
Hautkrebs: Prävention stets thematisieren!
Die demografische Entwicklung und der Lebensstil vergangener Jahrzehnte begünstigen diese Tendenzen. So ist das Risiko, an schwarzem Hautkrebs zu erkranken, bei 1968 geborenen Frauen doppelt so hoch wie das bei 1952 geborenen. „Jetzt werden die Spätfolgen einer Zeit sichtbar, in der Sonnenbaden ohne ausreichenden Schutz vor der UV-Strahlung weit verbreitet war“, sagte Tagungspräsident Prof. Mark Berneburg aus Regensburg. Schwere Sonnenbrände in jüngeren Jahren hinterlassen bleibende Schäden. Es sei zu befürchten, dass die Zahl der Betroffenen weiter steige, so Berneburg. „Gerade für ältere Menschen sind Screenings jetzt umso wichtiger, um eine mögliche Hautkrebserkrankung frühzeitig zu entdecken.“
Seit 2008 besteht für gesetzlich Versicherte in Deutschland ab 35 Jahren alle zwei Jahre Anspruch auf ein Hautkrebs-Screening. Hautkrebsprävention, so Berneburg, sollte Thema bei jeder Konsultation in der dermatologischen Praxis sein. Besonders bei Risikopatienten – Menschen mit heller Haut, hoher UV-Belastung im Beruf oder in der Freizeit (Sport, Gartenarbeit) – sollten Beratung und Dokumentation des Hautstatus Routine sein. Die klassische Prävention setzt auf Aufklärung über Sonnenschutzmaßnahmen: regelmäßige Anwendung von Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor, schützende Kleidung, Sonnenbrille und Kopfbedeckung, Meiden der intensiven Sonneneinstrahlung zwischen 11 und 15 Uhr sowie der Verzicht auf Sonnenbäder und Bräunen im Solarium. Verbessern kann die Früherkennung der Einsatz von KI-gestützten Tools zur Erkennung auffälliger Hautveränderungen, so Berneburg: „Hier besteht großes Potenzial, die Qualität der Früherkennung zu steigern – vorausgesetzt, Technik und ärztliche Erfahrung gehen Hand in Hand.“
Patienten mit schwarzem Hautkrebs hatten bis vor wenigen Jahren ausgesprochen schlechte Aussichten auf eine erfolgversprechende Behandlung, weil der Tumor häufig schnell streute und dann nicht mehr in den Griff zu bekommen war. Mit der Entwicklung von Immuntherapien, sogenannten Checkpoint-Inhibitoren, lässt sich seit einiger Zeit das Wiederauftreten der Erkrankung nach erfolgreicher OP wirkungsvoll zurückdrängen.
Überschießende Immunreaktionen als Nebenwirkung möglich
Checkpoint-Inhibitoren lösen molekulare Bremsen des Immunsystems und machen versteckte Tumorzellen für die körpereigene Abwehr sichtbar. Die Medikamente haben häufig jedoch starke Nebenwirkungen – und können zu überschießenden Immunreaktionen und damit Verschlimmerungen bestehender Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis oder chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen führen. Auch Herz und Lunge können in Mitleidenschaft gezogen werden. Dr. Miriam Mengoni aus der UKSH-Dermatologie in Lübeck stellte beim Kongress in Berlin eine unizentrische Studie vor, bei der Hautkrebspatienten auf kognitive Funktionsstörungen während der Immuntherapie untersucht wurden. Die ersten Auswertungen von 32 untersuchten Patienten führten bislang noch nicht zu gesicherten Erkenntnissen. Ihre Kieler Kollegin Hanna Rohde präsentierte Daten zu autoimmunen Nebenwirkungen unter der Therapie von zwei Checkpoint-Inhibitoren. In einer eigenen Studie entwickelten sich bei 18 von 35 behandelten Patienten (51,4 %) entsprechende Komplikationen. Weitere klinische Studien mit größeren Patientenkollektiven sind den DDG-Expertinnen und -Experten zufolge erforderlich, Patienten unter einer Therapie mit Checkpoint-Inhibitoren müssen sorgfältig überwacht werden.
Über digitale Lehrkonzepte informierte die frühere Lübecker Dermatologin Prof. Julia Welzel, heute Direktorin der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Universitätsklinikum Augsburg und DDG-Präsidentin. „Als visuelles Fach profitieren wir stark von den Innovationen der bildgebenden Verfahren beispielsweise bei der Diagnose von Hautkrebs mit modernen nicht-invasiven bildgebenden Methoden“, sagt Welzel. In den dermatologischen Lehrveranstaltungen gehe es um Telemedizin, die Anwendung Künstlicher Intelligenz zum Beispiel in der Hautkrebsdiagnostik und das Arbeiten mit Avataren. In der medizinischen Lehre können Avatare als virtuelle Patienten, Studierende oder Lehrende eingesetzt werden, mit denen die Medizinstudierenden interagieren, Diagnosen stellen oder Behandlungspläne entwickeln. Auch Moulagen können inzwischen als 3-D-Modelle visualisiert und mittels VR-Brillen in die studentische Lehre integriert werden. Die neuen Möglichkeiten seien beeindruckend, so Welzel. „Allerdings müssen alle neuen Lehrkonzepte dahingehend überprüft werden, ob sie den klassischen Lehrformaten überlegen sind.“ Realistische Simulationen führten nicht automatisch zu höherem Lernerfolg.




