
Hilfsangebote für Kinder und Jugendliche in Schleswig-Holstein
Wenn Teams von „Psychiatrie in Bewegung“ in eine Klasse kommen, kann Unerwartetes passieren. „In einer Vorstellungsrunde berichtete ein Junge, er spiele Geige – das hatte in der Klasse niemand gewusst“, berichtet Andrea Rothenburg, Gründerin des Vereins. In der Folge besuchte der Junge die Schulband. „Für uns ist wichtig, dass positive Veränderungen stattfinden. Es geht um ein Umdenken und eine Haltung“, sagt Rothenburg.
Nachfrage nach Hilfsangeboten steigt
Zu den Besuchen wird der Verein von den Schulen eingeladen, oft kommen mehr Anfragen, als das Team bewältigen kann. Neben Stunden in den Klassen bietet der Verein Fortbildungen für Lehrkräfte an. Denn der Bedarf steige, stellt Rothenburg fest: „Für mich gibt es eine Zeit vor und nach Corona.“ Statt nach den belastenden Jahren die Bremse zu ziehen und zu schauen, was erlebt wurde und was gebraucht wird, steige der Druck. Immerhin seien viele Mitglieder der heute heranwachsenden Generation bereit, über psychische Belastungen zu sprechen: „Sie können es gut formulieren, sie wissen, was sie belastet – Krieg, Klimawandel, die anstehende Musterung für die jungen Männer.“ Rothenburg und ihr Team wollen eine klare Botschaft vermitteln: „Es ist ein Zeichen von Stärke, sich Hilfe zu holen.“
Hilfe gibt es in Schleswig-Holstein. Auch wenn die Wartezeiten auf Therapieplätze oder Beratungen kritisiert werden, stehen Fachleute, Programme und Projekte bereit, um Kindern und Jugendlichen zur Seite zu stehen, oft schon präventiv – damit aus einer Belastung gar nicht erst eine Krankheit entsteht.
„Es ist ein Zeichen von Stärke, sich Hilfe zu holen.“
Viele Fäden laufen bei der Landesvereinigung für Gesundheitsförderung in Schleswig-Holstein zusammen. Geschäftsführerin Svenja Langemack weist u.a. auf das „Kompetenznetz Gesundheit in Schule“ hin, über das Lehrkräfte Tipps erhalten. „Wir stellen eine verstärkte Nachfrage zu allen Themen rund um die psychische Gesundheit fest“, sagt Langemack. Besonders wichtig sei die Entstigmatisierung. Das Präventionsprojekt „Verrückt? Na und!“, das an mehreren Standorten in Schleswig-Holsteins Regionalgruppen unterhält, bietet ein ähnliches Programm wie „Psychiatrie in Bewegung“. Auch hier kommen Teams an Schulen und berichten über eigene Krankheitserfahrungen. Schirmherrin ist Gesundheitsministerin Prof. Kerstin von der Decken (CDU). „Wir stellen uns als Landesregierung der Verantwortung, in unserer Gesellschaft für eine Entstigmatisierung und Enttabuisierung psychischer Erkrankungen einzutreten und unterstützen daher geeignete präventive Formate“, sagt sie.
Programm „Schatzsuche“ richtet sich an Kitas
Ansetzen lässt sich vor und nach der Schulzeit. „Schatzsuche“ ist ein Programm für Eltern, das über die Kitas angeboten werden kann. Eltern lernen dabei, die Stärken ihrer Kleinen besser zu erkennen und zu fördern. Für den Übergang in den Beruf startet die Landesvereinigung ein neues Projekt namens „Landungsbrücke“.
Einen wichtigen Tipp für die Ärzteschaft hat Svenja Langemack: „Es gibt freie Plätze in Einrichtungen der Kinder- und Jugend-Reha.“ Die Antragsverfahren sollen vereinfacht werden, um mehr Betroffenen eine Auszeit zu ermöglichen. Dazu hat die Landesvereinigung das Programm „Zugang zu Kinder- und Jugend-Reha erleichtern“, kurz ZuKiJu, gestartet. Angeboten werden kostenlose Info-Veranstaltungen und für die Eltern „Reha-Coaches“, die beim Ausfüllen der Formulare helfen, „mehrsprachig, vertraulich und kostenfrei“, verspricht Langemack. Ihre Bitte an die Ärzte: „Schicken Sie Eltern zu uns – besonders die, die den Weg nicht von allein finden.“




