Cover des Herzberichtes
© Deutsche Herzstiftung
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„Kardiologen sind besorgt und alarmiert“

Der aktuelle Herzbericht der Deutschen Herzstiftung zeigt: Trotz Fortschritten in der Therapie bleibt die Krankheitslast durch die Koronare Herzkrankheit (KHK) auch in Schleswig-Holstein hoch. Die Herzstiftung nennt Prävention und Aufklärung als entscheidende Faktoren, um der KHK entgegenzuwirken.

Dirk Schnack

Eine Herzkrankheit war laut aktuellem Herzbericht die Hauptdiagnose bei fast jedem zehnten (9,3 Prozent) Krankenhauspatienten in Deutschland im Berichtsjahr 2023. Die Krankenhausdiagnosestatistik erfasste insgesamt 17.597.125 vollstationäre Fälle. Von den ausgewählten Diagnosen entfielen 57,8 Prozent auf Männer und 42,2 Prozent auf Frauen. Die zahlenmäßig größte Gruppe sind die über 65-Jährigen. Die wichtigsten Herzerkrankungen waren die KHK (574 Fälle je 100.000 Einwohner), Herzrhythmusstörungen (515) und Herzinsuffizienz (464).  In der Gesamtheit waren kardiovaskuläre Erkrankungen für 28,5 Prozent aller Todesfälle in Deutschland verantwortlich. Dabei wurden chronische Koronare Herzkrankheit und akuter Myokardinfarkt am häufigsten als zugrunde liegende Todesursache angegeben.

So sieht es in Schleswig-Holstein aus
Im nördlichsten Bundesland waren 18.398 Menschen im Berichtsjahr von KHK betroffen. Mit 530 KHK-Patienten je 100.000 Einwohner liegt Schleswig-Holstein damit unter dem Bundesdurchschnitt. Davon entfielen 7.022 (202 je 100.000) auf einen akuten Myokardinfarkt. 19.172 Menschen (541 je 100.000) hatten Herzrhythmusstörungen, 4.015 Menschen  Herzklappenkrankheiten (107 je 100.000) und 15.488 litten an Herzinsuffizienz (410 je 100.000).
Der Bericht verzeichnet 5.609 an Herzkrankheiten Gestorbene für Schleswig-Holstein, darunter 2.422 Frauen. 2.069 dieser Todesfälle entfielen auf den akuten Myokardinfarkt, 1.083 auf Herzklappenkrankheiten, 1.057 auf Herzrhythmusstörungen und 1.061 auf Herzinsuffizienz.
In Schleswig-Holstein versorgt ein Kardiologe im rechnerischen Durchschnitt 22.813 Einwohner. Zum Vergleich: Vier Jahre zuvor, im Jahr 2019, waren es noch 20.890. 130 berufstätige Kardiologen weist der Bericht für den Norden aus. In Nordrhein-Westfalen, wo 310 Kardiologen berufstätig sind, kommen 58.679 Einwohner auf einen Kardiologen. In Hamburg dagegen gibt es 144 Kardiologen, die rechnerisch 13.265 Einwohner versorgen – allerdings sind hier die Patienten aus den umliegenden Bundesländern nicht eingerechnet. 

Strukturelle Entwicklungen in der Herzmedizin
Der Bericht zeigt auch, dass die Zahl der berufstätigen Kardiologen in Deutschland rückläufig ist – im Vergleich zu 2019 um zehn Prozent. Insgesamt waren in Deutschland im Berichtsjahr 3.546 Kardiologen berufstätig. Um den gleichen Prozentsatz nahm die Zahl der Kardiochirurgen im genannten Zeitraum zu, und zwar auf 1.249. Bei den Koronar-Computertomographien ist eine stetige Zunahme auf zuletzt 59.757 Untersuchungen zu verzeichnen, aber kaum eine Veränderung bei der Anzahl der Koronarangiographien und -interventionen. Zwischen 2011 und 2023 ist die Zahl der Herzoperationen mit und ohne Herz-Lungen-Maschine zurückgegangen (2011: 91.823, 2023: 72.131), die isolierte Bypass-Operation von 41.976 im Jahr 2011 auf 28.996 in 2023. Laut Herzstiftung ist eine sektorenübergreifende Versorgung von Patienten mit angeborenen Herzfehlern im Kindesalter derzeit garantiert.

Forderung: Defizite in Prävention und Früherkennung beheben
Defizite in Prävention und Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind laut Herzstiftung der Grund dafür, dass Deutschland in der Lebenserwartung trotz hoher Gesundheitsaufwendungen im Vergleich zu anderen westeuropäischen Ländern nur hintere Ränge (unter 16 Ländern Rang 14 bei den Frauen/Rang 15 bei den Männern) belegt. Deutschland habe seinen Rückstand auf die durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt im restlichen Westeuropa auf 1,7 Jahre vergrößert, gab die Stiftung zu bedenken. „Kardiologen sind besorgt und alarmiert”, hieß es in einer heute veröffentlichten Mitteilung. Die Herzstiftung sprach sich angesichts der Zahlen für standardisierte Vorsorgeprogramme zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus. „Je früher wir aktiv mit gezielter Prävention und Früherkennung vorsorgen, desto besser“, wird der Kardiologe Prof. Stephan Baldus, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung, zitiert. Zusammen mit derDeutschen Gesellschaft für Kardiologie setzt sich die Stiftung deshalb für regelmäßige Herz-Kreislauf-Gesundheitschecks im besten Fall ab 35 und spätestens ab 50 Jahren ein. 

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