Blick ins Auditorium der Herz-Kompass veranstaltung
Herz-Kompass 2026 ©privat
Herz-Kompass 2026 ©privat

„Herzkompass": Herz- und Gefäßmediziner im vernetzten Verbund

Zum zweiten Mal fand am 24. Januar die Fortbildung „Herz-Kompass" in der Asklepios-Klinik Bad Oldesloe statt. Rund 170 interessierte Ärztinnen und Ärzte aus Klinik und Praxis mit dem Schwerpunkt Herz- und Gefäßmedizin erhielten nicht nur medizinische Updates.

Uwe Groenewold

„Unser Symposium bot erneut eine Plattform für den intensiven fachlichen Austausch und die Diskussion aktueller Entwicklungen in der kardiovaskulären Medizin“, betonte PD Dr. Ralph Tölg aus Bad Oldesloe, der die wissenschaftliche Leitung gemeinsam mit Prof. Gert Richardt innehatte. Tölg verwies im Gespräch mit dem Schleswig-Holsteinischen Ärzteblatt insbesondere auf die zahlreichen teilnehmenden Expertinnen und Experten aus dem benachbarten Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. An vielen Stellen des Symposiums wurde deutlich, so der Kardiologe, dass sich die Herz- und Gefäßmediziner nicht als Experten einer einzelnen Klinik verstehen, sondern vielmehr als vernetzter Verbund, in dem Herz-Teams und Gefäß-Boards klinik- und praxisübergreifend gemeinsam für eine optimale Patientenversorgung einstehen.

Vier thematische Schwerpunkte
Wissenschaftlich war das Symposium in vier thematische Schwerpunkte unterteilt, beleuchtete moderne Ansätze der medikamentösen Therapie und gefäßchirurgische Möglichkeiten bei Aortenerkrankungen, verschiedenen Facetten der kathetergestützten Herzklappentherapie und die Therapie der pulmonalen Hypertonie. Die Oldesloer Oberärztin Eva-Maria Jungclaus ging auf den chronischen Beinarterienverschluss im Rahmen der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) ein. Sie präsentierte aktuelle endovaskuläre Strategien, Studienergebnisse und leitliniengerechte Therapieansätze, die zu einer differenzierten Entscheidungsfindung zwischen konservativer Behandlung und Revaskularisation führen sollten.

Zentrale Grundlage jeder Therapie bleibe das konsequente „Best Medical Treatment“ mit Plättchenhemmung beziehungsweise Antikoagulation, Risikofaktorkontrolle und Lifestyle-Management, so Jungclaus. Eine strukturierte ambulante Betreuung und ausführliche Patientenaufklärung sei hierfür essenziell. Neben modernen endovaskulären Verfahren sollte bei geeigneter Venenkonstellation auch die Bypass-Chirurgie weiterhin als bewährte Option berücksichtigt werden. „Unser Ziel ist eine patientenzentrierte, evidenzbasierte Versorgung zur Verbesserung von Prognose und Lebensqualität. Um für jeden Patienten eine individuelle Therapiestrategie festzulegen, sind interdisziplinäre Gefäß-Boards von großer Bedeutung.“

Eva-Maria Jungclaus steht hinter einem Rednerpult und hält einen Vortrag.
Eva-Maria Jungclaus ©privat

Unser Ziel ist eine patientenzentrierte, evidenzbasierte Versorgung zur Verbesserung von Prognose und Lebensqualität. Um für jeden Patienten eine individuelle Therapiestrategie festzulegen, sind interdisziplinäre Gefäß-Boards von großer Bedeutung.“

Eva-Maria Jungclaus

Im Fokus: Therapie mit NOAK
Kardiologe Tölg selbst ging in seinem wissenschaftlichen Vortrag auf die Therapie mit nicht-Vitamin-K-abhängigen oralen Antikoagulanzien (NOAK) ein. Aktuelle Studiendaten und Leitlinien zeigen seinen Ausführungen zufolge, dass eine individualisierte Behandlungsstrategie sowohl die Wirksamkeit als auch die Sicherheit der Antikoagulation deutlich verbessern kann. Bei venösen Thromboembolien (VTE) erleiden bis zu 20 Prozent der Patienten nach Absetzen der Antikoagulation innerhalb von zwei Jahren ein Rezidiv. Insbesondere bei spontanen VTE ohne transienten Auslöser spreche deshalb vieles für eine verlängerte oder dauerhafte Antikoagulation. „Die Leitlinien empfehlen hier eine risikoadaptierte Therapie, wobei sich für die Langzeitbehandlung reduzierte NOAK-Dosierungen bewährt haben“, so Tölg. Zwischen wissenschaftlicher Evidenz und Versorgungsrealität gebe es jedoch eine Diskrepanz: Trotz erhöhten Rezidivrisikos würden viele Patienten keine verlängerte Antikoagulation erhalten. „Hier besteht Optimierungsbedarf in der klinischen Umsetzung leitliniengerechter Therapiekonzepte.“

