
Extrageld für das Sahnehäubchen
Wann haben Sie Ihren Förderverein in Flensburg gegründet und warum?
Dr. Silke Hopf-Jensen: Wir haben den Förderverein am 16. Oktober 2024 gegründet. Hauptziel ist es, Innovationen, medizinischen Fortschritt in der Region zu fördern. Damit wollen wir auch Fachkräfte in der Region halten. Wir sind in Flensburg – da haben wir keinen Standortvorteil, sondern müssen sehen, dass wir jungen Leuten einen attraktiven Arbeitsplatz bieten.
Sie stellen aber nicht einfach Geld mit der Gießkanne zur Verfügung …
Hopf-Jensen: Nein, das Besondere ist, dass Spender in Projekte investieren. Man kann zum Beispiel sagen, ich möchte eine Software unterstützen oder im Bereich Strahlentherapie, Onkologie oder Frauenklinik. Man kann also in Herzensprojekte investieren.
Wie läuft intern die Entscheidungsfindung für die Förderung?
Hopf-Jensen: Wir machen eine Projektausschreibung mit Zielsetzung. Die Projekte können einmal im Jahr eingereicht werden und durchlaufen dann eine Prüfung zunächst vor einem Wissenschaftsbeirat, der aus allen Chefärzten besteht. Hier muss ein Fragenkatalog abgearbeitet werden, das ist der medizinische Pitch. Der Antragsteller stellt fünf Minuten lang sein Projekt, seine medizinische Innovation vor, Kosten und medizinische Sinnhaftigkeit müssen belegt sein. Dann entscheidet der Vorstand des Fördervereins, ob es in Einklang steht mit dem Zweck und den Zielen des Fördervereins. Im Anschluss erfolgt eine interne Prüfung durch die Geschäftsführer der Kliniken. Wenn die Freigabe erfolgt, wird das Projekt umgesetzt. So konnten wir tatsächlich in diesem ersten Jahr bereits 250.000 Euro in innovative Projekte in den Flensburger Krankenhäusern umsetzen.
Das Geld kommt über Spenden. Gilt das auch für Mitgliedsbeiträge? Erheben Sie einen Beitrag, der den Krankenhäusern zugutekommt?
Hopf-Jensen: Korrekt. Das muss man sich als Pyramide vorstellen. Die Mitgliederbeiträge sind die Basis. Wir erheben einen Beitrag von 30 Euro pro Einzelperson und 45 Euro für Ehepaare und Lebensgemeinschaften. Dieser Sockel macht nicht den größten Anteil an Spenden aus, ist aber wichtig, weil es sich um Multiplikatoren handelt. Diese Mitglieder machen Werbung und stellen uns ihr Netzwerk zur Verfügung. Darauf aufbauend kommen Spenden von Einzelpersonen hinzu – teils von Patienten, die gute Erfahrungen gemacht haben, oder von Erben, die einmalig etwas zur Verfügung stellen. Hinzu kommen kleine und mittelständische Firmen und die Banken, die angekündigt haben, den Förderverein über mehrere Jahre zu unterstützen, weil sie in der Region verankert sind. Ganz oben in dieser Pyramide stehen wenige Spenden von Großunternehmen. Wichtig für uns sind alle – auch zum Beispiel Spenden aus einer Weihnachtsfeier.
Was war der Anlass für die Gründung und mit wessen Hilfe haben Sie diese bewältigt?
Hopf-Jensen: Das ist aus einem Herzensprojekt entstanden. Wir wünschten uns eine KI-basierte Software für die Schlaganfalldiagnostik und haben uns überlegt, wie wir das finanzieren können. Dadurch kam es dann zur Gründung eines Vereins, der größer wurde in seinem Gedankenspiel. Dann haben wir uns Leute gesucht, die sich in Vereinsarbeit auskennen. Das begann mit einem Schatzmeister. Wir haben zwei großartige Schatzmeisterinnen, die nicht in der Medizin tätig sind, ausgebildet im Controlling in der freien Wirtschaft und erfahren in Vereinsarbeit. Wir benötigten einen Anwalt mit Erfahrung in Vereinsrecht, der uns bei der Erstellung einer Satzung unterstützt hat und einen Kontakt zum Steuerberater. Und es braucht einen sehr logischen Kopf – das ist unsere Schriftführerin, eine Unternehmerin. Abschließend ist ein 1. Vorsitzender notwendig und ein Stellvertreter. Dies sollten zwei Persönlichkeiten sein, die den Verein nach außen präsentieren und gut in der Region vernetzt sind.
Sie bekommen in Flensburg ein Zentralkrankenhaus. Hat das dazu beigetragen, den Förderverein zu gründen?
