
Im Nord-Osten wenig Neues
Die Teilnehmer, darunter einige Landtagsabgeordnete und zahlreiche Akteure des Gesundheitswesens, füllten den Sitzungssaal des Kreistags Schleswig-Flensburg nur zur Hälfte. Die Region Nord-Ost reicht von der dänischen Grenze bis zum Nord-Ostsee-Kanal. Sie umfasst neben den Städten Flensburg, Schleswig und Rendsburg zahlreiche kleine Gemeinden an Schlei und Ostsee.
Am Anfang der Konferenz gab es „Zahlen, Daten, Fakten“, so von der Decken. Rund 460.000 Menschen leben in diesem Gebiet, dazu kommen, besonders im Sommer, zahlreiche Touristen. Einheimische und Gäste werden zurzeit in neun Kliniken versorgt. Etwa 85.000 Personen werden pro Jahr stationär in ein Krankenhaus aufgenommen. Die meisten davon, knapp 83.000 Fälle, lassen sich in einem Krankenhaus im Nahbereich behandeln. „Die Region versorgt sich also relativ gut selbst“, sagte von der Decken. Nur gut 2000 Fälle würden in Kliniken außerhalb behandelt, etwa im UKSH Kiel, im Westküsten Klinikum oder außerhalb Schleswig-Holsteins.
In sechs Regionalkonferenzen im Land wird derzeit über die Folgen der Krankenhausreform für die jeweiligen Regionen informiert. Die ersten Konferenzen haben gezeigt, wie groß der Informationsbedarf ist und wo noch hinter den Kulissen um Änderungen gerungen wird. Was bislang feststeht und welche Folgen der Reform in der Öffentlichkeit bislang kaum wahrgenommen werden, erklärt der Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein, Prof. Henrik Herrmann.
Freie Arztwahl bleibt bestehen
Philipp Letzgus vom Gutachterbüro Lohfert & Lohfert erklärte, warum der Blick auf die Patientenströme so wichtig sei: „Vielleicht sieht man eine auffallende Zu- oder Abwanderung bei bestimmten Kliniken oder besonderen Behandlungen und kann dort nachsteuern.“ Solche Auffälligkeiten gab es aber in der Region Nord-Ost nicht. Von der Decken betonte, dass selbstverständlich eine freie Wahl des Arztes und damit auch der Klinik herrsche – und das werde auch nach der Reform so bleiben. „Aber die Zahlen zeigen, dass es hier in der Region ganz gut passt und die meisten Menschen dort ins Krankenhaus gehen, wo sie wohnen.“
In der Region Nord-Ost meint das vor allem die Städte auf dem Mittelgrad Schleswig-Holsteins: Flensburg, Schleswig und Rendsburg. An dieser Achse, entlang dem historischen Ochsenweg, verlaufen heute die Bahntrassen und die wichtigsten Straßen, entsprechend ist die Besiedelung dichter als in den kleinen Gemeinden nördlich des Nord-Ostsee-Kanals oder in Angeln zwischen Schlei und Ostsee. Während in den Städten, vor allem in der Uni-Stadt Flensburg, jüngere Menschen leben, ist der Altersschnitt in den ländlichen Regionen höher.
Versorgungsregion Südwest: Klinikum Itzehoe wird Maximalversorger
Die Zukunft der fünf Krankenhäuser in den Kreisen Steinburg und Pinneberg sowie einem Zipfel des Kreises Segeberg mit den Städten Norderstedt und Henstedt-Ulzburg stand im Fokus der zweiten Regionalkonferenz des Landesgesundheitsministeriums.
Nach dem Blick auf den aktuellen Stand warf Aenn Hachmeyer, die in der Abteilung Gesundheitsversorgung des Gesundheitsministeriums für Krankenhaus- und Versorgungsplanung sowie Qualitätssicherung zuständig ist, den Blick in die Zukunft. Geplant ist zum jetzigen Zeitpunkt, dass alle Standorte erhalten bleiben. Die größte Änderung war bereits lange vor der Krankenhausreform geplant: In Flensburg werden die beiden Standorte des Malteser St. Katharina-Krankenhauses zu einem, nämlich dem geplanten neuen Klinikum, zusammengezogen. Dann wird das neue Haus den Status eines Maximalversorgers erhalten.
