
Gefäßerkrankungen: Autoantikörper unter Verdacht
In der Forschungsgruppe FOR 5930 untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Lübeck, Berlin und Kiel erstmals systematisch, wie fehlgeleitete Antikörper Entzündungen in Blutgefäßen auslösen und damit schwere Gefäßerkrankungen verursachen können. Die DFG fördert das auf vier Jahre angelegte Projekt mit insgesamt rund 6,2 Millionen Euro.
Federführend koordiniert wird die neue Forschungsgruppe von der Lübecker Klinik für Rheumatologie und klinische Immunologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) und der Universität zu Lübeck. Sprecherin der Forschungsgruppe ist Klinikdirektorin Prof. Gabriela Riemekasten. Gemeinsam mit 14 Projektleitenden aus elf medizinischen und naturwissenschaftlichen Disziplinen bündelt sie die Expertise aus mehreren Teilprojekten, die in Lübeck, an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, der Kieler Christian-Albrechts-Universität und weiteren Partnerinstitutionen angesiedelt sind. Ziel der Forschungsgruppe ist es, die Entstehung und den Verlauf von Atherosklerose, Schlaganfällen sowie seltenen, aber besonders schweren Gefäßerkrankungen der Lunge besser zu verstehen.
Antikörper im Fokus: ein neues Krankheitskonzept
Im Mittelpunkt der Forschung stehen Autoantikörper, die sich gegen körpereigene Strukturen richten. „All diese Gefäßerkrankungen treten bei rheumatischen Erkrankungen deutlich häufiger und oft auch schwerer auf. Entzündliche Prozesse spielen dabei eine zentrale Rolle, doch die zugrunde liegenden Mechanismen sind bislang nur unzureichend verstanden“, wurde Riemekasten in einer Mitteilung der Universität zitiert.
Die Forschenden verfolgen einen neuartigen Ansatz: Sie gehen davon aus, dass bestimmte Autoantikörper gezielt Rezeptoren auf Gefäß- und Immunzellen aktivieren. Dadurch könnten Ort, Stärke und Verlauf von Entzündungen entscheidend beeinflusst werden. Dieses Konzept könnte erklären, warum es auch bei jüngeren Menschen oder bei Patientinnen und Patienten ohne klassische kardiovaskuläre Risikofaktoren zu Herzinfarkten oder Schlaganfällen kommt.
Perspektiven für neue Therapien
Langfristig soll die Arbeit der Forschungsgruppe nicht nur grundlegende Krankheitsmechanismen aufklären, sondern auch neue therapeutische Ansätze ermöglichen. „Wenn wir verstehen, welche Antikörper krankmachend wirken, können diese künftig gezielt bei der Entwicklung neuer Medikamente berücksichtigt werden“, so Riemekasten. Auch der wissenschaftliche Nachwuchs profitiert von der neuen Forschungsgruppe. „Die enge Zusammenarbeit von Klinik, Grundlagenforschung und modernster Datenanalyse bietet ideale Bedingungen, um Entzündungsprozesse im Gefäßsystem ganzheitlich zu erforschen“, sagte Dr. Hanna Graßhoff, Assistenzärztin der Klinik für Rheumatologie und klinische Immunolgie und eine der Teilprojektleiterinnen aus Lübeck.
Forschungsgruppe FOR 5930
Die Forschungsgruppe FOR 5930 bündelt laut Uni Lübeck interdisziplinäre Expertise aus Klinik und Grundlagenforschung, um entzündliche Gefäßerkrankungen aus einer neuen immunologischen Perspektive zu untersuchen. Durch die enge Zusammenarbeit über Fach- und Institutionsgrenzen hinweg sollen krankheitsübergreifende Mechanismen identifiziert und Grundlagen für neue diagnostische und therapeutische Ansätze geschaffen werden. (PM/RED)





