
Fördeklinikum: Neue Struktur, aber der alte Elefant im Raum
Im März übernimmt die katholische Malteser Deutschland gGmbH, wie berichtet, die evangelische Diakonissenanstalt zu Flensburg. Wie geht es dann weiter mit dem geplanten Fördeklinikum, das bisher beide Träger betreiben wollte? Bei der gemeinsamen Sitzung mehrerer kommunaler Ausschüsse gab es einige Antworten, aber: Der „Elefant im Raum“ blieb unbeweglich - Schwangerschaftsabbrüche wird es unter dem katholischen Dach nicht geben. Als Folge fürchten Kommunalpolitik und Bevölkerung Versorgungslücken für ungewollt Schwangere.
Meilenstein wird klinikübergreifend erreicht
Im vollen Flensburger Ratssaal drängten sich Abgeordnete und bürgerlicher Mitglieder gleich dreier Ausschüsse. Für einen Platz im Zuschauerrraum bedurfte es einer Anmeldung. Auf der Tagesordnung stand nur ein Punkt: das Fördeklinikum.
Philipp zu Löwenstein, Generalbevollmächtigter der Malteser Deutschland und seit im Mai 2024 kommissarischer Geschäftsführer des St. Franziskus-Hospitals, und Kerstin Ganskopf, Geschäftsführerin der Malteser Nord gGmbH, warben um Vertrauen. „Wir freuen uns, ein breit aufgestelltes Haus zu übernehmen“, sagte Löwenstein. Durch die Übernahme würden Schnittstellten zwischen den beiden noch getrennten Standorten wegfallen, das mache den weiteren Weg zum gemeinsamen Haus einfacher. „Und es wird für die Patienten eine Verbesserung der Versorgung bringen“, versprach der Geschäftsführer. Ziel sei es, am Zeitplan für den Neubau festzuhalten.
Die Malteser wollen alle Mitarbeitenden der Diako, sei es medizinisches oder anderes Personal, weiter beschäftigen, auch zu den bisherigen Bedingungen. „Alle Verträge und Absprachen übernehmen wir“, versprach Kerstin Ganskopf. Es habe bereits eine erste gemeinsame Veranstaltung gegeben, bei der roboterassistierte Operationen beschlossen worden seien: „Das ist ein Meilenstein für Flensburg“, freute sich Ganskopf. „Das geht nur klinikübergreifend.“
Keine Angaben zum Kaufpreis
Unbeantwortet blieb die Frage, wie viel Geld die Malteser in die Hand nehmen. Über den Kaufpreis wollten sich Löwenstein und Dirk Outzen vom Vorstand der Diako nicht äußern. Outzen betonte, dass bei der Übernahme die ökonomischen Gründe nicht die Hauptrolle spielten: „Wenn unser Anteil offen am Markt platziert worden wäre, wäre das Projekt in Gefahr gewesen.“ Der Diako sei es wichtig, dass am neuen Standort Peelwatt ein ökumenischer Campus entsteht. Die evangelische Seite wird die psychiatrische Klinik auf dem Gesundheitscampus betreiben und vielleicht auch andere Bereiche wie Kita oder Boardinghouse übernehmen. Die Krankenhausreform zwinge kleine Träger, sich auf Kernbereiche zu fokussieren, sagte Outzen.
Offen blieb auch die Frage, wie teuer der Neubau wird. Die bisher im Raum stehenden rund 400 Millionen Euro sei „die Sphäre, in der wir uns bewegen“, so Löwenstein. Zurzeit werde mit mehreren Gewerken verhandelt, eine Gesamtsumme soll Ende 2026 auf dem Tisch liegen.
Kein Anspruch auf Abtreibungen
Eine klare Antwort gibt es dagegen bei dem Thema, das Jane Jöns von Pro Familia als „den Elefanten im Raum“ bezeichnete: Schwangerschaftsabbrüche. Die Malteser lehnen den Eingriff ab, die einzige Ausnahme ist eine lebensbedrohliche Situation für die Frau. Die Diako hatte zwar einen Vertrag mit der Stadt gemacht, in dem auch diese Leistung aufgeführt ist. Doch juristisch hat die Stadt wohl nichts in der Hand, um diesen Anspruch einzufordern, sagte Oberbürgermeister Dr. jur Fabian Geyer (parteilos) auf Nachfrage des SSW-Abgeordneten Christian Dirschauer.
Abtreibungen schwerer zu organisieren
'Damit spitze sich die Lage für ungewollt Schwangere zu, erklärte Jöns. Die Zahl der Betroffenen bliebe seit Jahren in etwa gleich, die Zahl der Praxen, die den Eingriff oder einen medikamentösen Abbruch anbieten, hätten sich dagegen halbiert. Termine in andere Städte gebe es nur mit mehrwöchiger Wartezeit. „Und das ist eine Ewigkeit in dieser Lage.“ Gerade Frauen aus finanziell prekären Verhältnissen, die wenig Deutsch sprechen und kleine Kinder betreuen müssten – und solche Fälle häuften sich in der Beratung – hätten es schwer, unter solchen Umständen einen Abbruch der ungewollten Schwangerschaft zu organisieren.
Dirk Outzen bedauerte die Entscheidung der Malteser: Das Nein zu Abtreibungen sei „eine, aber nicht die einzige christliche Haltung“. Er sprach aber auch die Niedergelassenen an, die nach seiner Wahrnehmung „wenig Bereitschaft“ gezeigt hätten, Abbrüche vorzunehmen. Zurzeit kümmern sich Ehrenamtliche als „Abortation buddies“ um die Frauen, die Stadt unterstützt das Projekt.





