Eine Gruppe von vier Menschen in weißen Kitteln steht in einem Forschungsraum.
Forschen am UKSH: Prof. Malte Spielmann, Dr. Inga Nagel, Daniel Kaschta, Dr. Inga Vater (v.l.). ©UKSH
Forschen am UKSH: Prof. Malte Spielmann, Dr. Inga Nagel, Daniel Kaschta, Dr. Inga Vater (v.l.). ©UKSH

Genomsequenzierung besser als Standarddiagnostik

Eine Genomsequenzierung erfasst schneller und genauer krankheitsverursachende Veränderungen im Erbgut als bisherige Standardmethoden. Dieses Ergebnis einer Studie teilte das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) mit. Von diesem Diagnostikverfahren profitieren insbesondere Patientinnen und Patienten mit Krebs oder seltenen Erkrankungen.

Das bundesweite Modellvorhaben Genomsequenzierung (genomDE) eröffnet Patientinnen und Patienten mit seltenen Erkrankungen und Krebs, der nicht auf Standardbehandlungen anspricht, den Zugang zu modernster genetischer Diagnostik, die zum Beispiel den Einsatz maßgeschneiderter Therapien ermöglicht. Das UKSH beteiligt sich seit vergangenem Jahr als eines der ersten Universitätsklinika in Deutschland an dem Modellvorhaben. Die Arbeit des interdisziplinären Teams um Prof. Malte Spielmann und Dr. Inga Nagel, Institut für Humangenetik des UKSH und der Universitäten in Kiel und Lübeck, wurde im Journal Genome Medicine veröffentlicht.

Studie mit mehr als 400 Patientinnen und Patienten
Für die Studie wurden über 400 Patientinnen und Patienten mit seltenen Erkrankungen untersucht und dabei verschiedene diagnostische Methoden verglichen. Die höchste Erfolgsrate bei der Identifizierung krankheitsverursachender Veränderungen erzielte die Trio-Genomsequenzierung. Dabei wird sowohl das Erbgut der Patientin oder des Patienten analysiert als auch das Erbgut der Eltern. Mit der Methode konnten genetische Veränderungen entdeckt werden, die mit herkömmlichen Methoden nicht sichtbar sind – etwa in bestimmten DNA-Bereichen oder bei sehr kleinen strukturellen Abweichungen. Doch auch ohne Proben der Eltern zeigte sich die Genomsequenzierung als überlegen, sofern Spezialistinnen und Spezialisten die Daten analysieren.

Bislang wird die genetische Ursachenforschung bei seltenen Krankheiten in der Regel in mehreren, oft zeitaufwendigen Schritten durchgeführt. „Unsere Ergebnisse belegen, dass die Ganzgenomsequenzierung das Standardvorgehen klar übertrifft. Sie kann die Diagnose deutlich vereinfachen und beschleunigen“, wird Spielmann, Direktor des Instituts für Humangenetik, in einer Mitteilung des UKSH zitiert. An der Studie war unter anderem das Zentrum für Seltene Erkrankungen des UKSH und das Institut für Klinische Molekularbiologie des UKSH und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel wesentlich beteiligt. (PM/RED)

 

Ähnliche Beiträge
Im Vordergrund sitzen viele Menschen mit dem Rücken zur Kamera. Sie schauen auf einen Mann am Rednerpult im festlichen, dunklen Anzug, der gestikuliert. Neben ihm stehen eine Frau und ein Mann an einem Stehtisch.
Der Ärztliche Direktor Dr. Georg Hillebrand bei seinem Vortrag während des Festaktes. Links im Bild Klinikdirektorin Hannah Maria Werner und Pflegedirektor Niklas Jeurissen
13.02.2026

Festakt im Klinikum Itzehoe: 50 Jahre nach Gründung richteten Vertreter des Klinikums und der…

Zwei Ärzte im weißen Kittel stehen mit verschränkten Armen im OP und schauen in die Kamera.
Gennadii Ivanov (links) und Dr. Claudio C. Conrad ist es gelungen, die angeborene Verengung des Zwölffingerdarms bei einem 13 Tage alten Säugling ohne chirurgischen Eingriff endoskopisch zu behandeln. © UKSH
13.02.2026

Bei der seltenen angeborenen Fehlbildung des Zwölffingerdarms ist der Darm vollständig verschlossen…

Mit Audio-beitrag
Eine Gruppe aus acht Männern und Frauen steht eng beisammen und schaut in die Kamera. In der Bildmitte steht als einiger ein Mann im weißen Arztkittel. Alle anderen tragen alltägliche Kleidung.
Projektleitende und wissenschaftliche Koordinatoren des Forschungsverbunds OUTLIVE-CRC © UzL
10.02.2026

Die zweite Förderperiode für den interdisziplinären Forschungsverbund OUTLIVE-CRC kann starten. Die…

Blonde Frau in rotem Blazer und weißer Bluse vor grauem Hintergrund ist dem Betrachter zugewandt und lächelt.
Prof. Gabriela Riemekasten © DGRh Lübke
22.01.2026

Warum erleiden junge Menschen ohne klassische Risikofaktoren Schlaganfälle oder Herzinfarkte?…

Zwei grüne Module in einer Grafik stehen für Antikörper. Sie sind verbunden mit einem anders geformten lila Modul. Im Hintergrund sind rote Elemente zu erkennen, die für abgetötete Krebszellen stehen.
Die neuartigen Antikörper, genannt AbLec, kombinieren zwei Wirkprinzipien und verstärken dadurch die Immunaktivität gegen Tumorzellen. Die rote Fluoreszenz im Hintergrund zeigt die abgetöteten Krebszellen über einen Zeitraum von 5 Stunden an. © MIT
12.01.2026

Internationale Forschungskooperation mit Beteiligung aus Schleswig-Holstein entwickelt neuartige…

Ein jüngerer Forscher im weißen Kittel sitzt am Schreibtisch vor einem Bildschirm und weist auf einen Punkt in einer Darstellung auf dem Schirm. Ein zweiter, älterer Kollege steht neben dem Schreibtisch und schaut auf den Bildschirm.
Prof. Gunnar Cario, Direktor der Klinik für Kinderonkologie und ‑rheumatologie (links) und Dr. Lennart Lenk, Leiter der translationalen ALL-Forschungsgruppe der Kinderonkologie. © UKSH
06.01.2026

Kinder und Jugendliche mit der T‑Zell‑akuten lymphoblastischen Leukämie (T‑ALL) sollen künftig…