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Dr. Jan Löhler ©lopata_axentis
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HNO-Ärzte: „Starres Primärarztmodell ist Hochrisikospiel“

Die einen fordern das Primärarztmodell, die anderen warnen: Im deutschen Gesundheitssystem wird intensiv über die Einführung eines solchen Modells diskutiert. Jetzt hat der Deutsche Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte ein Positionspapier vorgelegt – mit deutlichen Warnungen.

Der Verband unter der Führung des in Bad Bramstedt niedergelassenen Präsidenten Dr. Jan Löhler fordert in einer Pressemitteilung, funktionierende Behandlungspfade für grundversorgende Fachrichtungen wie die HNO als Direktzugang zu erhalten. „Den Zugang und die Verantwortlichkeit für die ambulante Versorgung von 75 Millionen GKV-Versicherten bei Haus- und Kinderärzten zu konzentrieren, ist ein Hochrisikospiel mit unwägbarem Ausgang”, heißt es weiter.

Steigende Inanspruchnahme der HNO-Ärztinnen und -Ärzte

Begründet wird die Forderung mit dem Argument, dass die ambulante HNO-Heilkunde zur Entlastung der Hausärzte und Pädiater beitrage – insbesondere in der Erkältungszeit. „Gerade, aber nicht nur in Regionen mit stark ausgeprägtem Hausärztemangel haben HNO-Ärzte eine primärärztliche Ersatzrolle übernommen“, heißt es in der Stellungnahme. Daher müssten die Auswirkungen eines Gatekeeper-Modells auf die fachärztlichen Versorgungsstrukturen kritisch abgewogen werden. 88 Prozent der Patienten suchen der Mitteilung zufolge die HNO-Facharztpraxis ohne Überweisung auf. Zugleich steige der Bedarf an HNO-Facharztmedizin. Hierzu werden in dem Schreiben folgende Zahlen angeführt: Während die Zahl der hausärztlichen Behandlungsfälle zwischen 2021 und 2024 leicht rückläufig war (-0,3 Prozent), nahm die Zahl der HNO-Behandlungsfälle im selben Zeitraum um 12,3 Prozent zu. Darüber hinaus versorgen HNO-Fachärzte über 1.400 Behandlungsfälle je Arzt und Quartal und damit 36 Prozent mehr als ein Arzt im hausärztlichen Versorgungsbereich (892 Fälle/Arzt).

Prof. Henrik Herrmann: Patientensteuerung schont Ressourcen

Patientensteuerung soll dazu beitragen, dass die Ressourcen im Gesundheitswesen gezielter in Anspruch genommen werden. Vorschläge dazu liegen auf dem Tisch, auch von der Ärzteschaft. Worauf es dabei ankommt, erklärt der Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein.

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Droht das Verschleppen von Krankheiten?

Die im Verband mit Bundesgeschäftsstelle in Neumünster organisierten HNO-Ärzte befürchten außerdem weitere Nachteile eines Primärarztmodells. Dieses könne dazu führen, dass „schwerwiegende Erkrankungen zu spät erkannt werden”, heißt es weiter. Als Beispiele dienen die Spiegeluntersuchung des Mundraums, des Rachens, der Stimmlippen und des Kehlkopfes, die bei vielen Patienten zur Standarddiagnostik und Krebsfrüherkennung durchgeführt würden. Ähnliches gelte für die Untersuchung des Gehörgangs sowie des Trommelfells. Bleibe eine Schwerhörigkeit unbehandelt, steige das Risiko einer demenziellen Erkrankung. Würden allergologische Beschwerden nicht rechtzeitig kausal behandelt (Hyposensibilisierung), könne es zu einem sogenannten Etagenwechsel und zur Ausbildung einer asthmatischen Erkrankung kommen, so die Warnung.

Zweifel an der Akzeptanz des Primärarztmodells
Befürchtet wird durch die Einführung eines Primärarztmodells außerdem ein „kompletter Umbau der Versorgungs- und Behandlungspfade”. In der Pressemitteilung heißt es: „Galt bisher die Prämisse, den Patienten einen schnellen Zugang zum Facharzt zu ermöglichen und Wartezeiten zu reduzieren, unter anderem mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz, sollen nun hohe Hürden für den Besuch beim Facharzt aufgebaut werden.” Dieser Paradigmenwechsel werde im Gegensatz zu verschiedenen Modellen im Ausland jedoch nicht mit Anreizen für die Patienten verknüpft. Bestehende Vorzugsregelungen wie zum Beispiel die offene Sprechstunde, mit der bis zu 17,5 Prozent der Patienten ohne Termin beim Facharzt direkt behandelt werden, würden in einem Primärarztmodell vielmehr ersatzlos wegfallen.

Warnung vor langen Wartezeiten wie im britischen NHS

Mit Blick auf die Wartezeitendebatte verwiesen die Verbandsvertreter in der Mittteilung auf die Terminservicestellen (TSS) der Kassenärztlichen Vereinigungen. Laut Evaluationsbericht liege die durchschnittliche Vermittlungsdauer in der HNO bei nur drei Tagen. 56 Prozent der Patienten seien sogar innerhalb eines Tages behandelt worden. Demnach treffe das in der Steuerungsdebatte oft angeführte Argument der langen Wartezeiten in der HNO-Heilkunde nachweislich nicht zu. Vielmehr steige in einem starren Gatekeeper-Modell das Risiko der Zweiklassenmedizin. Als Negativbeispiel nannten die HNO-Ärzte das Gesundheitssystem in Großbritannien, wo es zu langen Wartezeiten auf Facharzttermine und Operationen sowie einer steigenden Zahl an privaten Versicherungspolicen komme. Ein Hausarztmodell, so die Warnung, könne sich auch in Deutschland als „Konjunkturprogramm für den privaten Versicherungsmarkt und als Booster für die Zweiklassenmedizin“ erweisen. (PM/RED)

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