
Hitzeschutz: Reichen die Maßnahmen?
Die SPD hatte im Vorwege der Debatte im Landtag gefordert, dass die Landesregierung gemeinsam mit Kommunen und betroffenen Akteuren einen Hitzeaktionsplan für Schleswig-Holstein entwickeln und die betroffenen Akteure einbeziehen solle. In der Standespolitik wird das Thema bereits seit Jahren diskutiert. Wichtig für Krankenhäuser: Sie gehören zur kritischen Infrastruktur und gehören aus SPD-Sicht deshalb besonders in den Blick. Viele Gebäude und Versorgungsstrukturen seien aber auf die Folgen des Klimawandels nicht ausreichend vorbereitet. Deshalb solle die Landesregierung den Hitzeschutz in Kliniken stärken und die Träger bei notwendigen Investitionen unterstützen.
Dissens zwischen SPD und CDU
Den Vorwurf von Birte Pauls (SPD), die Koalition nehme das Thema nicht ernst genug, wies Hauke Hansen (CDU) zurück. „Bei der Gesundheits- und Pflegeinfrastruktur gibt es konkrete Fortschritte.
Krankenhäuser können bereits heute über die Investitionsförderung Maßnahmen zur Temperaturregulierung und Beschattung finanzieren. In den stationären Pflegeeinrichtungen sind Hitzeschutzmaßnahmen nach Angaben der Landesregierung etabliert; die überwiegende Mehrheit verfügt über ein eigenes Hitzeschutzkonzept oder arbeitet daran", sagte Hansen.
Besondere Bedeutung des Hitzeschutzes in Krankenhäusern
Auch im Antrag von CDU und Bündnis 90 / Die Grünen wurde auf die Bedeutung von Krankenhäusern und anderen Gesundheitseinrichtungen abgehoben. Diese müssten auch bei zunehmender Hitze ihre Versorgungsfunktion erfüllen und gleichzeitig Patientinnen und Patienten sowie Beschäftigten ein klimatisiertes und vor extremer Hitze geschütztes Umfeld bieten, hieß es in einem Antrag der Regierungsfraktionen. Zugleich verwiesen die beiden Parteien aber auf bestehende Fördermöglichkeiten, Empfehlungen und Handlungsspielräume, um geeignete Maßnahmen zum Schutz vor Hitze umzusetzen.
Hitzeschutz in deutschen Kliniken unzureichend
Wie akut das Thema ist, zeigte eine Umfrage im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) aus August 2026. Danach können 59 Prozent der deutschen Krankenhäuser kein einziges und 41 Prozent im Mittel nur elf Prozent ihrer Patientenzimmer kühlen. Ursache für die mangelhafte Ausstattung mit Kühltechnik sei in fast allen Fällen die fehlende Finanzierung, hieß es. Die DKG forderte deshalb „entschiedenes Handeln, um die Krankenhäuser bis zum Sommer 2027 in die Lage zu versetzen, ihre Gebäude zügig mit Kühltechnik nachzurüsten, um für die erwartbaren längeren und intensiveren Hitzeperioden vorbereitet zu sein."
Fortsetzung im Sozialausschuss
Die gesundheitspolitischen Sprecher Jasper Balke (Grüne), Dr. Heiner Garg (FDP) und Christian Dirschauer (SSW) halten einen besseren Hitzeschutz ebenfalls für erforderlich. „Dieser Sommer ist für uns außergewöhnlich heiß. Für junge Menschen und für Kinder, die in diesem Jahr geboren wurden, wird er aber vermutlich einer der kühlsten Sommer ihres Lebens gewesen sein“, gab Balke zu bedenken. Garg forderte insbesondere für Krankenhäuser und andere Einrichtungen für besonders gefährdete Menschen verbindliche Maßnahmen. Er warnte davor, die Situation schönzureden. Dirschauer mahnte: „Ob jemand sicher durch eine Hitzewelle kommt, darf weder vom Alter noch vom Geldbeutel oder von der eigenen Wohnsituation abhängen.“ Die Gesundheitsexperten der Parteien werden in Kürze weiter diskutieren: Der Landtag verwies die zum Thema gestellten Anträge in den Sozialausschuss.





