PD Dr. Svenja Meyhöfer
PD Dr. Svenja Meyhöfer © UKSH
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„Diabetologen können Patienten vor Gelenk-OP gezielt unterstützen"

Was bedeutet ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel für Entzündungsprozesse im Körper? Solche und weitere Fragen klärte das Schleswig-Holsteinische Ärzteblatt anlässlich der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik in Berlin im Gespräch mit PD Dr. Svenja Meyhöfer aus der I. Medizinische Klinik des UKSH in Lübeck, die auch die dortige Adipositas-Tagesklinik leitet.

Uwe Groenewold

Dauerhaft erhöhte Blutzuckerspiegel triggern Entzündungsprozesse im Körper. Tritt bei Diabetespatienten tatsächlich gehäuft Arthrose auf?

Aus klinischer Erfahrung zeigt sich, dass Arthrose bei Diabetespatientinnen und -patienten häufiger auftritt als bei Stoffwechsel-gesunden Personen. Dies ist multifaktoriell erklärbar: Chronisch erhöhte Blutzuckerwerte fördern zum Bespiel die Bildung von sogenannten Advanced Glycation End Products (AGEs), die sich im Kollagen des Knorpelgewebes ablagern, die Gewebesteifigkeit erhöhen und dadurch die mechanische Belastbarkeit des Gelenkknorpels mindern. Zusätzlich ist Diabetes mit einer dauerhaften, niedrig-gradigen systemischen Entzündung assoziiert, die als Risikoverstärker degenerative Gelenkprozesse wirkt. Hinzu kommen häufige Begleitfaktoren wie Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen und Bewegungsmangel, die die Gelenkdegeneration weiter beschleunigen.

Führt Diabetes zu vermehrten Komplikationen bei Knie- und Hüftprothesen?

Chronisch hohe Blutzuckerwerte beeinträchtigen nachweislich die Wundheilung, und diese Problematik spiegelt sich auch in meiner klinischen Beobachtung wider. Diabetespatienten, insbesondere wenn der Stoffwechsel schlecht eingestellt ist, haben ein deutlich erhöhtes Risiko für post-operative Wundheilungsstörungen und Infektionen im Bereich von Knie- oder Hüftprothesen. 

Mit welchen Folgen?

Eine Infektion an oder rund um eine Gelenkprothese ist eine besonders schwerwiegende Komplikation, da sie oftmals lange antibiotische Therapien, operative Revisionen oder im schlimmsten Fall den Austausch der Prothese erforderlich machen kann. Zudem sehe ich in der Versorgungspraxis, dass auch die Gewebeintegration der Prothese, also das störungsfreie Einheilen in die umgebenden Strukturen, durch Stoffwechselentgleisungen beeinträchtigt sein kann. Schmerzen, Infekte oder längere Phasen der Immobilität können wiederum zu Blutzuckerschwankungen führen, wodurch weitere Komplikationskreisläufe entstehen können.

Was können Diabetologen hier leisten?

Sie können ihre Patientinnen und Patienten sowohl vor als auch nach einer geplanten Endoprothesen-Operation gezielt unterstützen. Vor einem chirurgischen Gelenkeingriff kann eine Optimierung der Blutzuckerwerte, der Lipidprofile, des Blutdrucks und – falls möglich – auch des Körpergewichts die allgemeine OP-Resilienz deutlich verbessern. 

Wie kann dies gelingen?

Durch gezielte Ernährungsberatung und Anleitung zu körperlicher Aktivität kann der Glukosestoffwechsel stabilisiert und gleichzeitig die muskuloskelettale Belastbarkeit verbessert werden, was auch für die Rehabilitation nach der Operation von Vorteil ist. Patienten profitieren besonders von der Schulung im Erkennen von Entzündungs- oder Infektionszeichen, denn damit können Komplikationen frühzeitig identifiziert und behandelt werden. Außerdem kann eine strenge Blutzuckerkontrolle mit engmaschiger Anpassung der antidiabetischen Medikation nach der Operation, vor allem bei Schmerzen, Infekten oder veränderter Mobilität, helfen, den Heilungsprozess zu begünstigen und potenziell eskalierende Komplikationen zu vermeiden oder abzumildern. Somit können therapeutische Maßnahmen bei Diabetes nicht nur den metabolischen Status verbessern, sondern auch den gesamten perioperativen Verlauf positiv beeinflussen.

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