der Patientenversorgung müssen eingeschränkt werden.
„Das kann niemand wollen“
Beide Optionen halten sie für nicht zielführend. „Das kann niemand wollen“, wurden sie in einer gemeinsamen Pressemitteilung zitiert. Beide Kliniken hatten zuvor in einer Informationsveranstaltung für Abgeordnete von Bund, Ländern und Kommunen sowie für Bürgermeister und Verwaltungsbeamte aus den den beiden Kreisen auf die Folgen des Spargesetzes der Bundesregierung aufmerksam gemacht.
Wie lange tragen die Kreise die Verluste noch?
Zur Mehrbelastung für die Kreise: „Bislang stehen die Kreise – und damit die kommunale Familie – hinter uns und sorgen für eine Verlustübernahme“, erklärten die Geschäftsführer. Allerdings wachsen bei ihnen die Sorgen, weil die zusätzlichen Millionenbelastungen auch die Kreise finanziell an ihre Grenzen bringen könnten. „Das Vorgehen des Gesetzgebers ist ein Griff in die Kassen Dritter“, verdeutlichte Unger. Indem die Kreise schon seit Jahren für die entstehenden Verluste aufkommen, habe der Bund eine zusätzliche Geldquelle angezapft, die rechtlich nicht vorgesehen gewesen sei.
Innovative Wege früh eingeschlagen
Unger und Blümke machten auch deutlich, dass aus ihrer Sicht beide Häuser schon früh nach innovativen Wegen für eine hochwertige stationäre Versorgung auch unter verschärften Rahmenbedingungen gesucht und gefunden hätten. Als Beispiel nannte Unger die Umwandlung der Klinik in Tönning in ein ambulantes regionales Gesundheitszentrum und die Aufgabe der Geburtshilfen in Niebüll und Wyk. Blümke hob das Westküstenklinikum Brunsbüttel hervor, das vor mehr als sieben Jahren in ein Integriertes Versorgungszentrum umgebaut worden ist und damals Pilotcharakter für die Krankenhausversorgung in ländlichen Raum hatte.
„Gravierende Schwächung des Fundaments”
Die Urteile der Klinikchefs über die Gesundheitsgesetzgebung auf Bundesebene fiel vernichtend aus. „Die Bundesregierung wirft uns mit ihren Sparplänen Stöcke zwischen die Beine“, sagte Blümke. „Statt die Krankenhäuser vor den wachsenden Gefahren unterschiedlicher Natur krisensicher zu machen, droht eine weitere gravierende Schwächung des Fundamentes, auf dem sie stehen. Wie schnell Kapazitäten erschöpft sein können, haben wir während der Pandemie erleben müssen“, warnte Unger.
Kliniken mit mehreren Standorten
Der Schwerpunktversorger WKK unterhält neben dem großen Haus in Heide einen zweiten Standort in Brunsbüttel. Die frühere Klinik ist inzwischen ein Integriertes Versorgungszentrum. Das Klinikum Nordfriesland hat neben der Klinik in Husum noch Standorte in Niebüll und Föhr/Amrum sowie das regionale Gesundheitszentrum in Tönning.
Existenzsorgen auch bei Praxisinhabern
Die Folgen des GKV-Spargesetzes treiben nicht nur die Kliniken um. Die Ärztekammer Schleswig-Holstein und weitere ärztliche Organisationen, Berufsverbände, niedergelassene Ärzte und Rettungsdienste machen darauf aufmerksam, dass die Existenz vieler Einrichtungen gefährdet ist und Einschnitte in der Gesundheitsversorgung bevorstehen. Die Krankenkassen dagegen warnen davor, das Gesetz zu verwässern. Sie befürchten, dass sie entstandene Defizite sonst nicht mehr ausgleichen können. Die klare Linie der Krankenkassen in dieser Frage hatte Barmer-Chef Prof. Christoph Straub jüngst bei einer Veranstaltung seiner Kasse in Kiel betont.





