
Giftige Brennhaare bei den Raupen des Goldafter
Kontakt mit dem Goldafter (Euproctis chrysorrhoea) kann ähnlich dem Eichenprozessionsspinner zu Lepidopterismus und Atemwegsbeschwerden führen. Anders als Letzterer verfügt der Goldafter über ein breites Wirtsspektrum. So können viele Rosengewächse, Sand- und Weißdornarten sowie Eichen und Obstgehölze befallen werden. Auf den Nordseeinseln sind besonders Sand- und Weißdorn und die invasive Kartoffelrose betroffen
Verpuppung im Juni
Die Goldafterfalter legen ihre Eiergelege im Juli auf die Blattunterseiten der Wirtspflanze, Anfang August schlüpfen die Raupen. Charakteristisch für den Goldafter ist die Bildung von Gespinsten im Herbst. Die Raupen verlassen ab April/Mai die Wintergespinste temperaturabhängig zum Fraß. Im Juni verpuppen die Raupen sich und Falter schlüpfen kurz danach, um sich zu paaren.
Die Brennhaare (Setae) des Falters werden in späten Entwicklungsstadien der Raupe zwischen April und Juni zum Problem, wenn die Raupen die meisten Setae aufweisen. Kontakt mit den Brennhaaren kann zu schweren allergischen Reaktionen auf der Haut, in den Atemwegen und an den Augen führen. Dabei ist kein unmittelbarer Kontakt mit den Raupen notwendig, da die Setae leicht vom Körper der Tiere abbrechen und durch Winde in der Umgebung verteilt werden. So können sich die Haare etwa an Textilien festsetzen und später zu allergischen Irritationen führen. Die Toxine der Brennhaare können über Jahre wirksam bleiben. Besonders an unbedeckten Hautstellen können scharf umgrenzte Rötungen, Bläschen oder Knötchen auftreten und starken Juckreiz auslösen.
Reaktionen auf das Einatmen der Brennhaare
Das Einatmen der Brennhaare kann zu Entzündungen der Atemwege führen, was Husten und Asthma begünstigt. Reizungen der Augen sind ebenfalls möglich. Es wird etwa von starken Schwellungen am Auge nach Kontakt mit Gespinstteilen des Goldafters berichtet. Schwere Reaktionen wie anaphylaktischer Schock werden selten beschrieben. Unbehandelt können die Symptome wenige Tage bis zu zwei Wochen andauern. Ein erneuter Kontakt kann die Reaktion verstärken. Hunde und Katzen können schwere Verletzungen an Nase und Schnauze durch den Kontakt mit Brennhaaren erleiden, daher sind Tiere von Raupen und Gespinsten fernzuhalten.
Ausbreitung in Küstennähe
Vorkommen des Goldafters wurden 2025 u.a. auf Sylt thematisiert. Meldungen auf Biodiversitätsportalen legen die Präsenz des Falters auch auf umliegenden Inseln und dem Festland nahe. Da sich die Lebensbedingungen wegen des Klimawandels für den Goldafter verbessern, ist mit seiner Ausbreitung – besonders in Küstennähe – und einer Verschärfung der beschriebenen Probleme zu rechnen.
Da die Art und durch sie auftretende gesundheitliche Risiken vielerorts unbekannt sind, bestehen häufig Verwechselungen mit Schäden durch Bettwanzen, Quallen oder Sandflöhe. Weitere Informationen sind auf der Website des Landesamts für Arbeitsschutz, Soziales und Gesundheit des Landes Schleswig-Holstein (LASG) verfügbar. Das LASG bittet um Meldungen von Erkrankungen durch den Goldafter in Schleswig-Holstein (ugs@lasg.landsh.de, 04321 913-4000). (RED)