PD Dr. Ralph Tölg steht hinter einem Rednerpult und hält einen Vortrag.
PD Dr. Ralph Tölg ©privat

Die Leitlinien empfehlen hier eine risikoadaptierte Therapie, wobei sich für die Langzeitbehandlung reduzierte NOAK-Dosierungen bewährt haben“

PD Dr. Ralph Tölg

„Bedrückende Stille"
In der Keynote-Lecture blickten die rund 170 Teilnehmer im gut gefüllten Festsaal über den Tellerrand der alltäglichen medizinischen Versorgung: Der frühere Admiralarzt Dr. Stephan Apel, berichtete über die „Krankenhausplanung im Spagat zwischen Ökonomisierung und staatlicher Risikovorsorge“ und skizzierte dabei die Konsequenzen, die eine militärische Auseinandersetzung für die Gesundheitsversorgung hierzulande hätte – ein Thema, das gerade bei der aktuellen Diskussion des Verteidigungsfalles von großem Interesse sei, so Tölg. „Während des Vortrags herrschte eine bedrückende Stille.“

Ähnliche Beiträge
Im Vordergrund sitzen viele Menschen mit dem Rücken zur Kamera. Sie schauen auf einen Mann am Rednerpult im festlichen, dunklen Anzug, der gestikuliert. Neben ihm stehen eine Frau und ein Mann an einem Stehtisch.
Der Ärztliche Direktor Dr. Georg Hillebrand bei seinem Vortrag während des Festaktes. Links im Bild Klinikdirektorin Hannah Maria Werner und Pflegedirektor Niklas Jeurissen
13.02.2026

Festakt im Klinikum Itzehoe: 50 Jahre nach Gründung richteten Vertreter des Klinikums und der…

Frau mit kurzen, grauen Haaren und mit Brille steht an einem Rednerpult und hält eine gelbe Broschüre in die Höhe.
Susanne Bechert © Esther Geisslinger
09.02.2026

Beim 28. Gynäkologentag Schleswig-Holstein in Rendsburg warfen die Teilnehmenden u.a. einen Blick…

Mit Audio-beitrag
Prof. Christian Huchzermeier, ein schlanker Man im dunklen Anzug, steht neben einer Leinwand mit dem Titel seines Vortrags.
Prof. Christian Huchzermeier © Victoria Witt
05.02.2026

Der interdisziplinäre Austausch des Kompetenzzentrums Psychiatrische und Psychologische…

Frau mit Brille in blauem Pullover und dunklem Blazer schaut freundlich in die Kamera.
Prof. Dr. rer.nat. Tanja Zeller © privat
27.01.2026

Prof. Tanja Zeller aus Lübeck ist neue gemeinsame Sprecherin des Standorts Nord im Deutschen Zentrum…

Der Vorstand der Schleswig-Holsteinischen Krebsgesellschaft e.V. (v.li.n.re.): Jörg Arndt, Prof. em. Dr. Jürgen Dunst, Barbara Dalmer, Prof. Dr. med. Nicolai Maass.
Die Schleswig-Holsteinische Krebsgesellschaft, hier der Vorstand mit Jörg Arndt, Prof. em. Jürgen Dunst, Barbara Dalmer, Prof. Nicolai Maass (v.l.), ist auf dem Deutschen Krebskongress engagiert. © SHKG
21.01.2026

Vom 18. bis 21. Februar findet in Berlin der Deutsche Krebskongress (DKK) statt. Bei dem alle zwei…

Mann mittleren Alters in dunklem Sacko und weißem Hemd steht frontal zum Betrachter mit verschränkten Armen.
Prof. Jan-Thorsten Gräsner ©privat
19.12.2025

Mehr Lebensqualität nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand hat das Projekt „CAROL: Cardialer Arrest –…