Hopf-Jensen: Nein, überhaupt nicht. Wir wollen die Medizin in der Region unterstützen – unabhängig davon, dass wir ein gemeinsames Krankenhaus bekommen. Wir unterstützen gute Medizin. Das Zentralklinikum ist eine Chance, weil auch dort wieder neue, innovative Projekte möglich werden, insbesondere, was die Nachhaltigkeit angeht.
Wer ist Mitglied im Förderverein und wie viele Mitglieder haben Sie?
Hopf-Jensen: Wir sind jetzt 120 Mitglieder aus unterschiedlichen Berufsgruppen. Vom kleinen Familienbetrieb zum größeren Industrieunternehmen. Es gibt aber auch Privatpersonen aus völlig unterschiedlichen Bereichen, die der Klinik verbunden sind. Da sind Beamte, Lehrer, junge und ältere Menschen, Kaufleute, Handwerker. Also ein ganzer Strauß an Mitgliedern, die gerne für sich, für ihre Familie und möglicherweise für die Mitarbeiter ihrer Betriebe eine gute medizinische Versorgung in der Region haben wollen.
Wie werben Sie ihre Mitglieder und stoßen Sie auch mal auf Ablehnung?
Hopf-Jensen: Wenn man einen Förderverein gegründet hat, muss man das Thema in den Vereinen und Netzwerken der Stadt platzieren. Anfangs stößt man auf eine gewisse Skepsis. Da kommt die Frage auf, ob die Finanzierung nicht Aufgabe des Staates sei oder des Trägers oder dass solche Dinge eigentlich durch den Krankenkassenbeitrag bezahlt seien. Man muss schon ein bisschen Aufklärungsarbeit leisten und erklären, warum Medizin sehr, sehr teuer ist. Unser Förderverein ist nicht dazu da, die grundlegenden Basisausgaben eines Krankenhauses zu decken. Es ist vielmehr für das i-Tüpfelchen, das Sahnehäubchen. Es sollen Innovationen gefördert werden, die aktuell nicht bezahlt werden und dennoch wichtig sind.
Ist das das überzeugendste Argument? Wenn die Menschen hören, dass keine öffentliche Förderung ersetzt werden soll, sondern Projekte ermöglicht werden, die sonst nicht realisiert werden könnten?
Hopf-Jensen: Korrekt. Wir treffen immer wieder Menschen, die sagen, wir haben schon eine Möglichkeit und einen Weg gesucht, wie wir Krankenhäuser unterstützen können. Also die Bereitschaft ist sehr, sehr groß, dass man sein regionales Krankenhaus unterstützt, dass man eine gute Versorgung vor Ort hat. Man kann es sich im Notfall nicht aussuchen, wohin man geht. Wenn man einen schweren Verkehrsunfall hat, dann geht man nicht an die Uniklinik nach Hamburg, sondern man wird vor Ort versorgt. Wichtig ist uns: Es muss nicht immer eine finanzielle Spende sein, sondern manchmal auch das Zur-Verfügung-Stellen eines Netzwerkes.
Was war ihre wichtigste Aufgabe in der Gründungsphase?
Hopf-Jensen: Die Hauptaufgabe war, so etwas publik zu machen, damit man die richtigen Leute trifft, die wiederum ihre Ideen und Netzwerke zur Verfügung stellen. Das ist zugleich eine der spannendsten Aufgaben, weil wir uns dabei nach außen öffnen und mit anderen Akteuren zusammenkommen.
Was hat Sie bewogen, sich ehrenamtlich zu engagieren?
Hopf-Jensen: Ich wurde schon als kleines Kind und Jugendliche von den Eltern in diese Richtung gebracht. Meine Eltern waren im kulturellen Bereich aktiv, ich selber im Sportverein. Dort gibt es gute Jugendgruppen, Leiter, Lehrgänge, die dann Jugendliche fördern, eher im Ehrenamt aktiv zu sein. Davon profitiert man als Erwachsene.
Um sich finanziell für eine Klinik zu engagieren, ist eine gewisse Bindung erforderlich. Wie schafft man die?
Hopf-Jensen: Zum einen durch das persönliche Gespräch. Zum anderen durch Medienpräsenz – man muss präsent sein mit Dingen, die gut laufen. Es gibt viele Menschen mit einem Bezug zum Krankenhaus. Das Gute daran herauszuarbeiten, ist eine unserer Aufgaben.
Vielen Dank für das Gespräch.
Ein innovatives Gerät, das die Versorgung verbessert, aber aus den herkömmlichen Mitteln des Krankenhauses nicht finanzierbar ist? Manche Kliniken können es sich trotzdem leisten, weil ein Förderverein sie unterstützt. Dr. Silke Hopf-Jensen aus dem Vorstand des Fördervereins Flensburger Kliniken berichtet, wie dessen Arbeit erfolgreich gestaltet wird.





