
Fotoalben gestalten Geschichte: neue Ausstellung in Kiel
Fotoalben zu erschaffen ist eine aussterbende Kulturtechnik. Bilder auswählen, einkleben und beschriften sind ebenso wie das Schmökern in einem Fotoalbum Momente der Rückbesinnung, der persönlichen Bewertung und Interpretation von Erlebtem. Doch wie verändert sich die Geschichte, die ein Fotoalbum erzählt, wenn Unbeteiligte es betrachten?
Fotoalben waren persönliche Geschenke
In der Ausstellung werden in fünf historischen Fotoalben drei Kliniken der Kieler Universität zwischen 1885 und 1986 portraitiert. Die Alben waren nicht als öffentliche Dokumente konzipiert, sondern als sehr persönlich auf eine Person zugeschnittene Geschenke. Ein Team aus Kunsthistorikerinnen und Museumsmitarbeiterinnen ermittelte mit detektivischem Spürsinn den Kontext der Bildmotive und analysierte die Dramaturgie der sehr unterschiedlichen Alben. Obwohl die Fotografien überwiegend betitelt sind, zeigte sich schnell, dass die Bilderzählung stets im Zusammenspiel mit mündlicher Erläuterung und persönlicher Erinnerung gedacht war. Ohne die Stimmen derer, die das Dargestellte erlebt haben, verändert sich das Verständnis des Gezeigten grundlegend.
Fotos lassen Interpretationsspielraum
Drei Fotoalben aus der Klinik für Gynäkologie, eines aus der Psychiatrischen Klinik und eines aus der Ersten Medizinischen Klinik bilden die Basis der Ausstellung. Sie werden in Bezug zu den privaten Fotosammlungen eines Medizinstudenten und eines jungen Arztes in der Klinik für Chirurgie gesetzt. Anhand von acht Themen, darunter die Darstellung von Gebäuden, Medizintechnik und Menschen, zeigt die Ausstellung, wie Motivgestaltung und Bildauswahl, aber auch der Stand der fotografischen Technik und die Kunstfertigkeit der Fotografen uns Fotografinnen das Verhältnis derer, die ein Fotoalbum erschufen, zu ihrer Klinik und zum Empfänger des Albums spiegeln. Jedes Fotoalbum erzählt eine eigene Klinikgeschichte aus einer individuellen Perspektive. Was die Alben zeigen, ist sorgfältig gewählt. Was sie verschweigen, lässt sich nur erahnen. Dieser Interpretationsspielraum macht sie als historische Quelle faszinierend.
Am 12. Mai geht es los
Zur Eröffnung am 12. Mai erhalten Besucher eine Einführung durch Kunsthistorikerin Dr. Susanne Schwertfeger und Studierende des Kunsthistorischen Instituts. Als Zeitzeugin für ein Album der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe von 1977 wird Ursula Schroth, leitende Hebamme unter Prof. Kurt Semm, Albumerzählung und gelebten Alltag in der Klinik in Bezug setzen. Für die Teilnahme ist eine Anmeldung bis 10. Mai über folgenden Link erforderlich: hier anmelden. Für die Anmeldung mehrerer Personen muss der Link mehrfach genutzt werden. Anschließend ist die Ausstellung ab 13. Mai 2026 jeweils dienstags bis freitags 10 bis 16 Uhr sowie sonntags 12 bis 16 Uhr in der Medizin- und Pharmaziehistorischen Sammlung, Brunswiker Straße 2, 24105 Kiel, zu sehen. (PM/RED)