Schön Klinik Rendsburg wird Maximalversorger
Diesen Titel erreicht bereits jetzt die Schön Klinik in Rendsburg. Der Hintergrund ist – das war auch bei den ersten Regionalkonferenzen bereits Thema gewesen –, dass neue Regeln für den Titel des Maximalversorgers gelten. Zurzeit sind in Schleswig-Holstein nur die beiden Standorte des UKSH in Kiel und Lübeck so eingestuft. Künftig werden mehr Häuser der höchsten Versorgungsstufe zugerechnet. Auf die Frage von Patrick Reimund von der Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein, ob das dem Krankenhaus einen Vorteil, etwa mehr Fördermittel, brächte, erklärte Hachmeyer, die neuen Stufenregeln seien vor allem ein Planungsinstrument.
Margarethen-Klinik: künftig sektorenübergreifender Versorger
Neben den großen Kliniken weist die Region auch einige kleinere stationäre Häuser auf. In Kappeln ist das Margarethen-Klinik – sie soll künftig als sogenannter sektorenübergreifenden Versorger weiter die erste Anlaufstelle für Erkrankte bleiben. Eine Notaufnahme brauche die Klinik nicht, sagte Hachmeyer auf die Frage von Birte Pauls, gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion. In Notfällen gehe es darum, Patienten nicht in das nächste, sondern in das beste Krankenhaus zu bringen, erklärte Dr. Stefan Sudmann, Chef der Zentralen Notaufnahme der Regio Kliniken und Sprecher der Deutschen Gesellschaft interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin. Professor Dr. Wolfgang Dresch, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme der Schön Klinik in Neustadt, ergänzte, dass die Lage in allen Krankenhäusern zurzeit „herausfordernd“ sei. Das gelte besonders für die Sommermonate mit zahlreichen Urlaubern. Die Krankenhäuser stellten der Aufgabe und hätten die Rettungsmittel entsprechend erhöht.
Start in die Regionalkonferenzen
Start der Anhörungsphase für die Kliniken und für die Regionalgespräche: Für die Krankenhäuser in Schleswig-Holstein hat am 21. September die entscheidende Phase vor Inkrafttreten der Krankenhausreform begonnen. Die erste Regionalkonferenz für die Versorgungsregion Süd in Lübeck gab einen Vorgeschmack darauf, wie die Standortentscheidungen vor Ort ankommen.
Konstanz für Augenklinik Rendsburg und Vitrea Damp
Mit ihren spezialisierten Angeboten versorgen die Augenklinik Rendsburg und Vitrea Damp Patienten auch weit über die Region hinaus. Sie bleiben in der jetzigen Form erhalten. Das Katharinen Hospiz in Flensburg muss allerdings die ärztliche Palliativversorgung an eines der beiden Malteser-Krankenhäuser abgeben, es bleibt aber als reines Hospiz erhalten. Der Schritt sei eigentlich erst im Rahmen der Klinikfusion und des Umzugs in den neuen Bau geplant gewesen, müsse aber wegen der Vorgaben des Bundesgesetzes vorgezogen werden, sagte von der Decken.
„In Stein gemeißelt“ sei diese künftige Struktur allerdings nicht, betonte Kerstin von der Decken erneut. Alle Kliniken können bis Ende Oktober noch nachweisen, dass sie die Kriterien für von ihnen gewünschte Leistungsgruppen doch erbringen, obwohl es vielleicht bei der ersten Prüfung ein Nein des Medizinischen Dienstes gegeben hatte. Verbindlich zugewiesen werden die Leistungsgruppen zum Januar 2027.
Kliniken bekommen Zeit für die Umstellung
Danach muss nicht sofort umgestellt werden. So können in Kappeln in den ersten Monaten 2027 noch bereits geplante Behandlungen stattfinden, auch wenn sie nach der neuen Einstufung dort künftig nicht mehr möglich sein sollen. Ebenso erhalten die größeren Häuser Zeit, neue Angebote aufzubauen, Personal einzustellen und Geräte anzuschaffen, um die Kriterien für die neuen Leistungsgruppen zu erfüllen. „Wir tun alles, um die Spielräume im Gesetz zugunsten der Krankenhäuser, der Beschäftigten und der Patienten zu nutzen“, sagte von der Decken.
Sie hoffe, dass sie habe vermitteln können, auf welcher Basis die Planung stehe. „Wir hören heute nicht auf, sondern überprüfen die Leistungsgruppen zunächst alle zwei, später alle drei Jahre“, sagte von der Decken. So bleibe die Krankenhausplanung ein sich stets neu justierendes System.







